Florian und Marie wollten eigentlich zuhause nur etwas essen und einen Film schauen. Doch der gemütliche Abend auf dem Sofa wird zu einem Höllentrip durch Streamingportale, Gutscheincodes, Lieferservice-Apps und kaputte Fernbedienungen. Wird ihre Beziehung das überstehen?
„Dietrich Brüggemanns kluges Kammerspiel handelt an der Oberfläche vom vermurksten Abend eines Paares, das sich auf der Suche nach Beschäftigung an den Untiefen des digitalen Alltags reibt. Doch sehr subtil erzählt der Film mit Nadine Dubois und Joseph Bundschuh in großartiger Präsenz auch von einer Gesellschaft der Beliebigkeit, in der selbst Sex nur eine Möglichkeit ist und das Leben so wichtig und unwichtig wie ein Fußballspiel ist. Eine reale Dystopie, so nonchalant erzählt, dass es die pure Freude und abgründigster Grusel ist.“
Axel Timo Purr, Artechock.de
„Mit diesem Film beweist Brüggemann, dass man auch ohne Budget und Förderung, ohne umfassende Planung, Cast und Crew einfach drauf losdrehen kann und doch etwas schafft, das bedeutsam ist und nahe geht. Mit kleinstem Team von nur zwei Leuten, die Kamera führte Alexander Sass, und einem kleinen Freundeskreis vor der Kamera zeigt Brüggemann, wie die Kultur-Industrie ihre Kinder frisst und wie man sich dagegen wehren kann. Der Guerilla-Stil ist dabei Methode, die Form aber bestimmt er nicht. Ähnlich wie Axel Ranischs „Dicke Mädchen“ ist „Home Entertainment“ ein Produkt des Widerstands. Und jeder der bis dahin dachte, nur ihm allein stellen sich die vielen digitalen Fallen in den Weg, weiß nun, dass es jedem so geht. Fast jeden Tag.“
Ulrich Sonnenschein, EPD Film / HR
„Wer immer schonmal wissen wollte, welche Gefahren es birgt, seinen Filmkonsum lediglich per Streaming zu bestreiten, der kann durchaus einiges lernen im neuen, als No-Budget-Produktion jenseits des deutschen Filmfördersystems gedrehten Film von Dietrich Brüggemann. Neben Netzproblemen und dem ewigen Zwang zum Weiterklicken werden allerdings auch Dating-Apps, Lieferdienste und pflichtbewusst aufgesagte Merksätze von Klimaaktivismus bis hin zu nachhaltiger Elternschaft zur Zielscheibe für Brüggemanns Spott – alles hineingestopft in eine mit 85 Minuten Laufzeit erfreulich dicht und rasant erzählte digitale Beziehungskomödie.“
Jochen Werner, Filmstarts.de
„Die Filme im Streamingangebot, das Florian (Joseph Bundschuh) und Marie (Nadine Dubois) zur Abendgestaltung konsultieren, sind so vielfältig wie uninteressant. Sie konfrontieren uns entweder mit der Wirklichkeit, der wir entfliehen wollen, oder sie bieten eine falsche Wirklichkeit, die wenig mit uns zu tun hat. Da ist was mit Juan Miró, gespielt von John Malkovich (als Insidergag: abgebildet ist Ulrich Tukur); oder eine lesbische Liebesgeschichte aus Skandinavien. Oder „88 Hämmer“, der Film über den verbitterten Klavierstimmer. Oder das verschwundene Kind auf der schottischen Insel. Brüggemann hat spürbar enormen Spaß daran, die Filmtitel und die Filmzusammenfassungen auszubreiten, es sind wunderbare Verulkungen des typischen Filmpanoramas: „Schweiger“, das deutsche Drama über einen, der nicht zur Arbeit geht, sondern irgendwohin und schweigt, oder „Das Leben ist ein Croissant“, oder „Die Erfindung des Seitensprungs“. Oder natürlich Audrey Hepburn und Alec Guinness im Swinging London, in einem angeblichen Erfolgsfilm von 1965.“
Harald Mühlbeyer, Kino-Zeit.de