Berlinale, Tag 4 – Ich bin ein Dichter, ihr lieben Mäusegesichter

Ich komme nach Hause, greife zum schärfsten Küchenmesser, setze es an mein Handgelenk, direkt an die Pulsader, und ziehe einmal energisch durch. Fühlt sich jedesmal an wie Selbstmord, ist aber nur das Abschneiden des sogenannten Bändchens. Das Bändchen ist der Eintrittsausweis für die Party, und das Bändchen trennt die Leute zweimal in zwei Gruppen: Einerseits die Eingeladenen und die Uneingeladenen, andererseits die Feiernden und die Arbeitenden (und dann nochmal die Normalos und die VIPs, aber das hatten wir ja schon).

Wer wie ich in den 80er Jahren ein Kind war, der kam an Frederick nicht vorbei. Frederick war ein Kinderbuch über eine faule Maus, die keinen Bock auf Arbeit hat, sich von den anderen Mäusen durchfüttern läßt und ihnen im Gegenzug irgendwas von Sonnenstrahlen und Farben vorfaselt, woraufhin die anderen Mäuse ihn nicht etwa davonjagen, sondern als Künstler feiern. Im Buch ist Frederick allerdings der Held. Die arbeitenden Mäuse sind eher so Komparsen und haben keine höheren geistigen Interessen. Frederick muß ihnen erst die Augen öffnen. Die Botschaft war klar: Man sollte so sein wie Frederick. Unsere Kindergärtnerinnen, die damals noch nicht Erzieherinnen hießen, lasen uns das Buch vor, und am Ende, wenn es auf die Pointe zulief, verlangsamten die Kindergärtnerinnen ihre Stimme und wurden im Tonfall ganz bedeutsam, denn am Ende sind die doofen Körnersammelspießermäuse sehr ergriffen, nachdem Frederick seinen Sonnenstrahlenmonolog beendet hat, und das Buch endet mit folgendem Schlagabtausch:

Frederick, du bist ja ein Dichter!
Ich weiß es, ihr lieben Mäusegesichter.

Ich kann mich erinnern, daß ich das schon als Kind ziemlich mies fand. Erst läßt Frederick die anderen arbeiten und macht keinen Finger krumm, dann quittiert er das Lob mit einem blasierten „weiß ich längst“, und dann kommt noch so ein Reim aus der Brechstangenabteilung. Wenn Kunst, dann bitte nicht so.

Es gibt ja im Volke dieses stets köchelnde Ressentiment, daß Künstler eigentlich nur Parasiten seien, Schmarotzer am kraftstrotzenden Körper der wahren Wirtschaft, wo wahre Hände in wahrer Arbeit wahre Werte schöpfen. Wollte man Belege für diese These suchen, so würde man auf Berlinale-Partys einige finden. Die einen betrinken sich mit Freibier, die anderen schleppen die dazugehörigen Bierkästen über die Köpfe der Menge, stehen sich am Einlaß die Beine in den Bauch, lächeln stets freundlich und haben Anweisung, das Bändchen auch schön festzuziehen, damit es nicht an Unbefugte weitergereicht wird. Hätte ich einen dieser Jobs, dann hätte ich nichts als Verachtung im Herzen. Trinkgeld gibt es eh keins, dafür garstige Wortgefechte mit Leuten, die nicht auf der Liste stehen, dann kommen sie alle nach und nach wieder hinausgewankt, beschweren sich über ihre unbequemen Schuhe, kreischen sich gegenseitig irgendwas zu, fallen einander um den Hals und dann in die bereitstehenden Taxis, zur nächsten Party oder nach Hause in den Prenzlauer Berg, wo ihnen keiner sagen wird: Du bist ja ein Dichter.

Ich selber falle immerhin nicht kreischend in Taxis, sondern schwinge mich schweigend aufs Fahrrad, aber von der oben beschriebenen Fremdscham fällt dann wieder ein Stück auf mich selber ab, denn ich bin ja selber Teil der freibiertrinkenden Bändchen-Crowd, und auf die Radfahrerei sollte ich mir auch nix einbilden, denn Taxifahrer wollen doch nur ein bißchen Geld verdienen, bevor das selbstfahrende Google-Auto sie demnächst ins Jobcenter schickt. Sind wir also Parasiten beziehungsweise so wie Frederick, die Maus? Sollten die normalen Mäuse uns verachten? Oder bewundern?

Eins an der Geschichte von Frederick ist jedenfalls völlig falsch. Ob J.S. Bach jede Woche eine Kantate komponiert oder ein deutsches Filmteam in 22 Tagen einen „Tatort“ raushaut oder Michelangelo ein Schiff über den Berg zieht oder Werner Herzog 12 Stunden pro Tag, auf einem Gerüst auf dem Rücken liegend die sixtinische Kapelle ausmalt – Kunst (zählen wir den Tatort mal dazu) macht einen Haufen Arbeit. Indem sie das verschweigt, befördert die Geschichte von Frederick genau das, was sie bekämpfen will, nämlich das Ressentiment vom parasitären Künstler. Wäre die Geschichte realistischer, dann würde Frederick den ganzen Sommer 12 Stunden täglich am Schreibtisch sitzen und sich gelegentlich die Haare raufen, am Ende des Herbstes hätte er dann eine Tragödie in fünf Akten fertiggestellt und würde sie selbst uraufführen, die Reaktion der anderen Mäuse auf die Uraufführung wäre zwiespältig, es gäbe ein paar saftige Verrisse und ein paar wohlmeinende Worte, drei Tage später würde keiner mehr drüber reden, und Frederick würde sich auf der Berlinale-Party einer erfolgreichen Produktionsfirma frustriert die Kante geben. Aber sowas kann man Fünfjährigen ja nicht erzählen.

Die Arbeit ist ja auch nicht identisch mit der Kunst. Sie zerfällt in jede Menge Scheißjobs, die eigentlich unerträglich wären, wenn sie nicht für die Kunst wären. Teppiche schrubben ist ein Scheißjob (den ich auch schon gemacht habe, oh ja, das muß man als Kulturschaffender erwähnen, um dem Parasiten-Ressentiment etwas entgegenzusetzen) – Teppiche schrubben, weil sie Teil eines Filmsets werden sollen, ist dagegen vergleichsweise okay, denn man ist Teil eines größeren Ganzen. Und das ist keine Illusion, das ist wirklich so. Ist ja auch gar nicht so schlimm. Ohne Arbeit kein Feierabend, und Feierabend ist doch eine der prächtigsten Sachen, die der Alltag so zu bieten hat.

Was es aber auch gibt, es ist mittlerweile ein eigenes kleines Genre geworden: Der Scheißjobfilm. Im Forum läuft ein sehr schöner Scheißjobfilm, „Yarden“ von Måns Månsson. Ein erfolgloser Schriftsteller arbeitet auf einem riesenhaften Auto-Verschiebe-Parkplatz im Hafen von Malmö. Bis zum Horizont fabrikneue Audi und VW mit weißen Klebefolien und Schonbezügen. Es folgen die klassischen Elemente der Scheißjobfilmdramaturgie: Miese Bezahlung, kafkaeskes Reglement, der Mensch wird zur Nummer, Denunziation wird belohnt, irgendwann steht man vorm Pförtner und kriegt mitgeteilt, daß man gefeuert wurde, Klamotten bitte sofort ausziehen und hierlassen. Das mag alles nicht brandneu sein, aber ich mochte den Film sehr, denn ihn treibt ein bohrendes Interesse und eine ästhetische Unbedingtheit, die auch wieder sehr klar „Kunstkino“ sagt, aber egal, ich mochte ihn sehr, denn er war gut verdichtete Zeit (siehe gestern). Audi, also einer der Hersteller der Autos, aus denen der Film besteht, ist ja übrigens auch Berlinale-Sponsor und hat sich gegenüber vom Berlinale-Palast einen eigenen kleinen Palast errichtet. Ehrengäste werden in nagelneuen Audis zum roten Teppich kutschiert, dafür steht überall Audi drauf. Irgendeiner muß halt die Rechnung zahlen für die vielen Fredericks, die keine Vorräte anlegen, sondern Sonnenstrahlen sammeln. Es ist ja letztendlich nur ein Austausch von Waren: Wir produzieren „Glamour“, Audi produziert Autos, und beide Seiten des Handels geben sich gegenseitig was davon ab, weil sie jeweils mehr produzieren, als sie selber brauchen. Die Ware würde sonst nur vergammeln, also auf Autohalden in Malmö bzw. zwischen dem achten und neunten Cocktail auf Berlinale-Partys. Das ist einfach Marktwirtschaft. Also Kapitalismus. Soweit okay.

Nicht okay ist, wenn der Kapitalismus sich ganze Stadtviertel baut, die in denen er dann noch nicht mal selber wohnen will. Meine erste Berlinale im Jahr 2000 war auch die erste am Potsdamer Platz. Damals war alles nagelneu, die Berlinale-Veteranen fremdelten, aber heute, 15 Jahre später, redet keiner mehr davon, heute ist der Potsdamer Platz längst ein pulsierendes Stadtviertel, kleine Gemüsehändler sitzen vor ihren Läden, paffen ein Zigarettchen und blinzeln zufrieden in die Nachmittagssonne, im Sommer spielen die Kinder auf der Straße, aus den offenen Fenstern hört man strebsame 15jährige Cello üben, sympathische Kultur-Hipster sitzen scharenweise in irre netten Cafés – haha, saulustig, in Wahrheit ist hier: Nix. Die Hochhäuser stehen überwiegend leer. Wer in die Berlinale-Büros im 4. Stock geht und aus dem Fenster guckt, der guckt gegenüber in große leere Etagen. Die ganzen Wirtschaftsprüfer und Anwaltskanzleien und Architekturbüros, die hier mal als Mieter gedacht waren, sind anscheinend woanders. Und da wird es interessant. Denn daß der gräßliche globale Shareholder-Investoren-Kapitalismus die Fähigkeit verloren hat, lebenswerte Orte herzustellen, wie es der personengebunde Großkapitalisten-Kapitalismus vergangener Tage wohl noch konnte, das ist ja ein alter Hut. Aber daß der Kapitalismus sich in seinen Palästen noch nicht mal selber wohlfühlt, das scheint mir ein vergleichsweise neuer Hut zu sein.

Allerdings weiß ich nicht so genau, auf welchen Kopf man diesen Hut setzen sollte. Möglicherweise sollte man mit dem Kapitalismus umgehen wie mit einem Kind, dem man sagt: Tu dir nicht so viel auf den Teller, iß das erstmal auf, dann kannste dir immer noch mehr nehmen. Also, Kapitalismus, bau dir nicht so riesige Paläste, die du hinterher nicht vollmachen kannst, bau erstmal kleinere, dann kannst du die Mieten auch niedriger halten und so weiter und so fort.

Ach, schon wieder in allgemeinen Betrachtungen versackt. Gestern nochmal im Kino gewesen, „L‘Avenir“, mit Mutter und Freundin. Mutter mochte ihn, Freundin nicht, ich sitze so dazwischen. Dieser Film ist wie Frederick, die Maus. Er ist zu nichts nutze, er macht lauter feinsinnige Beobachtungen, eine nach der anderen, er ist wie Gespräch mit einer klugen Freundin, die bei jeder hochinteressanten Seitenbemerkung ständig vom Thema abkommt, er mäandert so durch seine hundert Minuten, eigentlich finde ich ihn im Rückblick doch ziemlich gut und rufe hiermit: Frederick, du bist ja ein Dichter! Und als solcher mußt du jetzt leider einen Scheißjob auf einem Autoverschiebebahnhof in Malmö annehmen.

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4 Responses to Berlinale, Tag 4 – Ich bin ein Dichter, ihr lieben Mäusegesichter

  1. Lore Brüggemann says:

    Das gewissermaßen archetypische Vorbild zu Frederiks edler und tatenloser Feinsinnigkeit gibt es bereits im Lukasevangelium in der Geschichte von Martha und Maria: Martha schuftet, und Maria lauscht untätig aber ergriffen den Worten des Erlösers. Und sie wird gelobt, während der fleißigen Martha ein harscher Tadel zuteil wird…

  2. Achim says:

    Die Ansichten wie Filme von Dietrich Brüggemann sind oft ansprechend, pointiert geschrieben oder gefilmt, manchmal sehr lustig, aber immer dort enttäuschend, wo er versucht einen Zeitgeist zu beschreiben. Immer dann erscheint vor meinem inneren Auge ein alter Mann, um die 60 Jahre, mit Thesen die alle in den 1950er Jahren bedrohlich scharf gewesen wären.

    Dietrich Brüggemann hat zwei wirklich gelungene Filme gedreht! Renn, wenn du kannst und One Shot. Der Rest seines Oeuvre, besonders die beiden letzten Filme Heil und Kreuzweg, leidet darunter einen Zeitgeist vorauszusetzen, der so gar nicht existiert (außer natürlich in den Köpfen von einer älteren Generation). Deshalb sind es keine schlechten Filme, aber sie sind eben doch nicht ganz stimmig. Kreuzweg wäre ein brisanter Film in den 1950er Jahren gewesen, aber nicht in einer durch-und-durch säkularisierten Bundesrepublik von heute. Auch Heil hätte das Zeug dazu gehabt, wenn er ein paar Jahrzehnte früher herausgekommen wäre. Doch heute, wo alles zu den Nazis von links nach rechts und von rechts nach links gewälzt und nun auch noch Mein Kampf im Buchladen ausliegt, da ist eine 1:1 Sicht auf Alt- und Neu-Nazis ziemlich überflüssig. Dem Zeitgeist angemessen wäre gewesen, die beiden Mechanismen wie es zu Hitler und Co. kam, mit einem neuen, aktuellen Thema zu verbinden.

    Denn uns Deutschen ist der Nationalismus oder gar das Rechtsradikale nicht in die DNA geschrieben. Deshalb wird es auch kein 4. Reich geben und die Neo-Nazis werden nicht mehr 45 % erreichen wie 1933. Aber die Mechanismen wie es vor 80 Jahren dazu kam, die sind spannend und wiederholbar. Zuerst gab es den durch alle Kreise sehr positiv bewerteten Nationalismus in den zerstückelten deutschen Ländern des 19. Jahrhunderts, um endlich zu der gewollten Einigung zu gelangen (die die meisten Nachbarländer schon hatten). Logisch die folgende große Euphorie bei erreichen des lang ersehnten Ziels (und der großen Frustration nach Weltkrieg 1). Und als zweiten Mechanismus die Anpassung der Mehrheit der Gesellschaft an eine vorherrschende Meinung, um möglichst gut „mitschwimmen“ zu können. Das sind Wirkungen die immer wieder vorkommen. Was ist dazu passend ein brisantes Thema von heute? Sind die neuen Nazis die Menschen, denen die Klimaproblematik ganz egal ist und sie weiter ungebremst Auto fahren, fliegen, Fleisch essen, bis letztlich eine große Flut an Klimaflüchtlingen vor der EU steht und folgenden Generationen ein (Klima-) Scherbenhaufen wie nach 1945 überlassen wird?

    Zurück zur Berlinale. Natürlich kann man schmunzeln, wenn sich beim medienboard-Empfang erst die Porsches vor dem Ritz gegenseitig behindern und anschließend der Partygast sich im Innern an so einem Fahrzeug noch vorbeidrängeln muss. Aber was soll’s? Hier schmückt sich eine Industrie mit uns Filmschaffenden und wir (armen) Filmschaffenden dürfen etwas Glamour genießen, der nicht 365-Tage im Jahr unseren Alltag bestimmt. Ob man sich deshalb gegenüber dem fleißigen Ritzpersonal schlecht fühlen muss? Wohl kaum! Einerseits werden diese sicher im Jahresschnitt nicht schlechter bezahlt als die meisten von uns – und vielleicht sind sie mit ihrer Arbeit gar zufrieden. Der Job des Müllmanns ist häufig so begehrt, dass er gar nicht öffentlich ausgeschrieben wird. Es gibt durchaus Menschen, und nicht wenige, die gerne einen strukturierten Arbeitstag besitzen, bei dem ihnen jemand Aufgaben zuteilt und sie sich diese nicht selber suchen müssen. Anderseits sind die wirklich schlecht bezahlten und für uns schuftenden Menschen längst aus unserem Blickwinkel verschwunden. Lebten sie vor hundert Jahren noch sichtbar im Hinterhaus, so sind die miserablen Arbeitsbedingungen beim Kauf eines 5 € T-Shirts eher kaum zu erkennen (gleiches Problem bei der Massentierhaltung).

    Aber letztlich ist auch dies eine Welt von gestern. Fahrrad fahren heute nicht die Arbeiter (die sitzen meist in großen Autos), sondern „Zeitgeist-Menschen“ am besten auf Brompton-Falträdern. Ein Anfang, der unsere Gesellschaft möglicherweise in die richtige Richtung lenkt. Denn schließlich ist Kapitalismus gar nicht okay, weil sein Prinzip bei der Globalisierung an Grenzen stößt. Kapitalismus funktioniert immer so, dass es jemand oder etwas gibt, welches zum Vorteil eines anderen ausgebeutet werden kann. Doch wie soll das gehen, wenn ein sehr überwiegender Teil der Weltgemeinschaft so leben will und kann wie wir? Wer arbeitet dann für diese Menschen, woher stammen die Ressourcen für diese Milliarden?

    Also erneut eine These von anno dazumal und stattdessen muss der Kapitalismus zwingend neu gedacht werden. Und dabei helfen möglicherweise Denkmuster wie die Soziale Geschwindigkeit (http://www.urbanist-magazin.de/2015/06/das-konzept-der-effektiven-geschwindigkeit/). Demnach bedeutet es, der Kapitalismus ist auf besonders hohen Umsatz aus und deutlich weniger auf einen wirklichen Gewinn des Konsumenten. Vielleicht liegt darin die Lösung: Weniger unnötiger Umsatz, mehr realer Gewinn. So können auch bald 8 Milliarden auf unserem Niveau leben? Erreichen wir möglicherweise dann das von Keynes prognostizierte Leben, der 1930 formulierte, wir würden bald alle nur noch zu 50 % oder weniger arbeiten müssen? Er irrte bis heute, weil die Industrie Bedürfnisse generierte die kaum eine Notwendigkeit besitzen, aber den kleinen Mann (und die Frau) hechelnd diesen hinterherlaufen und die ganze Geldbörse dafür hergeben lässt.

    Und abschließend zu einem letzten Zeitgeistgefühl von Dietrich Brüggeman: Auch ich war in den 1980er Jahren Kind, habe aber vom Kinderbuch Frederick bis gerade nie etwas gehört, dafür jedoch von der Ameise und die Heuschrecke. Bin nun ich oder ist Dietrich Brüggemann aus der Zeit gefallen?

  3. Bernd says:

    Lustig, wie in der letzten Zeit immer mal wieder ein Koreferent aufploppt und erst anmerkt, dass Nationalismus bei „uns Deutschen“ nicht „in der DNA“ läge, also annimmt, Deutschsein und etwaige historische Kontinuitäten wären irgendwie was Angeborenes (na, aus welcher Zeit stammt wohl _diese_ Idee?), um dann zu sinnieren, wer wohl die heutigen Nazis wären. Ich kann dem Koreferenten gerne sagen, wer da aus der Zeit gefallen ist. Jeden dritten Tag ein Brandanschlag auf Geflüchtetenunterkünfte letztes Jahr und eine steigende Angriffstendenz in diesem Jahr sprechen eine ebenso deutliche Sprache wie das Vokabular einschlägiger Demonstrationen. „Was ist dazu passend ein brisantes Thema von heute?“ Wtf.

  4. Christian vA says:

    Sorry, lieber Vorredner, aber das ist genau das reflexhafte Kontra, welches journalistisch so schön eingeprobt wurde – oh Gott, nur nicht sagen, das NAZI-Thema sei durch. Ich gehe nicht konform mit allen Meinungen des Erstkommentierenden, aber als jemand der mit einer Französin verheiratet ist weiß ich sehr wohl, dass Geschichte von Land zu Land mehrheitlich unterschiedlich von den jeweiligen Einwohnern gesehen wird. Das ist nicht angeboren (hatte das der Erstkommentierende geschrieben?) aber sehr wohl prägend. Ein franz. Kind durchläuft eine ganz andere Prägung durch Eltern und Gesellschaft als ein deutsches. Und mit einer Sache hat der Erstkommentierende nun wirklich recht, die Flüchtlinge die wir jetzt haben sind nur ein kleiner Vorgeschmack auf das was kommen wird, wenn wir den Treibhauseffekt nicht stoppen. Also sollten wir schon die Dimensionen sehen, wo die wirklichen Gefahren liegen, und entsprechend handeln. Ich persönlich habe deshalb entschieden mehr Angst vor der Gefahr einer unkontrollierten Klimaveränderung, als dass neue Rechte mich und meine Frau wegen unserer Mischehe verfolgen.

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