Tatort: Stau

Mit Richy Müller, Felix Klare, Amelie Kiefer, Odine Johne, Rüdiger Vogler, Roland Bonjour, Julia Heinemann, Eckart Greiner, Folke Renken, Susanne Wuest, Deniz Ekinci, Jacob Matschenz, Sanam Afrashteh, Daniel Nocke u.v.m.

Die Stuttgarter Kommissare Lannert und Bootz ermitteln im Feierabendstau.

Drehbuch: Daniel Bickermann und Dietrich Brüggemann
Regie: Dietrich Brüggemann

Erstausstrahlung Sonntag 10.9.2017, 20h15, ARD

Autor und Regisseur Dietrich Brüggemann, der seine Karriere mit klugen WG-Komödien wie „3 Zimmer/Küche/Bad“ begann und zuletzt die lustvoll überreizte Neonazi-Satire „Heil!“ ins Kino gebracht hat, inszeniert auf Pointe, aber auch psychologisch präzise. Jede kleine Privathölle auf vier Rädern, in die Lannert und Bootz während ihrer Untersuchungen blicken, ist in sich schlüssig aufgebaut. Angefangen bei der Musik, die sich stets kommentierend oder entlarvend kontrapunktisch zu den Fahrern der überwiegend hochgerüsteten Automobile verhält: Zorn, Verzweiflung und Anmaßung in Dolby Surround. Die Figuren in „Stau“ (Co-Autor: Daniel Bickermann) sind knapp charakterisiert, führen im Ensemblezusammenspiel aber auf die zweite Ebene des Films. Das Paar, das ausgerechnet auf dem Weg zum letzten rettenden Therapeutentermin aufgehalten wird. Die Ballett-Mom, die in ihrer agilen Mütterlichkeit ein Monstrum produziert hat. Die brutal dynamische Managerin, die vom Rücksitz aus ihren Chauffeur drangsaliert, bis der das Weite sucht – alle diese Figuren fügen sich zusammen zu dem Bild einer Gesellschaft, die an ihrer eigenen Mobilität zu verrecken droht. Zu einem Requiem in D-Dur für die siechende Autorepublik Deutschland.
(Christian Buß, Spiegel Online)

Brüggemann macht also vieles richtig – neben Buch und Regie hat er auch die sparsam eingesetzte Musik komponiert. Die Klarinetten-Melancholie adressiert bei der Zuschauerin im Vergleich zum sonstigen Tatort-Geklimper spürbar andere Gefühle. Der Konservatismus der Form (Agatha Christie ist ja eine durchaus historische Referenz) wird mit Leben gefüllt. Das reicht mitunter bis ins Politische, wenn sich aufgrund des Staus schließlich die Vorstufe eines Mobs organisiert.
(Matthias Dell, Die Zeit)

Warum ist „Stau“ so ein außergewöhnlich guter Tatort? Zum einen, weil der Kriminalfall hier gar nicht so wichtig ist. Aber anders als sonst, wenn der Kriminalfall nicht so wichtig ist, steht auch nicht das Privatleben der Kommissare im Mittelpunkt. Stattdessen geht es um viele kleine Geschichten. Da sind zum Beispiel die Eheleute auf dem Weg zur Paartherapie, die nun im Auto genauso gefangen sind wie in ihrer Beziehung. Da ist der frustrierte Angestellte, der nach der Arbeit noch unbezahlt etwas für seinen Chef erledigen muss. Da ist der Fahrer, der von der Geschäftsfrau, die er chauffiert, ohne Unterlass runtergeputzt wird. Dietrich Brüggemann hat bei „Stau“ das Drehbuch geschrieben und Regie geführt. Er wiederholt hier, was ihm schon 2012 bei seiner Komödie „3 Zimmer Küche Bad“ über acht Freunde und ihre Wohn- und Liebesprobleme sehr gut gelungen ist: Er seziert Beziehungen, erzählt davon, wie sie entstehen, davon wie sie sich auflösen und vor allem, was dazwischen passiert.
(Luise Checchin, SZ)

 

 

Tatort: Murot und das Murmeltier

Mit Ulrich Tukur, Barbara Philipp, Christian Ehrich, Nadine Dubois u.v.m.

Kommissar Murot steckt in einer Zeitschleife fest und erlebt denselben Tag immer wieder von vorn. Jedesmal wird er erschossen und wacht wieder am selben Tag auf. Wie kann er aus dem endlosen Kreislauf entkommen? Und wie ist er überhaupt da hineingeraten?

Buch und Regie: Dietrich Brüggemann

Erstausstrahlung Herbst 2018, ARD