Kreuzweg im Kino

Kinostart! Heute! In Deutschland! Zur Feier des Tages eine Rezension aus England. Und dazu eine persönliche Botschaft von mir persönlich. Was mich nämlich besonders freut, ist daß der Schreiber da schreibt: A formidable and frightening Franziska Weisz. Wenn Kritik kommt, hängt die sich ja oft an der Figur der Mutter auf, die sei überzogen, das sei eine Karikatur, und da muß ich leider entschlossen gegenhalten: Nein. Ist sie nicht. Die ist so. Punkt. Unser Kino mildert ja gern die Extreme zwischenmenschlichen Verhaltens ab und macht sie konsumierbar, und wenn doch extrem, dann allenfalls extrem introvertiert, nicht nach außen gerichtet. Und das ging hier leider nicht. Sorry. Und übrigens hat die Figur gerade in der Weise, wie Franziska sie verkörpert, eine performative Qualität, eine gewisse spektakuläre Größe, die schon wieder Spaß macht (also zumindest mir persönlich). In diesem Sinn: Viel Spaß im Kino!

Spaß hatten wir übrigens auch beim Dreh des Kurzfilms ONE SHOT, seinerzeit spontan mit Freunden ohne Geld zur sogenannten Integrationsdebatte gedreht. Eigentlich wollte ich den nur zur Berlinale einreichen, die hat ihn dann abgelehnt, dafür lief er auf ungefähr 50 anderen Festivals und gewann elf Preise. Jetzt steht er endlich im Netz. Man kann ihn anschauen und bei Gefallen weiterverbreiten. Eine Langfilmversion ist in Arbeit, die wird dann aber nicht nur feste Einstellungen haben.

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4 Responses to Kreuzweg im Kino

  1. Thomas says:

    Uff –
    selbst mit einem Familienmitglied unter religiösem Wahn gesegnet hielt ich die latente Gewalttätigkeit dieses Films kaum aus. Aber Respekt vor der Leistung der good guys und bad guys (Bischof Lefebvre!) dieser Geschichte. Hut ab vor der kühl beobachtenden Kamera. Unglaublich, wie der Choral zur Firmung oder die alberne Sportlehrerinnenmucke in einem ansonsten musikfreien Film wirken.
    Bleibt zu hoffen, dass die beteiligten Kinder keinen Schaden genommen haben…
    Mir jedenfalls half auf dem Heimweg nur noch die Gregory Porter-CD.
    Thomas (ungläubig)

  2. christoph says:

    Danke, Kollege für diesen Film. Habe ähnliche Dramaturgie und Deformation am eigenen Leib erfahren. Der Film eignet sich daher gut zur Aufarbeitung. Gelegentliche Überzeichnungen kommen gut an. Intro mit 14 Minuten war mir aufgrund meiner Erlebnisse fast etwas zu umfangreich. LG chris

  3. filmfan says:

    Warum wurde Kreuzweg nicht für einen einzigen deutschen Filmpreis nominiert, warum kam er nicht einmal in die Lola-Vorauswahl? Irritierend für einen Film, der mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde.

  4. mara says:

    Habe mir den Film neulich angesehen und er hat mich sehr berührt, trotz des nüchternen Stils. Er beschäftigt mich noch immer, und der Vorwurf mancher Kritiken, die Mutter sei überzeichnet oder unrealistisch als Figur, ist leider naiv. Sie ist sogar äußerst realistisch! Genau so hart geht es zu, wenn bei der Erziehung gänzlich eine Idee/ein Konzept und nicht der Mensch im Mittelpunkt steht. Ich bin ähnlich religiös erzogen worden, mein Vater kannte auch kein Verständnis und keine Gefühle dabei, den es gibt ja um Gott! Und der Eiferer hat immer recht, zumindest in seinem Kopf.
    Bei mir war es nicht die Pius-Bruderschaft sondern eine extreme evangelikale Prägung des Christentums, es müssen nicht immer die Katholiken sein. Dennoch war es sehr ähnlich. Das macht den Film meiner Ansicht nach auch so relevant: extrem religiöse (oder auch ideologische) Erziehung birgt Gefahren, denn sie macht blind.
    Danke für diesen Film.

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