Mein Plattenladen heißt Herunterladen

Achtung, dieser Text ist lang.

Sven Regener schimpft und wird beschimpft. 51 Tatort-Drehbuchautoren sind sauer und werden gescholten. Der Chaos Computer Club antwortet und kriegt eins auf die Mütze. Alle kloppen sich. Und zwar wegen Urheberrechten sowie einer Partei, die die Piraterie im Namen trägt. Piraten und Netzaktivisten befürchten eine Welt, in der Firmen wie Disney und Bertelsmann auf jedes geschriebene Wort, jede gepfiffene Melodie und jede Zeile Programmcode sofort ihren Copyright-Stempel draufknallen, dem Urheber dafür anderthalb Cent hinwerfen, das Werk die nächsten 180 Jahre in den Kerker sperren und nur für horrende Summen herauslassen. Die Musiker, Schriftsteller und Filmemacher hingegen befürchten eine Entwicklung, bei der ihre gesamte Arbeit von gierigen, bleichen Computerkindern ins Netz gestellt wird und sie bzw. wir alle verhungern. (Bildende Künstler haben sich übrigens noch nicht beschwert, aber die haben ja auch ein krisensicheres Geschäftsmodell – sie fertigen Einzelstücke und verkaufen sie zu horrenden Preisen an Einzelpersonen. Wobei den eigentlichen Reibach ja angeblich meist der Zwischenhändler macht.)

Es gibt zwei Dinge, die mich daran stören.

Zum einen die Hysterie. In den beiden oben geschilderten Szenarien steckt der gleiche Denkfehler wie in den bunten Zukunftsbildern aus den 50er Jahren, auf denen wir im Jahr 2000 in atombetriebenen Flugautos herumkurven. Man beobachtet eine Entwicklung, verlängert sie in die Zukunft und gerät in in Panik. Das ist so, als säße ich auf dem Beifahrersitz eines Autos, das an der Ampel losfährt, würde den Tacho beobachten und sagen: Verdammt, jetzt haben wir schon in sieben Sekunden von null auf fünfzig beschleunigt, wenn das so weitergeht, werden wir demnächst die Schallmauer durchbrechen, da sollte ich jetzt besser mal dem Fahrer laut schreiend ins Steuer greifen und den Wagen gegen die nächste Wand lenken.

Und zum anderen: Alle reden immer nur von den anderen. Niemand redet von sich selber. Aber wenn man herausfinden will, wie Menschen funktionieren, ist es meistens genau die richtige Strategie, von sich auf andere zu schließen. Diese Lücke würde ich also gern schließen und ein wenig von mir selber reden. Ich werde dann zur Antwort bekommen: Du bist da aber ein Ausnahme. Und ich werde erwidern: Nein, ich bin keine Ausnahme.
Hier also mein Leben als Produzent und Konsument urheberrechtlich geschützter Werke. Ich gehe davon aus, daß es den meisten anderen ungefähr ähnlich geht. Und hinterher will ich wissen, was von der Hysterie übrig bleibt.

Bis zum zwanzigsten Geburtstag las ich eigentlich nur Bücher. Die meisten davon aus öffentlichen Bibliotheken. Ab und zu holte man sich einen Film aus der Videothek. Alle paar Monate kaufte man bei Drogerie Müller eine CD aus dem „Independent“-Regal.

Die Jahre zwischen 20 und 24 verbrachte ich dann mit untergeordneten Tätigkeiten am Filmset sowie der Arbeit an einem Musikprojekt, das nie an die Öffentlichkeit gelangte. Ich hatte diverse Gedichte von Michael Ende vertont, die Lieder finde ich bis heute recht schön, öffentliche Aufführungen waren aber aufgrund der Textrechte immer nicht ganz einfach, und als irgendwann die eine oder andere Plattenfirma sich dafür interessierte, wurde es richtig kompliziert und verlief dann irgendwie im Sande.

Später, als ich dann auf der Filmhochschule war, arbeitete ich eine Zeit lang nebenher für eine Musikvideofirma. Wir bekamen von den großen Plattenfirmen neue Songs, das meiste war schlimmer Kaugummiplastikpop und stammte von Bands oder „Projekten“, von denen man noch nie gehört hatte und von denen man auch nie wieder hören sollte. In Jargon der Plattenfirmen waren das aber „Newcomer“, in die man jetzt erheblichen finanziellen Aufwand steckte, ihnen ein Video für damals noch durchschnittlich 20-40.000€ drehte, das dann auf „MTViva“ laufen sollte, damit die „Kids“ das gut finden und die dazugehörige Single und am besten auch das Album erwerben konnten. Nur wenige der gedrehten Videos wurden dann auch wirklich gesendet, aber schon vorher wurden jeweils nur wenige Videoideen von den Plattenfirmen zur Verfilmung ausgewählt – ich schrieb im Lauf der Jahre an die zweihundert davon, verfilmt wurden nur zwei, die ich dann aber aufgrund meiner eigenen Position als Newcomer nicht selbst verfilmen durfte, sondern in „Co-Regie“ mit einer erfahrenen Kraft, was bedeutete, daß ich danebenstand, während jemand anders die Ansagen machte. Die Konzepteschreiberei war natürlich unbezahlt. Ich war in dieser Zeit irgendwie nicht so gut auf die Musikindustrie zu sprechen und kaufte kaum Musik. Über unseren langsamen ISDN-Anschluß lud ich aber auf Verdacht allerhand herunter, das meiste war nicht so interessant, einiges haute mich um und führte zum Erwerb einer CD sowie darauffolgendem Konzertbesuch.

Die erste Musikvideofirma ging Ende 2002 pleite, aus den Trümmern formierte sich eine neue, dort arbeitete ich eine Zeitlang als Regieassistent. Die Videos sahen typischerweise so aus, daß die Band in einer coolen Industrieumgebung spielte, während parallel dazu ein gutaussehendes Mädchen diverse Abenteuer erlebte. Ich lernte dabei eine ganze Menge, kam an erstaunliche Orte und hörte irgendwann auf, als ich keine Lust mehr hatte, mich am Set anschnauzen zu lassen und außerdem klar war, daß die Firma wirklich keinerlei Interesse an hauseigenem Regienachwuchs hatte.

2006 lernte ich ein Mädchen kennen, das Platten auflegte und nichts als Musik im Kopf hatte. Ich betrat eine neue Welt. Auf einmal war alles voller Bands, die kein Schwein kannte und die wundervolle Musik machten, aus Blogs, auf denen man jede neue Platte herunterladen konnte, und daß man sie sich bei Gefallen dann auch kaufte, war eh klar. Mein Musikkonsum schnellte in die Höhe, ich lud mehr herunter, als ich anhören konnte, kaufte Tonträger, hatte auf einmal zahlreiche neue Lieblingsbands, ging auf Konzerte, legte mir einen Plattenspieler zu, wühlte in Plattenläden herum, wir gründeten mit einem dritten Freund eine Musikzeitschrift, die nur eine Ausgabe erlebte, und veranstalteten gemeinsame DJ-Abende, auf denen wir nur Sachen spielten, die wir selber toll fanden – und erstaunlicherweise fanden sämtliche Anwesenden, vom Schüler bis zum Professor, unsere Musik auch toll.

Im selben Zeitraum arbeitete ich am Drehbuch für meinen zweiten Langfilm. Den ersten hatte ich mit sehr wenig Geld an der Hochschule gemacht, er wurde dann später für einen fünfstelligen Betrag ans Fernsehen verkauft. Das Geld ging komplett an die Hochschule und an die Koproduktionsfirma. Bei den Schauspielern und dem Team landete nichts. Beim zweiten Film hatte ich einen besseren Deal erwischt und konnte es nicht fassen: Ich wurde zum ersten Mal im Leben nennenswert bezahlt. Wenn man sein Glück nicht fassen kann, daß man für das, was man da tut, auch noch Geld kriegt, ist man ja angeblich im richtigen Job gelandet. Wobei andererseits das Schreiben von Drehbüchern mit dem Begriff „Arbeit“ ja durchaus ganz gut beschrieben ist. Ein Spaziergang ist es nämlich nicht.

Was beim Filmemachen aber immer wieder wahnsinnig nervt, ist das Copyright, das auf jedem Furz drauf ist. Ständig muß man virtuelle Zeitungen, Zigaretten- und Biermarken erfinden (okay, das liegt eher an der Angst der deutschen Sender vor Product-Placement-Vorwürfen), Klingeltöne sind vermintes Gelände, jedes Bild, das irgendwo an der Wand hängt, ist ein potentielles Problem, man darf nicht „Happy Birthday“ singen, das Radio muß um Gottes Willen aus sein. Ich habe insgesamt schon den Eindruck, daß die Alltagswelt, in der wir leben und die wir ja im Film verdammtnochmal zeigen wollen, immer mehr aus urheberrechtlich geschützten Dingen besteht.

Über all die Jahre habe ich übrigens kaum Filme gekauft. Auf DVD nicht, weil die Auflösung im Vergleich zu Kino immer noch ein Witz ist. Auf Bluray auch nicht, weil ich keinen Sinn darin sehe, einen Film, den ich mir höchstwahrscheinlich nur einmal ansehe, mir für Jahrzehnte ins Regal zu stellen. Ich besitze also nur einige wenige heißgeliebte Lieblingsfilme. Bei Büchern ist es übrigens ähnlich. Zu Studienzeiten holte man sich Filme ohnehin aus der HFF-Bibliothek, einige davon habe ich auch kopiert, was mit einigem Aufwand verbunden war, von den kopierten und gebrannten Filmen von damals schlummert aber sicherlich die Hälfte immer noch ungesehen in irgendwelchen Schachteln. Filme schaue ich mir am liebsten im Kino an. Auf der Berlinale früher gern auch fünf am Tag, heute nicht mehr so sehr, die Kapazität für betont sperriges Kunstkino hat im Lauf der Jahre angesichts mangelnder Überraschungen etwas nachgelassen, ach Quatsch, ich fand langweilige Filme noch nie toll. Musik lade ich weiterhin gern herunter, bei iTunes und Amazon und von den Künstlern direkt, aber auch von irgendwelchen Blogs. Platten werden auch weiter gekauft. Bücher ebenso. Es gibt ein Buch, das ich im Lauf des letzten halben Jahres mindestens zehnmal verschenkt habe. Zur Videothek gehe ich fast nie. Zu umständlich, wenn man abends um 22h30 beschließt, noch einen Film zu gucken, und dann muß irgendjemand das Ding auch noch zurückbringen. Gäbe es einen gut sortierten Video-On-Demand-Streamingdienst, ich wäre mit Begeisterung dabei. Ach, den gibt es schon? Stimmt, iTunes. Kürzlich kamen wir auf die Idee, man könnte sich den Klassiker „Täglich grüßt das Murmeltier“ ansehen. Den gibt es bei iTunes – zum Kaufen, für 7,99€. Ich glaube, das kann man noch besser machen.

Seit gut einem Jahr drehe ich auch wieder Musikvideos. Fast alle für eine kleine, sympathische Plattenfirma in Hamburg. Viel Geld ist da nie im Spiel, aber man hat mit extrem angenehmen Menschen zu tun, alle lieben ihren Job, es macht Spaß, und ich bin der Überzeugung, daß es am Ende für irgendwas gut ist. Meinen Lebensunterhalt bestreite ich mit Drehbüchern und Regie für Spielfilme. Reich bin ich dadurch bisher nicht geworden, aber das war auch nicht das Ziel, wobei ich andererseits überhaupt nichts gegen Reichtum einzuwenden hätte, falls er sich mal einstellen sollte.

So weit also mein summarischer Kulturlebenslauf. Was lernen wir daraus?

-Hätte Michael Ende seine Gedichte unter einer Creative-Commons-Lizenz veröffentlicht, dann hätten wir unsere Lieder damals ungestört überall aufführen können, auf dieser Basis hätten wir uns eine gewisse Bekanntheit erarbeitet, dann hätten wir eine Platte gemacht und für selbige natürlich ganz klassisch die Rechte geklärt. Niemandem wäre etwas weggenommen worden, die Welt wäre immerhin um eine (vermutlich folgenlose) CD reicher.

-Das System aus Majorlabels und ihren gecasteten Horrorgestaltenbands, die dann an die Wand geworfen wurden und meistens geräuschlos herunterfielen, soll meinetwegen zur Hölle fahren. MTViva sind ja schon dort, die Majorlabels sind für mein subjektives Gefühl auch immer egaler geworden. Mittlerweile scheint ihnen aber selber aufgefallen zu sein, daß man auch mit Substanz Platten verkaufen kann, und sie versuchen wieder etwas seriöser zu wirken. 

-Wenn ich meinen Konsumenten-Lebenslauf anschaue, dann habe ich über die Jahre schon einiges für kulturelle Produkte ausgegeben, aber keine Unsummen. Wohnung, Essen und Kleinkram waren teurer. Selbst mein Freund Ralph, der ca. vier Tonnen Schallplatten in seiner Wohnung hortet, gibt schätzungsweise immer noch mehr für die Krankenkasse aus als für Vinyl.

-Der Schlüssel zum Habenwollen ist, schlicht und ergreifend: Liebe. Auf dem Haldern Pop Festival hörte ich 2006 eine Band namens Guillemots. Noch nie vorher hatte ich solche Musik gehört. Gegen ihre Songs klang alles andere wie einfallsloses Gedudel. Ich kaufte, kopierte, überspielte, bestellte, holte mir alles, was ich von ihnen kriegen konnte. (Für meinen neuen Film habe ich fast nur Musik von dieser Band verwendet – von Produktionsseite fließt da jetzt Geld, aber das kriegt leider nur die Plattenfirma, weil die Band denen noch was schuldet). Wenn ein Buch, ein Film oder ein Lied mich wirklich berührt, dann berührt es eine ganz andere Abteilung in meinem Kopf als die Finanzverwaltung. Und das ist auch das Geschäftsmodell der Indie-Labels, deren Musik ja das vergangene Jahrzehnt maßgeblich geprägt hat. Die machen Musik, die von Leuten wirklich geliebt wird. Das bewegt sich finanziell immer auf dünnem Eis, aber irgendwie funktioniert es dann doch. Ich empfinde die Musiklandschaft jedenfalls heute als deutlich reichhaltiger und interessanter als vor zehn oder zwanzig Jahren.

Und um hiermit die eingangs geäußerte Behauptung zu wiederholen: Ich behaupte, daß die meisten Menschen da ziemlich ähnlich funktionieren wie ich. Wenn wir etwas lieben, wollen wir es haben – oder noch besser: Daran teilhaben. Indem wir ins Kino gehen oder ein Konzert besuchen oder ein Buch überallhin mitschleppen. Der ganze Rest ist Hintergrundrauschen, läuft im Radio, steht zufällig im Regal, liegt auf irgendeiner Festplatte herum. Und jetzt kommt bitte nicht an und erzählt mir: Da bist du aber eine Ausnahme, irgendwelche pickligen Jugendlichen laden nämlich längst schon alles herunter und furzen ihrer Lieblingsband dann noch hohnlachend ins Gesicht. Klar, es gibt alles, irgendwie, irgendwo. Aber Extreme sind Extreme, normal ist normal, und ich bin keine Ausnahme.

Denn das ist doch der Unterschied zwischen unserer Arbeit und dem Herstellen eines Tisches. Der Tischler steckt garantiert genausoviel Liebe in seinen Tisch wie ich in ein Drehbuch – aber der Kunde liebt ein Lied mehr als einen Tisch. Deswegen wollen ja so viele Leute was mit Medien machen. Dafür gibt es andererseits eher wenig Geld für verdammt viel Arbeit. Und – Achtung, Knackpunkt – niemand garantiert dir, daß die Liebe, die du in deine Arbeit steckst, am Ende vom Publikum erwidert wird. Du kannst all dein Herzblut in deine Arbeit gießen, und am Ende kann trotzdem Schrott herauskommen. Das ist dein Risiko als Künstler. Augen auf bei der Berufswahl. Du gehst allein in einen dunklen Wald, du singst dabei lauthals ein Lied, und du kannst nur hoffen, daß in dem dunklen Wald Leute wohnen, die dein Lied lieben werden. Und dabei kann auch ein Download ein Liebesbeweis sein. Es gibt nämlich zwei Sorten von illegalen Kopien. Die Liebeskopie, die oft später in einen Kaufakt mündet, und die mir-doch-egal-Kopie, die zu Datenleichen auf der Festplatte führt. Erstere kann ein wirtschaftlicher Schaden für den Künstler sein, kann sich auf lange Sicht aber auch lohnen. Letztere ist kein Schaden, denn der Kopist hätte das Werk ja so oder so nicht gekauft.

Wenn die Piratenpartei nun Schutzfristen verkürzen will – meinetwegen. Ich fände es völlig okay, wenn meine Werke mit meinem Tod ans Universum zurückfallen würden. Da habe ich sie ja schließlich auch her. Es sei denn, ich hätte Frau und Kinder und würde mit 40 den Löffel abgeben, dann könnte man ja den 80. Geburtstag oder sowas nehmen. Die Argumentation, daß man bei jeglichem Schaffen ja ohnehin in erheblichem Maß auf vorbestehendes Material zurückgreifen würde und deswegen das Urheberrecht Blödsinn ist, die ist allerdings, das muß auch mal gesagt werden, tolldreister Quatsch. Genausogut könnte ich einen Architekten nicht bezahlen, weil sein Haus aussieht wie ein Haus. Ein Einfall ist immer ein irrationales, irgendwie gnädiges Ereignis, deswegen heißt er ja Einfall, aber vor und nach dem Einfall liegt ein Ding namens Arbeit.

Wenn ich mich ansonsten in der tobenden Schlacht positionieren soll, dann würde ich erstmal sagen: Regt euch ab, nichts wird so heiß gegessen, wie es gekocht wird. Filesharing ist mittlerweile eine riskante Sportart, Kino.to und Megaupload sind tot, andere werden folgen. Künstler haben eine lebhafte Phantasie, und Nerds neigen ohnehin zur Paranoia, daher die Hysterie auf beiden Seiten der Debatte. Chillt mal drauf. Kommt runter. Und dann würde ich mir erneut meine gesammelte Lebenserfahrung nochmal angucken und dabei relativ schnell feststellen, daß ich mit vielen Leuten, Firmen und Instanzen zu tun hatte, einige waren cool, andere uncool, aber nur die große Musikindustrie hat Verhaltensweisen an den Tag gelegt, wie ich sie eher von einem betrunkenen Dreijährigen erwarten würde. Menschen verhalten sich meistens ähnlich, nämlich menschlich, also ungefähr so wie ich. Firmen verhalten sich jedoch gern auch mal wie Psychopathen. Ich habe also den leisen Verdacht, daß es für Kunst und Kultur gut sein könnte, wenn einige Dinge sich ganz vorsichtig ein wenig in die Richtung verschieben, wie sie von Netzaktivisten gefordert wird – kürzere Fristen, mehr Freiheiten. Und dabei geht es nicht um die unrealistischen Maximalforderungen, die man in die Debatte hinaustrompetet, sondern um kleine, vorsichtige Schritte. Und dann könnte ich vielleicht in meinem nächsten Film auch ein Nokia-Handy mit dem Nokia-Ton klingeln lassen.

Malte Welding sieht das ähnlich, hat sich aber kürzer gefaßt als ich.

Das Schlußwort möchte ich zwei mit mir befreundeten Drehbuchautoren überlassen, die auch hin und wieder mal Tatorte schreiben und deren Namen ich in der Unterzeichnerliste des offenen Briefs nicht fand. Ich schrieb ihnen und fragte sie, warum sie da nicht stehen. Der eine schrieb zurück:

Ich stehe schon deshalb nicht auf der Liste, weil ich nicht gefragt wurde. Ich hätte mich aber auch schwer getan, ausgerechnet als Tatort-Autor, der von Gebühren bezahlt wird, die auch von Menschen entrichtet werden müssen, die gar keinen Tatort gucken wollen, in diesem Ton zu lamentieren.

Der andere gab kurz und bündig zur Antwort:

bin kein tatort autor.

(Nachtrag:  Gratuliere, Sie haben bis zum Ende gelesen und festgestellt, was ich hiermit selber zugebe – der Titel dieses Textes ist zu 73% irreführend. Aber er ist provokant, ich verspreche mir davon  Aufmerksamkeit und vielleicht die eine oder andere autorisierte oder unautorisierte Kopie. So läuft’s Business. Und wenn ich dann so bekannt bin, daß das Publikum denkt: Der hat genug verdient, dem seinen Kram darf man sich aus dem Netz saugen, dann kann ich immer noch überlegen, wie ich meinen Bekanntheitsgrad wieder reduziere.)

(Nachtrag 2: Ich folge hiermit dem Hinweis eines Kommentators und verleihe diesem Text feierlich eine Creative Commons Lizenz namens CC-BY 3.0. Jeder darf damit machen, was er will, sofern er auf das dahinterstehende Originalgenie, also mich, verweist. Gern geschehen.)

(Nachtrag 3: Danke für die zahlreichen Kommentare, die überwiegende Zustimmung und vor allem für den zivilisierten Tonfall, in dem sämtliche Ansichten geäußert wurden. Schön zu sehen, daß man freundlich in den Wald hineinrufen kann und es freundlich zurückschallt, das habe ich in den Kommentaren schon so ähnlich gesagt und wiederhole es hiermit. Eine gekürzte und leicht geänderte Version dieses Textes wird am Samstag 7.4. im Tagesspiegel erscheinen, darin habe ich auch versucht, auf einige Dinge einzugehen, die sich in den Kommentaren ergeben haben, was aber nicht ganz einfach ist, wenn man aus 17000 Zeichen 8000 machen muß. Ich werde Samstag nicht in der Stadt sein, vielleicht mag mir ja jemand ein Exemplar sichern.)

 

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143 Responses to Mein Plattenladen heißt Herunterladen

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  6. Peter W. says:

    Dieser Artikel spricht mir sowas von aus dem Herzen. Vielen Dank dafür!

    Man rennt eben nicht in den Tante-Emma-Laden und klaut die Bohnen aus dem Regal und stopft sie sich dann laut lachen ins Maul, man geht in die Ikea-Lagerhalle und nimmt sich eine (meist kaputte) Schraube mit, die man dann zu hause irgendwo in die Ecke wirft.
    Das ist keine Relativierung auf quantitativer Ebene, es ist der qualitative Unterschied, der meist einfach so unter den Tisch gekehrt wird. Die Liebes-Kopie ist dafür ein super Begriff. Ist der cc? ;)

    Ich bin der Meinung Kultur entwickelt sich zum ersten Mal seit dem Aufkommen der dazugehörigen Industrie in eine gute, angenehme, persönliche Richtung.

    Sobald ein Louis CK klarmacht, dass das sein Projekt ist, das alles nur an die Beteiligten geht und kein Schwein nur dadurch Geld verdient, weil er vorher bereits welches hatte, macht ein Comedian auf einmal mehr Geld, als er jemals mit einer einzelnen Produktion hat verdienen können (https://buy.louisck.net/news)

    Nochmal vielen Dank für den Artikel. Der ist schön. Ich werd ihn durch die Gegend kopieren und hoffe sehr, dass einige Menschen daraufhin ein wenig was an ihrer sogenannten Dikussionskultur ändern.

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  8. Ob es am Namen liegt, man weiß es nicht. Auf alle Fälle hat dieser unaufgeregte Text des ziemlich gelassen wirkenden Autors meine volle Zustimmung.
    Sei es drum, die in meiner Umgebung reichlich vorhandenen Teenies scheren sich tatsächlich einen Schei.. ums Urheberrecht. Das Motto ist schlicht und ergreifend, was im Netz ist ist unser. Basta.
    Doch mein Namensvetter argumentiert trotzdem richtig. Wenn es denn Bösewichter im Themenpool gibt, dann haben die besoffenen Dreijährigen ganz weit die Nase vorn, an erster Stelle genannt zu werden.
    Das wäre doch mal eine sehr wünschenswerte Diskussion, warum sich global handelnde und mit übermäßig viel Budget ausgestattete Konzerne ohne irgendwie menschlich geartetes, völlig wertefreies Handeln gestatten. Die gierigen Aktionäre sollten wir mal kurz Beiseite schieben, die verantwortlichen Vorstände scheinen doch noch menschlicher Natur zu sein.
    Jaja, ich weiß. Der böse Kapitalismus.
    Aber sagen darf man es doch noch mal.
    Und noch: Obwohl ich einen völlig anderen Lebenslauf habe als der Autor, auch ich zähle mich durchaus nicht zu den Ausnahmen. Es ist schon ziemlich aufregend, ein Stino* zu sein.
    Liebe Grüße an die Künstler der Welt von
    Peter Brüggemann

    PS: *ein Stino ist die Bezeichnung eines Stink Normalen (so um das Jahr 1990 herum…)

  9. ldeora says:

    Sehr guter Text. Allerdings ein kleiner Fehler: Menschen verhalten sich nicht selten auch psychopathisch. Und da wären wir dann bei einer so genannten Persönlichkeitsstörung, der “Antisoziale Persönlichkeitsstörung”. So, wie sich manch ein Unternehmen rücksichtslos verhält, verhalten sich solche Menschen ebenfalls ohne Rücksicht auf Mitmenschen. Zu den Merkmalen zählen:

    Missachtung sozialer Normen
    Mangelndes Schulderleben und Unfähigkeit zu sozialem Lernen
    Vordergründige Erklärung für das eigene Verhalten
    Falschheit, die sich in wiederholtem Lügen, dem Gebrauch von Decknamen oder dem Betrügen anderer zum persönlichen Vorteil oder Vergnügen äußert
    Fehlende Reue, die sich in Gleichgültigkeit oder Rationalisierungen äußert, wenn die Person andere Menschen gekränkt, misshandelt oder bestohlen hat.

    Es gibt tatsächlich die Downloader, die der Meinung sind, sie schulden dem jeweiligen Künstler rein gar nichts. Ich finde nicht, dass wir ein solches Verhalten gutheissen sollten.

    • Orpheus says:

      Danke an Ideora für den Einstieg in eine Diskussion, die sich an Werten orientiert. Für mich hat der Künstler, der Einzigartiges schafft, das “geliebt” werden kann, in hohem Maß Respekt verdient, Bewunderung, Anerkennung, Ermutigung. Ihm sollte für die Nutzung seines Werkes eine angemessene Honorierung zuteil werden. Ich fände es gut, wenn diese Wertschätzung als Basis genommen und dann über gangbare Wege diskutiert würde, wie der Urheber auch in den Genuß dieser Honorierung kommen kann. In der aktuellen Diskussion und Realität scheint mir dieser Aspekt viel zu wenig betrachtet, wenngleich er doch für die Künstler existenziell ist.
      P.S.: wie bei allen materiellen Produkten fordert auch hier die Distribution ihren Preis, der sich aber eben am geleisteten Beitrag in der Lieferkette zu orientieren hat und nicht den Löwenanteil des Nutzerentgelts umfassen darf – wenn denn der “normale” Nutzer gnädigerweise von Liebe getrieben eines entrichtet.

    • Florian Blaschke says:

      Der böse, gewissenlose Downloader (sofern man davon ausgeht, daß er in Massen existiert und kreative Existenzen ruiniert) ist ein Strohmann. Die meisten Downloader (sogar mehr als Nicht-Downloader interessanterweise) zahlen auch für das, was sie herunterladen – wenn sie es sich leisten können und wenn es gut ist. Für Schrott zahlen sie natürlich nicht.

      • Florian Blaschke says:

        Ich meinte, daß die ach so pösen Musikpiraten mehr Musik kaufen als der Normalo. Vielleicht, weil die Musikpiraten Musik tatsächlich wertschätzen, der durchschnittliche Radiohörer aber nicht.

        • doktor cox says:

          kannst du diese these(n) mit zahlen und fakten belegen oder ist es eine reine annahme deinerseits, oder basiert sie vielleicht auf einer (sowas von nicht repräsentativen) “umfrage” im näheren freundeskreis? in den letzten beiden fällen wäre sie als tatsächliches argument in der diskussion schlicht und einfach komplett wertlos.

  10. Sympathisch unaufgeregter Beitrag zu einer Debatte, in der nichts so schmerzlich fehlt wie unaufgeregte Beiträge. Danke!

  11. Pingback: Mein Plattenladen heißt Herunterladen – Dietrich Brüggemann | shared – Der Abfall, der bleibt

  12. Ich says:

    Sehr schöner Artikel. Hab’ mich dort auch wiedererkannt…
    Zu den überzogenen Forderungen vom Anfang kann ich nur sagen, daß diese wohl einfach als Reaktion auf die überzogenen Anschuldigungen zu sehen sind. Wieder sehr menschlich. Wahrscheinlich liegt die Wahrheit (und Lösung) wie immer in der MItte…

  13. Erbloggtes says:

    Also das mit dem Aufmerksamkeit-Erregen hat schon mal geklappt: http://rivva.de/159610530
    Das mit den unautorisierten Kopien dieses coolen Textes könnte man leicht reduzieren, indem man ihn unter CC-BY 3.0 stellte.
    Zum Inhalt:
    Die irritierendste Idee in diesem (gar nicht soo langen) Artikel ist, Kunst mit Liebe gleichzusetzen. Ich weiß, das ist mehr so eine gefühlte Methaphorik. Aber für Liebe erwartet man in der Regel keine Bezahlung, und bezahlen möchten für Liebe auch die wenigsten.
    Deshalb ist der folgende Satz gaanz wichtig: “Ein Einfall ist immer ein irrationales, irgendwie gnädiges Ereignis, deswegen heißt er ja Einfall, aber vor und nach dem Einfall liegt ein Ding namens Arbeit.”
    Die Arbeit soll also bezahlt werden, nicht die (Kunst)Liebe. Aber wer bezahlt die Arbeit, und warum? Die Verwertungsfirma? Der Markt? Der Mäzen? Die Kulturflatrate?

    • Lutz says:

      Die Arbeit, die in einem Produkt steckt, ist genau der Knackpunkt.
      Man kann gerne über den Unterschied zwischen materiellen und immateriellen Gütern diskutieren. Vergessen darf man dabei aber nicht, dass auch in Texten, Musik und ähnlichem Arbeit steckt, für die derjenige, der sie leistet, möglicherweise entlohnt werden will.

  14. Es freut mich, dass es offensichtlich doch möglich ist, unaufgeregt und pragmatisch über die Problematik zu schreiben und “Kampfbegriffe” zu vergessen. Ich muss allerdings zugeben, dass mir noch kein “Königsweg” eingefallen ist. Den gibt es möglicherweise auch gar nicht und meine Meinung unterliegt da durchaus einem gewissen fließenden Wandel. Man lernt ja schließlich nie aus – auch als “alter Sack” nicht.

    Meine Beiträge dazu:
    http://fastvoice.net/2012/04/02/eine-kurze-geschichte-vom-kopieren-und-kapieren/
    und:
    http://fastvoice.net/2012/03/29/kultur-und-kirschen-brauchen-ihren-wert/

  15. dietrich says:

    @Erbloggtes:

    – CC – na klar. Ist hiermit passiert.

    – Ich setze nicht Kunst mit Liebe gleich, ich verweise nur auf die Liebe als Kaufimpuls. Der Kaufimpuls für einen Hamburger ist z.B. nicht Liebe, sondern Hunger.

    – Wer zahlt für die kreative Arbeit? Na ja, da ich hier bewußt nicht auf großen Plänen für die gesamte Gesellschaft herumreite, sondern das ganze Problem auf die persönliche Ebene verlagere, lautet die Antwort: Ich. Und auch hier gilt: Andere sind so ähnlich wie ich.

    • Rjonathan says:

      Zunächst mal: Sehr guter Artikel!

      “Der Kaufimpuls für einen Hamburger ist z.B. nicht Liebe, sondern Hunger.”
      Das stimmt in unserer industrialisierten und durchmarketingisierten Gesellschaft nur in den seltensten Fällen. Gerade der Hamburger ist da kein gut gewähltes Beispiel. Zu McDo geht man nicht nur weil man Hunger hat a/k/a “Ich liebe es!”

  16. Pingback: Linksammlung Urheberrecht

  17. Pingback: Abmahnwahn 2.0 - allumfassend - Seite 447 - netzwelt.de Forum

  18. Maike says:

    Ja, ja und nochmals ja – es hat wirklich Spass gemacht, diesen ‘langen’ Artikel bis zum Ende zu lesen, und er bekommt von mir Zustimmung auf höchster Ebene!
    Und jetzt wird er überall dorthin verlinkt, wo ich hier im Netz herum aktiviere ;-)

  19. beinahepopstar says:

    ein netter artikel. und schön unaufgeregt.

    mir erging es etwas anders als dir:

    nachdem ich von mehreren majorlabels ziemlich verarscht wurde, war ich als independent-künstler einigermassen erfolgreich.
    da meine musik konzeptbedingt nur im studio ensteht, war ich auch nur selten live unterwegs (ars elektronica und dergleichen).

    ich hatte immer mein auskommen mit der musik, wenngleich auf unterem studenten-level.

    durch die ganzen download geschichten sind mittlerweile alle labels auf denen ich veröffentlicht habe pleite. ohne ausnahme. das es universal, sony und warner immer noch gibt brauche ich wohl nicht zu erwähnen.

    zum leidwesen meiner fans gibt es nunmehr kein label, auf dem ich noch veröffentlichen könnte. das risiko für ein kleines label ist einfach zu groß.

    daher habe ich letztes jahr mein studio aufgelöst und arbeite jetzt im bioladen eines freundes. musik werde ich in zukunft wohl nur noch als hobby für mich und meine freunde machen.

    • Maike says:

      @beinahepopstar vielleicht hast du zu schnell aufgegeben? ich denke, es gibt so viele Möglichkeiten, wenn man vernetzt ist?! habe z.B. gestern selber über facebook diese Anfrage bekommen.
      “hallo maike, wir fördern freie künstler und ich komme über die gruppe kreativkollektiv braunschweig auf dich. wir bieten musikern, autoren, filmemachern, fotografen, grafikern und anderen kreativen die möglichkeit, ihre werke über planet2share zu veröffentlichen. wir sind eine neue social commerce plattform (ohne labels, verlage) und unterstützen freischaffende kreative mit verschiedenen tools aus unserer marketingbox. wäre toll, wenn du dir unter planet2share.de einen eigenen eindruck machst. ach übrigens, da wir keine “standardware” anbieten, suchen wir permanent nach interessanten kreativen. vielleicht kennst du auch jemanden.”
      vielleicht ist das auch etwas für dich?

      • beinahepopstar says:

        ist ja ganz süß, maike.

        aber von solchen modellen kann doch niemand seinen lebensunterhalt bestreiten.

        für mich, wie für viele andere musikkollegen, war es einfach die entscheidung: mache ich weiter und lande irgendwann ohne geld auf der strasse, oder suche ich mir einen job, in dem ich für meine arbeit bezahlt werde, bevor es zu spät ist.

        vielleicht ist die zeit der echten künstler einfach vorbei. zukünftig werden sich musikliebhaber eben zwischen hpbbymusik und lady gaga entscheiden müssen.

        mir tut ihr leid, aber ihr kennt es ja auch nicht anders.

        • JohnnyThan says:

          Die Zeit der echten Künstler beginnt jetzt erst – denn wurd vorher von den labels entschieden, wer gut ist und was das Volk zu hören bekommt, kann das Volk nun die echten Künstler selber finden.

        • Reiner says:

          Ich muss JohnnyThan und Maike Recht geben. Bin aktuell in dem Ding zwischen großen und kleinen Labels unterwegs und vermittle dabei zwischen Künstlern und Verwertern. Es war noch nie leichter für eine Band, durch das Netz nicht nur Aufmerksamkeit, sondern tatsächlich auch Geld zu generieren. Das Crowdfunding steckt noch in den Kinderschuhen, aber Konzepte wie “1000 echte Fans” und so sichern Lebensgrundlage, also Umsatz, +/-0, Veröffentlichungen und Konzerte bringen sogar Gewinn. Vielleicht sieht so die Zukunft aus, es gibt derzeit genügend Leute, die da was probieren (was natürlich auch auf täglicher Basis frustriert – vor allem die Kollegen mit den Ellenbogen sind reichlich sinnlos). Wir werden sehen.

  20. Arne says:

    Bemerkenswert an diesem Test für mich: Ich kam über einen auf Twitter veröffentlichten Link auf ihn, las ihn ohne nach dem Autor zu sehen interessiert und dachte nur bei den Fakten, Meinungen und Wortwahl, dass der Autor Dietrich Brüggemann sein *könnte*. Vorher hatte ich lediglich den Film “Renn, wenn Du kannst” gesehen, ein Interview mit ihm und eines mit seiner Schwester über vorgenannten Film und die Arbeit mit ihm gelesen . Ja und dann dann noch das Kettcar Video zu “im Club” gesehen.

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  22. dietrich says:

    @beinahepopstar: Verdammt. Schätzungsweise bist du da genau in diese Wildwestphase gefallen, in der was neues rauskommt und erstmal alle damit Schindluder treiben, bevor es verboten wird (so wie die Merry Pranksters durch Amerika fahren und LSD an Hausfrauen austeilen konnten). Wenn die großen Firmen dann darauf drängen, daß Filesharing eingedämmt wird, dann kommt das natürlich paradoxerweise auch den kleinen zugute. Die Firma, für die ich meine Videos drehe, läßt auch dafür sorgen, daß ihre Releases nicht gleich auf Filehostern auftauchen – die verschicken halt nur keine Arschloch-Abmahnungen, sondern lassen die Datei löschen und schalten gleichzeitig Anzeigen bei Google, so daß man neben zehn Suchergebnissen, die zu toten Links führen, den legalen Download angeboten bekommt. Und Freunde von mir haben gerade erst ihr eigenes Label gegründet, auf eigene Faust eine Platte produziert und gehen damit jetzt auf Tour, nachdem sie sich fast ausschließlich per Youtube-Videos eine solide Fanbasis erarbeitet haben. Ob das ökonomisch Sinn ergibt, muß sich aber auch noch zeigen. Ich schätze, die Herunterladerei wird nicht ganz verschwinden, sie wird sich auch nicht zur Weltherrschaft aufschwingen, es wird irgendwie weitergehen.

    • Reiner says:

      Dazu kommen noch auf Crowdfunding basierende Konzepte wie “1000 echte Fans” und wir haben den Anfang einer spannenden Zeit, die nicht unmöglich scheint. Der deutsche Markt ist riesig, von hier aus kann man außerdem in alle Welt exportieren. In Berlin kommt die ganze Welt vorbei, man muss eigentlich erstmal nur eine Stadt erobern und schon hat man eine gute Chance. Die Finanzierung des Lebensunterhalts von Künstlern wird in der Zukunft ein breites Bündnis aus Einnahmen. Physische Veröffentlichungen werden qualitativ hochwertiger und damit nachhaltiger. Alles Perspektiven, die vor zehn Jahren noch absolut utopisch waren.

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  26. Offliner says:

    Das Zauberwort heißt Differenzierung.
    Ich zahle gerne für die Werke, die ich nutze und genieße. Im Netz gilt sonst Creative Commons, das ist auch eine gute Sache.

    Ich habe die Piraten nicht und die Netzaktivisten auch nicht. Alles überhitzt. Und das Internet total überbewertet. Nicht vom Geld her, das dort gemacht wird, sondern von seiner Bedeutung her …

  27. Joe Völker says:

    Ich finde, wenn Michael Ende sein Werk nicht von Dir vertont haben möchte, ist es seine Sache. Du hättest ja einen eigenen Text schreiben können.
    Ich kritisiere am Plan der Piraten die Freigabe der “nichtkommerziellen” Kopie. Das heißt, dass die kleinen Labels und die kleinen Urheber in Zukunft viel weniger verdienen werden, und dass ihre Leistung “entwertet” wird. Es macht heute schon keinen Spaß, dauernd Löschanträge bei irgendwelchen asiatischen Filehostern zu stellen. Ich will das nicht, ich habe dafür keine Zeit, so etwas ist Mist. Ich will “Musik machen”.
    Damit stehen wir Urheber wieder da, wo wir Ende des 19. Jahrhunderts schon einmal waren: Im Kampf dafür, dass unsere Arbeit etwas wert ist und uns nicht nach Belieben weggenommen werden darf.

    • Reiner says:

      In dem Moment, da die Farbe deine Pinselspitze verlässt, ist dir deine Arbeit bereits weggenommen. Geistiges Eigentum ist nur das, was du in deinem Kopf behältst und nicht teilst. Denn nur das kannst du tatsächlich behalten. Alles andere nennt man auch Mitteilungen oder Äußerungen.

      Das Konzept des Eigentums, das gesamtgesellschaftlich schwierig ist und teilweise auf Konventionsrecht beruht, auf Kulturgüter zu übertragen, ist nicht sinnführend. Ich meine, wer hat gesagt, dass das Grundstück, auf dem der Architekt das Haus baut (während ich dazu tanze), dem Typen gehört, dem es gehört. Wem hat es zuerst gehört? Wer ist hier der Urheber, dessen Rechte wir verwerten? Ausgedachte Gebilde wie Gott und Staat, Mutter Natur. Hier wird alles schwammig.

      Besser an anderer Stelle ansetzen: Die Vergütung des Künstlers darf nicht von seiner Kunst abhängig sein, sondern eher von Dingen wie Reichweite, Tiefe, Wertstellung etc. Das kann der Künstler, das kann der Verwerter, das kann nur das gute alte Volk bestimmen. Die Lebensgrundlage sollte ihm nicht von der eigenen künstlerischen Freiheit gefährdet werden, wird man sehr idealistisch.

      Und es geht auch um den Punkt, ob Kultur tatsächlich schon in sich beinhaltet, dass man sie mit anderen teilt, und also eine dann Extra-Vergütung dieses Punktes irgendwie nicht befriedigen kann. Hier regt das Internet zu denken an, wenn sich Leute dagegen stemmen, dass durch Zensur nicht nur gewisse Inhalten, sondern das ganze Netz in seiner Funktion beschnitten wird. Entsprechend auffällig ist doch die Stoßrichtung, dass piratierte Güter ja eigentlich doch davon profitieren, dass sie getauscht werden.

      Diese Debatte kann nicht nur unaufgeregt und erhitzt, sondern auch in lustigen Grautönen geführt werden. Alle haben Teil daran, nicht erst, seitdem jeder Urheber ist oder sein kann.

      • Lutz says:

        ‘tschuldigung aber das wird mir nicht wirklich klar:
        “Die Vergütung des Künstlers darf nicht von seiner Kunst abhängig sein, sondern eher von Dingen wie Reichweite, Tiefe, Wertstellung etc.”

        Meinst Du damit, dass der Lebensunterhalt eines Künstlers nicht von seiner Kunst abhängen darf?
        Und natürlich hängt das Einkommen eines Künstlers davon ab, wie beliebt er ist, wie viele seiner “Produkte” er verkauft – also von seiner Reichweite.

      • –Illustrator. says:


        Es ist erstaunlich, wie kurz eine Diskussion inzwischen sein muss, bis “gesamtgesellschaftliche Konventionen” als “schwierig” bezeichnet und in Frage gestellt werden.

        Selbstverständlich ist das Konzept des “Eigentums” und der Tausch desselben unter Mitgliedern der Gesellschaft eine “gesamtgesellschaftliche Konvention”.
        Doch es funktioniert recht gut, wie man zugeben muss. Meine Kinder, meine Frau & ich laufen in Schuhen herum, die wir nicht selbst herstellen mussten, leben in einer Wohnung, die wir nicht selbst aufbauen mussten, essen Brötchen, die wir nicht selbst backen mussten, sehen Filme, die wir nicht selbst drehen mussten.

        Das Konzept des “geistigen Eigentums” ist , wie das Konzept des Zahlungsmittels “Geld”, keine eindeutige Beschreibung faktisch vorhandener Gegenstände, sondern eine Umschreibung von sogenannten “Rechten”, die mit dem Besitz dieser –rein auf gesamtgesellschaftlicher Absprache beruhenden– “Konzepte” einhergehen.

        Ich als Illustrator bin in der Lage, Bilder herzustellen, deren (auf “gesamtgesellschaftlichen Konventionen” basierende) “Nutzungsrechte”, die ich sogenannten “Lizenznehmern” (Auftraggeber und Verwerter) gegen eine möglichst große Menge des (ebenfalls “gesamtgesellschaftlichen Konventionen” unterworfenen) ortsübliches “Zahlungsmittel” eintausche.

        Hierfür kann ich dann für die Versorgung der Familie mit (s.o.) Schuhen, Unterkunft, Brötchen, aber auch mit Wasser, Gas, Energie, Krankenbehandlung oder auch -vorsorge, Unfall, Rente, etc. sorgen; auch viele der letzteren Konzepte sind allesamt nur “gesamtgesellschaftlichen Konventionen”, geschuldet, “Vorsorge” oder “Versicherung” sind abstrakte, immaterielle “Konzepte” ohne eine materielle Entsprechung in der “realen Welt”).

        Zur “Vergütung” sollten ebenfalls noch einige Worte verloren werden:
        die wenigsten mir bekannten Urheber arbeiten in Bereichen, in denen Selfpublishing, “Crowdfunding”, etc. ein alternatives Vergütungsmodell für sie darstellen könnte, da die wenigsten Urheber ihre Werke selbst vermarkten können.
        Das betrifft z.B. Werke, die nicht selbst das Produkt, sondern nur Teil eines (ansonsten nicht unter den Schutz des Urheberrechts fallenden) Wirtschaftsguts sind.

        Auch zur Verkürzung der Schutzfristen sollte noch etwas gesagt werden: die Verkürzung der Schutzfrist betrifft nicht nur die Vergütungsdauer, sondern (und das ist weit wichtiger) das Urheberpersönlichkeitsrecht.

        Schon Walter Benjamin stellte in seinem (nun wahrlich nicht neuen) Aufsatz “Das Kunstwerk im Zeitalter seiner technischen Reproduzierbarkeit” fest, dass diese technische Reproduzierbarkeit eines Werks eine “politische Vereinnahmung” des Werks ermöglicht, die dem Urheber (und seinen Erben) entgegensteht.

        Dein Bild, Dein Song, Dein Film im Kontext einer NPD-Kampagne?
        Kein Problem: verkürzt die Schutzfrist.

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  29. ThomasK says:

    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich den Text zwei Mal gelesen habe… und immer noch nicht begriffen habe, was er mir sagen will. Vielleicht mir jemand oder auch der Autor nochmals eine Zusammenfassung für Dummys geben?

    • l'oille au coeur says:

      möglicherweise sollte man nicht jeden “erguss” eines internetusers zu durchaus diskussionswürdigen themen verstehen wollen.
      selbstverständlich ist jegliche form von kunst nicht in allerwelt verständnis kunst…
      …aber wer sich ‘guillemot’ zu gemüte geführt und deren bewertung des autors gelesen hat, weiss ab welchem niveau sich dieser dem thema zu nähern versucht.

  30. Ein sehr gelungener Text, wie ich finden. Schade, dass sich in diesem Aufruf zu mehr Gelassenheit dann doch noch ein kleiner Flame versteckt hat. Die Sache mit dem Architekten nämlich. Ein Haus ist nämlich in erster Linie ein Haus, also ein Gebrauchsgegenstand. Ein “stinknormales” Haus kann jeder Architekt abkupfern. Zierelemente an diesem Haus sind dann wieder durch das Urheberrecht abgedeckt. Man traf diese Unterscheidung um zu verhindern, dass sich gewiefte Menschen “4 Wände mit einem Dach drauf” als Werk sichern lassen und somit keiner mehr wirklich Häuser bauen kann.

    Ähnlich sieht es bei der Mode aus. Eine Hose ist eine Hose ist eine Hose. Für Mode gibt es in Europa nur die Möglichkeit sich sehr konkrete Designs “patentieren” zu lassen. So konkret, dass der Schutz fast nicht greift. Hier kann und wird also kopiert was das Zeug hält. Und trotzdem, oder sogar gerade weil es hier kaum Schutz gibt sind die Leute dort sehr kreativ und der Modeindustrie geht es sogar sehr gut. Sollte einem dieses Argument interessieren, sollte man sich folgenden TED-Talk anschauen, da wird das etwas bessser ausgeführt. http://goo.gl/Bt6a3

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  32. dietrich says:

    @Christian Blass: Im Programm der Piraten steht der Satz: “Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen.” Und der, finde ich, stimmt nicht. Allenfalls im extrem allgemeinen, nämlich dahingehend, daß ich zahlreiche Lieder von anderen Leuten gehört habe, bevor ich selber eins schreibe. Wenn ich dann aber ein Lied schreibe, greife ich keineswegs auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurück, indem ich eine bestehende Melodie modifiziere, sondern denke mir was neues aus. (Es gibt natürlich zahlreiche Songs, denen man genau anmerkt, daß hier was anderes ohne eigene Idee verwurstet wurde, aber das steht auf einem anderen Blatt). Wenn ich im Film irgendwelche Bilder an die Wand hänge und Musik verwende, dann ist das schon ein größerer Rückgriff auf Bestehendes, aber es ist noch kein essentieller Bestandteil des Werks – es macht ihn reicher, aber man kann es auch weglassen, ohne daß der Film gleich in sich zusammenfällt. Der Begriff vom Originalgenie hat insofern schon seine Berechtigung, er ist eine von zahlreichen Beschreibungen des kreativen Prozesses, die sich teilweise widersprechen und trotzdem allesamt ihre Berechtigung haben. Es beschreibt den sogenannten Einfall, die Inspiration, den kreativen Funken, der oft als etwas beschrieben wird, das außerhalb der eigenen Person zu entstehen scheint. Nur – was folgt daraus? Ich finde, daraus sollte zunächst mal ein wenig Demut folgen. Inspiration ist ein Geschenk. Sie verdient Dankbarkeit.

    Der Unterschied zur Mode und zum Haus ist ganz einfach der, daß bei Film und Musik Dinge durch die Digitalisierung immateriell geworden sind, die es zuvor nicht waren. Könnte man einen Pullover digitalisieren, ins Netz stellen und herunterladen, dann hätte die Modeindustrie vermutlich bald Probleme. Und dann gibt es noch das Problem, daß sich im Internet der Unterschied zwischen privater Kopie und Piraterie verwischt. Wenn ich eine CD digitalisiere, ins Netz lade und den Link hier bekanntgebe, ist das dann privat oder kommerziell? Insofern halte ich es für nicht ganz unproblematisch, wenn die Piratenpartei fordert, “das nichtkommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken nicht nur zu legalisieren, sondern explizit zu fördern.” Wie soll das aussehen? Was ist nichtkommerziell? Dem entgegen steht natürlich meine eigene Erfahrung, daß das Herunterladen von Musik, wie geschildert, durchaus auch zu ihrer Verbreitung beitragen kann. Wenn eine Band sich 10.000 Euro zusammenspart, ins Studio geht, eine Platte aufnimmt und diese Platte dann sofort umsonst im Netz zu haben ist, woraufhin niemand sie mehr kauft, dann muß man nicht ins Gesetzbuch schauen, sondern nur sein eigenes Gerechtigkeitsempfinden bemühen, um festzustellen: Es fühlt sich nicht richtig an. Darauf gibt es zwei mögliche Reaktionen: Entweder man geht dagegen vor. Das macht die Musikindustrie ohnehin, und deswegen wird sich wahrscheinlich insgesamt auch gar nicht so viel ändern. Die andere wäre, diesen Status Quo nicht zu bejubeln, aber zu akzeptieren und sich zu fragen, welches Geschäftsmodell man dann halt als Alternative verwenden könnte. Und da wird es spannend. Alle möglichen Leute behaupten, es gäbe hier fantastische Möglichkeiten. Ich stecke nicht tief genug in der Materie drin, um das nachzuprüfen. Es könnte stimmen. Ich persönlich lande nur immer wieder bei der simplen Wahrheit: Wenn sie deine Arbeit lieben, wird es irgendwie klappen.

  33. Senficon says:

    Vielen Dank für diesen Kommentar. Mir geht es da sehr ähnlich, deine Theorie kann also nicht so ganz falsch sein. ;)

    Die Position der Piraten zum Urheberrecht ist übrigens um einiges konservativer als das, was ihr zuweilen unterstellt wird, und ich würde nach der Lektüre dieses Posts vermuten, dass das deine Ansicht ganz gut trifft:

    http://wiki.piratenpartei.de/Bundestagswahl_2013/Wahlprogramm#Urheberrecht

  34. Pingback: Unterwegs im Minenfeld | stk

  35. An dieser Stelle muss ich auf http://www.everythingisaremix.info oder Dirk von Gehlens “Mashup – Lob der Kopie” verweisen. Das spiegelt meine Meinung zu dem Thema ganz gut wieder. Ich selbst sehe mich nicht als Künstler, kann also nicht beurteilen in wie weit man sich “eigene Sachen” ausdenken kann und wie weit man auf vorhandenes zurückgreift. Ich weiss aber, dass sich von Mozart, über van Gogh, bis hin zu Disney viele Künstler aus der sogeannten Public Domain bedient haben und es einem deshalb auch freistehen solle, nach einer gewissen Zeit deren Werte weiter zu verwerten. Aber da gehen wir glaube konform.

    Anders sieht es aus, wenn jemand ein Lied aufnimmt und ich mir das dann eins zu eins aneigne, sowohl als Konsument als auch als Produzent. Aber selbst da denke ich, wenn es gut ist, wird auch das sogennannte Original gewertschätzt/entlohnt.

    An dieser Stelle kann man mal einen Blick in die 60iger werfen. Von “jedem” Lied aus dieser Zeit existieren “tausend” Versionen. Selbst die als musikalischen Genies geltenden Beatles haben am Anfang ihrer Karriere auf Coverversionen zurückgegriffen. Da aber keiner die Originale kannte, waren sie dann eben die Genies. Oder kennt Beispielsweise jemand das Original von Twist and Shout?

    Albert Einstein hat übrigens mal gesagt “The secret to creativity is knowing how to hide your sources”

  36. Mmh, mein Kommentar von 13.12 Uhr wartet noch immer auf Moderation – zu viele Links?

  37. Pingback: PirateFeed

  38. Pingback: Too much information - Papierkorb - Nachtgeschichten vom 3. April 2012

  39. Ich will nie was umsonst. Ich will nur immer alles sofort.

    • Joerg says:

      Das Argument der unmittelbaren Verfügbarkeit scheint mir tatsächlich ziemlich relevant in dieser Debatte. Aber das klingt in dem Videothekenbeispiel im Text ja auch schon an.

      Meine Erfahrung aus fast 15 Jahren “Contentproduktion” im Netz ist, dass zwar eine immense Ökonomisierung stattgefunden hat bei gleichzeitig eindeutig geringerer Kapitalisierung für die Medienschaffenden. Aber eben auch eine riesige Freiheit Einzug gehalten hat. Die permamente Möglichkeit der Publikation beispielsweise.

      Was jedoch viele überfordert, ist die Notwendigkeit des stetigen Eigenmarketings. Schöpfe Gutes und rede darüber. Das können/wollen viele Alteremiten nicht.

  40. Pingback: Links vom 4. April 2012 | koblow.com

  41. Pingback: down to earth beitrag zum thema urheberechtsdebatte | home

  42. Tobi says:

    Wer erst 2006 die Liebe zur Schallplatte endeckt hat ist in meinen Augen ein frisch Verliebter und trägt in gewisser Weise eine rosarote Brille.

  43. Fritz says:

    Erstmal danke. Weniger Hysterie ist eine fantastische Idee. Da werden sich viele wünschen, sie hätten diese Idee gehabt ;)
    Der Ansatz, vom eigenen Verhalten auszugehen, wirkt in DEINEM Fall natürlich beruhigend. Andere gehen aber sicherlich anders mit “Urheberprodukten” um.
    Das Problem, das ich sehe, ist, dass die Kraft der Liebe in einigen Bereichen tatsächlich der schönste Garant ist für die Einkünfte von Urhebern ist, in anderen aber nicht. Gerade beim Film ist es etwas anderes, weil man einen Film normalerweise 1mal ansieht und man nicht vorher weiß, ob man den Film hinterher lieben wird. Das sind sozusagen jedesmal Blinddates. Ökonomisch ist es dann das Sinnvollste, den Film umsonst anzugucken, wenn das möglich ist. Zumal es den meisten Menschen beim KInofilm nicht um “Liebe”, allenfalls um Liebe zu einem Genre geht, sondern um einen unterhaltsamen Abend – sehen und vergessen.
    Natürlich wäre es schön, wenn die ganze Kultur, die gut verkauft wird, sich in Kultur verwandelt, die vor allem geliebt wird. Das allein wird aber nicht reichen, fürchte ich, außer in den Bereichen, die immer schon von nichts anderem als der Liebe getragen wurden und die daher sofort verschwinden, wenn die Liebe verschwindet. Jazz ist da auch ein gutes Beispiel. Den Gegenpol bildet das ordinäre Sachbuch, das noch nie aus großer Liebe gekauft wurde.
    Übrigens musste der Verlag Stroemfeld kürzlich die Kriminalpolizei einschalten, um den “Liebesraub” zu bekämpfen – der Verlag setzt ja seine ganze Existenz auf die editorische Arbeit, die mal regelrecht als editorische Underground-Arbeit begann, ich glaube das Hölderlin-Projekt begann 1975!, und jetzt kommen da die guten alten Raubdrucker …
    Alles nicht so einfach. Sehr gut gefallen mir aber die Passagen, wo du noch mal aus Sicht eines Kreativen darlegst, wieso das bisherige, äußerst undifferenzierte Urheberrecht dringend verändert werden müsste, völlig unabhängig davon, was sich da im Internet tut.

  44. etg says:

    Ein schöner Text.

    Wenngleich Deine Gelassenheit zu einem guten Teil auf Deiner rechtlichen “Vorbildung” beruht. Wenn Du also einen Film machst weißt Du (oder hast leute, die Dir das sagen), was Du machen darfst und was nicht.

    Jetzt mal der Fall: ich will ein Video veröffentlichen (was weiß ich, spieldende Katzen, singend Hunde, irgendwas belangloses). Und wiel ich Fan der band x bin, lege ich deren Lied unter mein Video.

    Wohlgemerkt: belanglos, keine kommerzielle Absicht, nur Spaß.

    Jetzt kommt die Musikindustrie und plötzlich bin ich Geld im vierstelligen Bereich los. Da geht die Gelassenheit ganz plötzlich dahin.

    Ich könnte mich evtl. rechtlich wehren (nicht in Hamburg), aber da Geld habe ich nicht, denn ich bin nicht Millionär.

    Hier liegt das große Problem. Und ich kann verstehen, wenn man da die Gelassenheit verliert.

  45. LordSnow says:

    Du bist definitiv keine Ausnahme.

    Ich kaufe mir recht viele DVDs/Bluerays, bin mit der Qualität sehr zufrieden, ins Kino gehe ich trotzdem ab und zu, jedoch eher wegen dem höheren Erlebnisfaktor als wegen der Bildqualität. Ich schaue mir viele Filme bei diversen (derzeit noch) illegalen Portalen an, einige haben sich ja schon auf Serien oder auch Genres wie Anime spezialisiert, die schießen auch wie Pilze aus dem Boden, kino(x).to oder megaupload (kurzzeitig) vom Markt zu nehmen, wird daran auch nicht wirklich etwas ändern. Bei mir ist es so, dass ich mir nur (die sehr teuren) DVDs/Bluerays kaufe, wenn ich die Filme zuvor schon komplett gesehen habe, entweder im Fernsehen oder eben auf diesen Portalen, ins Kino gehe ich idR nur zu Filmen, die ich zuvor noch nicht gesehen habe und da bewusst auch darauf verzichte sie mit 2-3 klicks auf dem Rechner zu haben.

    Bei Videospielen, einer großen Leidenschaft von mir, und meiner Ansicht nach die (derzeit) höchste Form der Kunst, weil sie alle Elemente (Bild, Ton, Drehbuch, Schauspiel, Interaktivität) vereint, ist es so, dass ich früher so ziemlich mein ganzes Taschengeld dafür ausgegeben habe und den Rest (ca. 90% ;-)) der Spiele illegal bezog. Heute mit einem sehr guten Gehalt hat sich das gedreht, ich lade vielleicht 10% und kaufe 90%, häufig sogar die deutlich teureren Sammelboxen.

    Bei Büchern ist es so, dass meine Regale mittlerweile überlaufen, ich lese sehr viel und das wenigste gibt es legal (in deutscher Sprache) als eBook, ich habe schon mehrfach bei amazon den Button geklickt, dass ich dieses Buch gern als eBook kaufen würde, am liebsten auch in einem offenen Standardformat, wo ich es auf jedem Gerät nutzen kann. Hier verschläft die Verlagsbranche, wie damals auch die Musikbranche die Wünsche der potentiellen Kunden und treibt sie zu den (derzeit noch) illegalen Portalen, das finde ich sehr schade, ich würde gerne Geld ausgeben, aber ein Hardcover-Buch kaufen um es dann aus Platzmangel wegzuwerfen ist für mich keine sinnvolle Lösung.

    Und zum wichtigsten Punkt dabei: natürlich entsteht eine Liebe zu der Kunst und damit auch zu ihrem Erschaffer, und wie man seine Familie, die man liebt, finanziell versorgen will, so will man auch die Urheber der Werke, die man so liebt, finanziell versorgen, am besten über so einfache Bezahlmöglichkeiten wie es geht.

    Und schaut man sich die Zahlen an, stellt man auch sehr schnell fest, dass es noch nie so einfach war mit Kunst, die Leute haben wollen (!) und millionfach (illegal) verbreiten richtig viel Geld zu machen, allein Avatar mit ca. 300Mio USD Produktionskosten hat innerhalb weniger Wochen an die 3Mrd. USD eingespielt, das wäre früher, wo es noch keine Tauschbörsen und Online-Streamingportale gab undenkbar gewesen. Und fast genauso sieht es auch im Videospielebereich aus, da wird jetzt ebenfalls immer wieder die Milliardenmarke geknackt, Tendenz steigend. Und das obwohl oder gerade weil immer mehr Menschen mit Tauschbörsen und Streamingportalen aufwachsen und diese intensiv nutzen. Wenn es diese Liebeskopie bzw. den Liebeskauf nicht gäbe oder dieser nicht das normalste von der Welt wäre, dann wäre dies einfach nicht möglich, dann würde jetzt schon kein Mensch mehr Geld für digitale/digitalisierbare Dinge ausgeben.

    Viele Grüße und Danke für diesen Text!
    René

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  47. Ronny Roger says:

    Gefällt mir, auch wenn ich Sven Regener ebenfalls sehr amüsant fand. Rock ‘n’ Roll.

  48. Danke, danke, danke! Ich streite mich seit dem Beginn dieser bescheuerten Urheberrechtsdebatte mit meinen schreibenden KollegInnen heftig über dieses Thema, bei dem die meisten dermaßen Pawlowsch reagieren, dass es schon fast wieder komisch ist. Künstler leben nicht vom Urheberrecht, sondern davon, dass jemand ihre Sachen kauft. Die Hauptverdiener sind die Hersteller und Zwischenhändler, nicht die Urheber. Der direkte Draht zum Konsumenten ist die wichtigste Strippe in dem Spiel. Und es gibt gerade auch im Literaturbereich einige namhafte Beispiele, dass die Kiste genauso funktioniert, wie in deinem (ich duz jetzt einfach mal ;–)) Artikel beschrieben: Wer’s liebt, möchte auch was dafür zurückgeben. So funktioniert die Welt, glücklicherweise, außerhalb der irren Kapitalismusgrenzen.
    Hab ich schon “Danke für den Artikel” gesagt? Na! Jetzt aber.

  49. Jens Storen says:

    Also ich muss ehrlicherweise zugeben, dass ich deutlich weniger Geld für Musik ausgebe, seit diese sehr simple aus dem Netz zu laden ist. Klar, ich gehe ab und an auf Konzerte, aber das tat ich schon immer. Ich glaube nicht, dass ich eine Ausnahme bin – aber man sollte ja nie von sich auf andere schliessen.

    • Florian Blaschke says:

      Die entscheidende Frage ist: Hast Du vielleicht früher mehr Geld für Musik ausgegeben, hast den Kauf aber öfter bereut? Bist Du vielleicht anspruchsvoller geworden und kaufst deshalb weniger Musik? Kann ja auch sein.

  50. Simone says:

    das einzige was diesem Artikel fehlt, ist ein Flattr Button. Hätt denk ich locker für nen itunes Album gereicht ;)

  51. dietrich says:

    Danke für die zahlreichen Kommentare, für die überwiegende Zustimmung und vor allen Dingen für den bedächtigen und konstruktiven Tonfall, in dem sämtliche Meinungen geäußert wurden. Ich bin beeindruckt, was für Wellen dieser Text geschlagen hat, und ich bin sehr glücklich darüber, daß man freundlich in den Wald rufen kann und es ebenso zurückschallt.

    Damit sind natürlich nicht alle Probleme gelöst. Mir selber macht das riesige Bauchschmerzen, wenn ich höre, daß Musiker für eine Million Streams 100 Dollar kriegen. Gerade der Film als klassische “Katze im Sack” kann sich natürlich nicht im gleichen Maß auf die Liebe des Publikums verlassen wie eine Band – oder doch, denn hier kommt die Mundpropaganda wieder ins Spiel, und DVD-Verkäufe laufen noch nach anderen Gesetzen als Kinobesuche. Aber wenn ich mir aussuchen muß, welches Weltbild ich haben will, ob ich für ein Publikum arbeite, daß aus lauter potentiellen Dieben besteht, die von Gesetzen permanent im Zaum gehalten werden müssen, oder ob ich davon ausgehen will, daß mein Publikum ungefähr so funktioniert wie ich selber und überwiegend aus anständigen Leuten besteht, dann wähle ich letzteres. Ich bin nämlich der Meinung, daß die Welt überwiegend aus Leuten besteht, die jeweils überwiegend okay sind. Nicht total perfekt, nicht jeder ist supertoll, aber überwiegend okay. Sonst wäre die Gesellschaft längst auseinandergeflogen oder gar nicht erst so weit gekommen. Kann sein, daß ich mir hier selber eine amtliche rosa Brille aufsetze. Aber so eine rosa Brille steigert ja auch die Laune, und die gesteigerte Laune ist dann immerhin echt. Und das mit dem Flattr Button muß ich jetzt mal herausfinden, das schien mir bei flüchtigem Hinschauen etwas komplizierter zu sein.

  52. Julian says:

    Der vernünftigste Text zum Thema, den ich je gelesen habe. Kernaussage: “Chillt mal drauf. Kommt runter”. Werde ich auch exakt so weitergeben.

  53. Jan says:

    Erstmal: Ich finde Deinen Artikel super, bis auf den einen Teil, den auch schon Christian kritisiert hat:

    “Im Allgemeinen wird für die Schaffung eines Werkes in erheblichem Maße auf den öffentlichen Schatz an Schöpfungen zurückgegriffen.” Und der, finde ich, stimmt nicht.

    Das ist schade, dass Du das findest, denn dass das stimmt finden eigentlich alle, die sich mit dem Thema wissenschaftlich und künstlerisch ernsthaft auseinandergesetzt haben.

    Ich bin kein gelernter Musiker, aber selbst als Laie weiss ich, dass Musik, die wir so hören und machen im zweifel auf Jahrhunderten von künstlerischer Entwicklung aufbauen. Alleine Basisdinge wie Tonleitern und Stimmungen mussten erst einmal entwickelt werden. Du greifst bestimmt beim Komponieren auf bekannte Akkordfolgen zurück. Und das sind nur die offensichtlichen Sachen. Dazu kommt, dass der schöpferische Prozess in Deinem Kopf nicht im luftleeren Raum stattfindet, sondern dass Dein Gehirn, ob Du es willst oder nicht, immer alle Einflüsse die so auf Dich eingewirkt haben, mit einbezieht.

    Im Übrigen ist das Architekten-Beispiel schon deswegen falsch gewählt weil der künstlerische Aspekt eines Bauwerks (bei entsprechender Schöpfungshöhe) genau wie andere Kunstwerke entsprechendem Schutz unterliegt, aber eben auch nicht unbegrenzt, sondern zeitlich befristet. Im Übrigen fordern die Piraten ja nicht die Abschaffung des Urheberrechts, sondern eine Verkürzung der Schutzfristen, und zwar genau um das Weiterverwerten von Ideen einfacher zu machen – Unter den gegebenen Umständen sind viele Dinge zu rechtlichen Minenfeldern geworden, die früher vollkommen normal waren. Du hast das doch eigentlich in Deinem Artikel in dem Abschnitt über das Filmemachen schon ganz gut erfasst.

  54. Hannes says:

    erstmal: ich finde deine gelassenheit (die bei diesem thema vielen definitiv fehlt) und deine herangehensweise insgesamt sehr gut.

    nur bin ich der meinung, dass man sich beim “von sich auf andere schließen” auch die unangenehmen fragen stellen sollte. also nicht nur “wie viele originalplatten besitze ich?”, sondern z.b. auch:
    “würde ich mehr originale platten kaufen, wenn es nicht so verdammt einfach wäre, illegal an die mp3s zu kommen?”
    ich muss diese frage leider mit ja beantworten.

    und das, obwohl ich selbst von meiner musik lebe und befreundete musiker mit großartigen platten kenne, die finanziell durchgehend auf dem zahnfleisch kriechen. hinzu kommt noch, dass ich trotzdem gefühlt immer noch mehr geld für musik ausgebe als der großteil meines freundeskreises zusammen gerechnet. und es ist jetzt nicht so, dass die alle keine musik hören würden.

    ich bin mit dem downloaden und dann, was mir gefällt kaufen (vieles aber leider nicht alles) sicher keine ausnahme, aber leider auch ganz sicher nicht der größere teil der musikliebenden bevölkerung…

    • Florian Blaschke says:

      Siehe oben: Vielleicht mußt Du im Rückblick ja feststellen, daß die viel selteneren Fehlkäufe den Rückgang ausmachen.

  55. c0r4nn says:

    Ja, Gelassenheit wäre wohl wirklich angebracht. Leider ist in der ganzen Debatte verdammt viel Angst im Spiel.

    Die Netzaktivisten haben Angst, dass das freie, offene Internet durch, mit viel Geld ausgestattete Lobby, zu einem Kabelnetz 2.0 vermurxt wird.

    Die großen Platten- und Filmfirmen haben Angst davor, in der Bedeutungslosigkeit zu verschwinden

    Und (wohl nicht wenige) Künstler haben Angst davor, in der ganzen Debatte zwischen den Fronten zerrieben zu werden.

    Ich für meinen Teil nutze eigentlich fast nur noch Musik, die unter CreativeCommons steht und wenn sie mir gefällt versuche ich den Künstlern direkt etwas Geld zukommen zu lassen oder empfehle die Musik weiter. Von den großen Labels kaufe ich kaum noch was, lade aber auch von denen nix runter. Denn ich will mein Geld, wenn ich es gebe, freiwillig an die Künstler geben und nicht gezwungen sein, es einem Abmahn-Anwalt in den Rachen zu werfen.

    Denn davon haben die Künstler bzw. Urheber leider am aller wenigsten.

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  57. Michael says:

    Schöner Text, vielen Dank dafür. Vor allem, weil er so ausgewogen ist. Normal ist normal und hysterisch ist hysterisch. Das Bild mit dem Auto an der Ampel ist sehr gut.

    (Aber das ich drei Kilometer nach unten scrollen muss, um einen Kommentar tippen zu können, ist echt ein Bug in diesem Theme.)

  58. Philipp says:

    Danke für diesen langen, persönlichen, aber sehr guten Text.
    Geklaut, zitiert und weitervermittlet würde übrigens in der Kultur-Geschichte schon immer.

  59. KM Schönefeld says:

    Und ich möchte jetzt zu gern wissen, welches Buch du nun schon 10x dieses Jahr verschenkt hast. Vielleicht kann ich dann erraten, warum.

    Danke für den Text und die Unaufgeregtheit.

  60. MST says:

    Der Text hat mich sehr beruhigt…ich dachte schon, ich wäre ein abgehobener Sonderling, weil mein “kultureller Lebenslauf” ganz ähnlich ist(nagut, ich schreibe keine Drehbücher ;)). Danke für diesen grßartigen Text und ich hoffe, dass er viele Menschen erreicht!

  61. dietrich says:

    @KM Schönefeld: Dieses. Und dieses kommt gleich danach.

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  65. heretik says:

    Hm. So sehr mir der Text gefällt, und so viele der Meinungen ich auch teile, ist der Konsumententyp “Ich kaufe es mir, obwohl ich es kostenlos herunterladen kann” bzw. “Ich habe es kostenlos heruntergeladen, kaufe es mir aber trotzdem nochmal, weil ich es so gut finde” meines Erachtens nach die Ausnahme. Geiz ist leider immer noch geil.

    • Florian Blaschke says:

      Und auf welcher Datengrundlage beruht diese Meinung? Oder ist das nur so ein Gefühl? Die konkreten Untersuchungen zum Thema, von denen ich bisher gehört habe, sprechen nämlich dagegen.

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  71. proforma says:

    Schöner Artikel. Es ist erfrischend mal wieder etwas moderates zu lesen, was nicht schon nach zwei Sätzen in langweiliger Propaganda endet. Besonders fein finde ich, dass der Autor zeigt, dass man durchaus ziehen und kaufen, bzw. laden und mögen kann.

    Ich habe von Musik aus dem Netz anfangs überhaupt nichts gehalten. Als erste Freunde damals mit Napster und Audiogalaxy anfingen hatte ich schon eine umzugsverhindernde CD/Schallplattensammlung (und ebensoviele Mixtapes von anderen Musikbegeisterten).

    Der Grund für meine Ablehnung war nicht, dass der Musiker von dem Geld nichts abbekommt – ich war der Meinung die gezippten mp3s hat er ja auch nicht gemacht und das ist nichts anderes als die Aufnahme aus dem Radio – sondern dass mir das Cover fehlt, der Platz im Regal leer bleibt und man ja nie wissen könne, ob nicht irgendein Witzbold die Hälfte der Lieder falsch benannt hat oder gar gegen grottige Eigenkreationen ausgetauscht hat.

    Tja, die Maxi mit Salamandrina von den Neubauten gab es nicht. In keinem Wom, Mot, Media Markt, Müller. Nicht im Oldie Markt oder auf der Plattenbörse. Ein Jahr lang erfolglose Suche bis mir ein Freund anbot “mal im Netz zu schauen”. Am nächsten Tag hatte ich eine gebrannte CD im Player, einen Monat später eine Telefonrechnung von DM 250.

    Meine gesamten monatlichen Ausgaben für Musik haben sich durch das Netz nicht verändert – aber schon die Schmerzgrenze für die Kosten eines Albums. Auch bin ich seltener zum Musikhören in einem Laden, was dafür sorgt, dass ich eher auf Konzerten kaufe oder auch mal bei einem Internetversand. Für mp3s habe ich noch nie Geld ausgegeben ich weiss nicht, ob Steve Jobbs nicht die Titel vertippt oder die Musik gegen grottige Eigenkreationen austauscht.

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  80. Pingback: Weißes Rauschen › “Das Urheberrecht und der Shitstorm aus den alten Medien” – ein Gastbeitrag von Christophe Chan Hin

  81. Pingback: Urheberrecht, Kunst und Kommerz: “Mein Plattenladen heißt Herunterladen” - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach – http://gruene.wettach.org

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  83. mary says:

    in diesem Text steht eigentlich so gut wie nichts drin. Was ist denn die Aussage?

  84. Pingback: Urheberrecht: Dichtung und Wahrheit | Pixelmash

  85. Pingback: Urheberrecht: Dichtung und Wahrheit | Piratenpartei Duisburg

  86. Marcus Graf says:

    Schöner Artikel, ganz meine Meinung. Würde den Artikel gern auf meiner Seite mit kleinem Teaser Verlinken. Ist das in Ordnung?

  87. Pingback: Mein Plattenladen heißt Herunterladen – Artikel von d-trick.de | Pixelmash

  88. Sebastian says:

    Herzlichen Dank für diesen Artikel (zuerst gekürzt gelesen bei golem), seit langem der sinnvollste Beitrag zu diesem Themenbereich. Respekt!

  89. Osuneko says:

    @Dietrich Brüggemann

    Danke.

    Danke für deine ehrlichen und offenen Worte ohne Hysterie und mit viel gesunden Menschenverstand. Ich hoffe dass noch viele weitere deine Zeilen lesen und sich selbst darin wiederfinden. Das der Funken der Besonnenheit sich ausbreitet und man am Ende, ich mag kaum daran glauben, sich gemeinsam und Lösungsorientiert zusammensitzt.

    Vielen Dank.

  90. Pingback: Urheberrecht: Dichtung und Wahrheit « Piratenpartei Radevormwald

  91. Pingback: Nachtwächter-Blah » Tatort Internet »[…]Ich stehe schon deshalb …

  92. Sebastian says:

    “Chillt mal drauf” ist jetzt aber auch kein wirklich konstruktiver Lösungsvorschlag! ;) Piratenpartei schon eher.
    Ich finde übrigens meine völlig gestörte Idee, dass ein viel zu reicher Mensch™ oder Konglomerat aus viel zu reichen Menschen™ sich einfach mal alle Urheberrechte überhaupt und weltweit zu horrenden Preisen sichert und diese dann zu wesentlich günstigeren und sinnvolleren Konditionen vermacht, immer noch die beste. Los, mach! Kommt gut!

    • Florian Blaschke says:

      Das wäre natürlich eine geniale Lösung! Leider sprechen neue Forschungen zum Thema Reichtum und Einfühlungsbereitschaft dagegen.

  93. SSJKamui says:

    Danke. Danke.

    Endlich jemand, der mal was Vernünftiges zur Debatte beiträgt. Meistens wird ja leider immer nur Extremismus mit Extremismus gekontert. Ich stimme ihnen bei den meisten Dingen sowas von zu. Gerade die Sachen mit “dem Unterbringen in eigenen Filmen”, oder im Allgemeinen beim Thema eigene Kreativität sprechen sie mir sowas von aus der Seele. Ich finde genau in dem Bereich das geltende Recht eine ziemliche Gängelung. Bestes Beispiel dafür sind Fanwerke wie Damnatus oder diese Chrono Trigger Fortsetzungen, wo Fans wirklich eine heiden Arbeit investiert haben und das Ganze wird ohne zwingende Notwendigkeit von Firmen einfach weggeklagt und denen ihre Arbeit unter den Füssen entrissen im Namen irgendwelcher Urheberrechte. Die Filesharer etc. interessieren mich eigentlich relativ wenig, weil die nur Zeugs konsumieren und nichts selber leisten, aber bei Fanprojekten werden Leute, die wirklich sich kreativ betätigen (häufig sogar kreativer als die Firmen selbst) von irgendwelchen Anwälten ohne besondere Gründe einfach Platt gemacht aus prinzip.

    Da in dem Fall tatsächlich Leistung dahintersteht die kaputt gemacht wird und es nicht nur böse Sauger sind, denen mal auf die Finger geklopft wird könnte es auch mehr Symphatien in der Bevölkerung einbringen, wenn man da eine Liberalisierung durchsetzen will und nicht hauptsächlich bei den Filesharern.

    Ehrlichgesagt, auch die Probleme in dem Bereich sind es, die mir bei dem Urheberrecht richtig Angst machen. Mitlerweile kann man ja bei jedem kleinsten Satz im Web schon eine Abmahnungen über Tausender bekommen.

    Ich denke auch, es ist falsch, dass jeder Mist (nach dem Gesetz könnte man dies sogar wörtlich nehmen) dann irgendwelche Urheberrechte generieren kann. Dadurch wird der Gedanke des Urheberrechts nur ausgehöhlt bis er irgendwann keine Bedeutung mehr hat. Beispielsweise das beim Thema Wikileaks Sachen von denen zensiert/gelöscht wurden mit dem Hinweis auf das Urheberrecht. Ich denke nicht, dass behördliche Papiere eine genügende kreative Schöpfungshöhe haben, um dort das Urheberrecht ins Spiel zu bringen. (Allenfalls Gerichtsurteile, da dort schon ein hoher Aufwand eigenständigen Denkens gefragt ist.) Datenschutz vielleicht, aber bei Behördenkommunikation wage ich eine Urheberrechtsschutzfähigkeit doch zu bezweifeln.

    Ich stimme auch zu, man sollte bei der Diskussion immer bei sich selbst anfangen und nicht immer nur über den Anderen reden. Dies stört mich auch so dermaßen. Ehrlichgesagt empfinde ich die Diskussion momentan auf dem Weg fast zu einer totalen Eskalation. Jeder sagt “Ich bin ja so gut und die Anderen sind unmoralisch, falsch und kriminell”. Häufig dient dies auch zur Rechtfertigung von extremen Maßnahmen wie großen Klagen oder Hacks. Keiner hört der Gegenseite mehr zu und egal, was man sagt, man ist immer für irgendjemanden das absolut Böse.

  94. Olli says:

    *unterschreib* Danke

  95. Chris says:

    Vielen Dank für diesen offenen und ehrlichen Text. Er spricht mir als Musik-Freund aus tiefster Seele!
    Unterstützt die Musik, die ihr liebt! Egal wie.

  96. Michael says:

    einfach nur: DANKE!

  97. Pingback: stromradau.de ••• Fwd: Mein Plattenladen heißt Herunterladen

  98. Paul says:

    Klasse Eintrag. sehr viele lustige Passagen und im großen und ganzen genau meinen Nerv getroffen! DANKE!

  99. Peter says:

    zu diesem Text einfach nur eines: Danke! Ach ja: Sie sind KEINE Ausnahme… :-)

  100. BC says:

    Das zu lesen war eine interessante Abwechslung. Ich sehe noch einen Widerspruch in der Vorstellung von 80 Jahren Urheberrecht und dem dadurch entstehenden “Mienenfeld” für andere Werke. Das gleiche Problem besteht auch im Marken- und Patentrecht, wo ich selber betroffen bin. Ich würde mir wünschen, daß durch eine gemäßigte Auseinandersetzung endlich Bewegung in diese Fragen und vielleicht sogar eine reformierte Rechtslage entsteht.

  101. phlK says:

    Den Text habe ich mit der Genugtuung der Kenntnisnahme der Gelassenheit des Autors gelesen. Als Jurist und altruistischer Misanthrop, der Konsument und auch Urheber ist, habe ich mir unlängst auch über das Urheberrecht meine Gedanken gemacht. Im Ergebnis habe ich (ja noch) eine neue Lizenz geschrieben, die nicht nur einen gerechten Ausgleich zwischen Urheber und Nutzer zu schaffen sucht, und dabei den Verwerter als das positioniert, was er sein sollte, nämlich einen Dienstleister für den Urheber, sondern auch noch die Lizenzbedingungen um ethische Mindeststandards bereichert. Der geneigte Leser kann sie hier nachlesen und findet hier eine Erläuterung an 5 Beispielen. Da das wichtigste Arbeitsmittel des guten Juristen der Zweifel an der Richtigkeit der eigenen Auffassung ist, dies jedoch umso schwieriger ist, als es sich um eine eigene “Schöpfung” handelt, glaube ich, ist es nicht vermessen, an dieser Stelle um Kritik von Nutzern und Urhebern zu bitten – wenn doch, so möge man die Bitte ignorieren. Vielen Dank! “Meine” Lizenz ist übrigens gemeinfrei.

    So long!

  102. Pingback: Urheberrecht pt.1 - Autorenjournal Christoph Hardebusch

  103. kero says:

    Gut geschrieben, auch wenn die beiden Begründungen keine DVD bzw. BluRay zu kaufen sich, meiner Meinung nach, irgendwie widersprechen.

  104. Pingback: Nicht nur Trolle: Christoph Hardebusch in der Debatte zum Urheberrecht - Grüne Kraft für Europa - Wolfgang G. Wettach – http://gruene.wettach.org

  105. Pingback: http://www.namebookmarks.com/story.php?id=429180

  106. Pingback: Was für auf die Augen und was für auf die Ohren « Volkersworld

  107. robert says:

    Der entscheidenste und wichtigste Teil des Artikels ist die Aussage: Wenn Du etwas lieben lernst, ist es Dir egal ob Du dafür bezahlst, Du machst es sogar aus Dankbarkeit. Ich habe eine Unmenge an Songs auf Festplatten, vieles auch kostenlos runtergeladen, (dabei auch viele Alben die ich als Schallplatten besitze und es mir zu Mühsam war zu digitalisieren), jedoch waren viele Alben dabei die ich nie anhöre und eigentlich löschen könnte. Da der Festplattenpreis aber so niedrig ist , dümpeln diese Sachen weiter irgendwo rum. Allerdings habe ich auf die Art bereits 2 meiner absoluten Lieblingsbands kennengelernt und dann eigentlich alles gekauft was es gab (obwohl ich es schon zu 90% kostenlos hatte). Alben von Musikern die ich persönlich kenne, kaufe ich sowieso.
    Das beste an der extrem Menge an Audiofiles ist jedoch die ‘Random Play’ Funktion wo man viel nach einer MInute überspringt aber dann plötzlich hängenbleibt, fasziniert ist und etwas kennenlernt, was man sonst wahrscheinlich nie gefunden hätte.
    Ich behaupte, das mein Kaufverhalten sich gesteigert hat durch illegales Downloaden (bei Musik; da mich Filme nicht so interessieren kam da ein download nicht in Frage…kommt ja doch in der Glotze früher oder später)
    Es gibt auch fantastische Systeme wie Streaming Portale an denen ich nach Geschmack eine Art Radiosender habe und dabei Ungehörtes kennenlernen kann… das ist der noch angenehmere Weg als downloads, aber diese Portale werden auch mehr und mehr kommerzialisiert … ich liebe Diesen Artikel, da er mich ebenfalls im gesmaten wiederspiegelt .
    Danke

  108. Pingback: Eine Alltagswelt aus urheberrechtlich geschützten Dingen

  109. Pingback: dental

  110. Ein sehr gut geschriebener und auch aufschlussreicher Kommentar – vielen Dank! Ich habe ihn mit großem Interesse gelesen, fand mich als Konsument (Vinyl-Käufer …) und Produzent (Redakteur und Gelegenheitsautor) häufig wieder erkannt.

  111. leif says:

    Schön. Du sprichst mir aus der Seele – enn mir ein Album gefällt, dann kauf ichs mir auch (Erst kürzlich: Madsen- Madsen, Mumford and Sons, Klassiker die ich schon hatte aber trotzdem besitzen wollte. Drive gesehen – dann ins Kino gegangen!) Es macht so viel mehr Spaß gutes ehrlich zu hören oder zu sehen!

  112. dietrich says:

    @Klaus N. Frick: Doch nicht etwa der Chefredakteur von Perry Rhodan? Welch Glanz in meiner Hütte!

  113. Ändy says:

    Heute kann man für wenig Geld eine CD produzieren, CC-lizenzieren und sie weltweit anbieten: http://www.amazon.co.uk/gp/product/B00782OMJS/ref=dm_sp_alb/279-4196276-4513947
    Das ist alles kein Problem. Was wirklich zum Problem wird, ist der Zugang zu den etablierten Medien und die Möglichkeit, die Musik über diese zu verbreiten. Nur dann gibt es auch Geld dafür, egal ob mit GEMA oder CC-Lizenz. Für Musik, die Im Internet vertrieben wird fehlt eine entsprechende Regelung. iTunes und co kopieren lediglich das Geschäftsmodell des bisherigen Vertriebs physischer Tonträger auf den Online Marktplatz.
    Das Urheberrecht sollte als solches wieder ein Recht der kreativ gestaltenden Urheber selbst werden und nicht, so wie es gegenwärtig der Fall ist, ein Inkassorecht des monopolisierten Kulturvertriebs. Dazu gehört natürlich, dass Künstler ein Bewusstsein dafür entwickeln, ihre Marktplätze selbst zu organisieren, d. h. ihre Auftrittsmöglichkeiten, den Tonträgerverkauf und das Airplay. Es gibt was zu tun, kommt in die Hufe ;-)

  114. Pingback: Brüggemanns “Plattenladen” zum “Herunterladen” | Andreas Main

  115. air jordan says:

    Xu Meng said: Only drink, just drink! Wine talk business to a certain extent too late.

  116. Zhu Hai City, said: If I can just drink up fight, but we should talk about business businesslike.

  117. Premier Zhu. Noon today we two is better to drink two cups of Xu Meng Tao.

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