Fahr zur Hölle, Berliner Schule

Gekünstelte Dialoge. Reglose Gesichter. Ausführliche Rückenansichten von Leuten. Zäh zerdehnte Zeit. Willkommen in der Welt des künstlerisch hochwertigen Kinos, willkommen in einer Welt aus quälender Langeweile und bohrender Pein. Muß man das eigentlich einfach so über sich ergehen lassen und fraglos akzeptieren, daß es anscheinend anders nicht geht? Ich liebe das Kino in wirklich zahlreichen Facetten, aber lasse mich ungern verarschen. Wir hatten in Deutschland schon mal eine Zeit, in der Autorenfilmer ihr Publikum erst gequält und dann verjagt haben, danach kam eine Zeit, in der es nur bodenlosen Unterhaltungsmüll gab, und jetzt? Hurra, jetzt haben wir beides gleichzeitig. Als ich also gestern Thomas Arslans „Gold“ absaß und mein Geist so unterbeschäftigt war, daß ich permanent gegen den Drang ankämpfen mußte, niveaulose Zwischenrufe zu machen, hatte ich auf einmal einfach keine Lust mehr. Daß der Schweiger-Schweighöfer-Schrott Schrott ist, auch wenn Millionen Fliegen sich nicht irren können, das ist allgemeiner Konsens, dazu muß ich mich nicht auch noch äußern, aber wieso beschwert sich eigentlich niemand mal über die sogenannte Berliner Schule? Wieso sitzen da alle drin wie Schafe und sagen hinterher: Na ja, ich wußte ja, was mich erwartet? Kann mir bitte mal einer erklären, was daran toll ist, wenn hölzerne Schauspieler hölzerne Dialoge hölzern aufsagen, das ganze in 80er-Jahre-Fernsehfilm-Ästhetik, gelegentlich kommt eine Abblende, und man freut sich auf die Werbung, aber dann geht das gestelzte Elend weiter? Wenn ein Film mir zwei Stunden lang den Rücken zukehrt? Wenn Nina Hoss, die bestimmt eine wunderbare Schauspielerin ist, fünf Filme lang herumlaufen muß wie ein abgeschalteter Roboter? Wenn ich mit keiner Frage, keinem Gefühl, keiner neuen Erkenntnis, keinem Dilemma aus dem Kino komme, sondern nur mit der Ahnung, dem Tod mal wieder zwei Stunden nähergerückt zu sein, und dem dringenden Impuls, mich irgendwo zu betrinken? Was sind das für Regisseure, die die ganze Filmgeschichte gefressen haben, sich einen prätentiösen Titel nach dem anderen ausdenken, aber nicht in der Lage sind, eine einziges echtes Gefühl auszulösen? Geschweige denn irgendwie glaubhaft von der Liebe zu erzählen? Wo genau liegt eigentlich die künstlerische Individualität, wenn hundert Filme alle gleich aussehen? Und was ist das überhaupt für eine dämliche Kultur, in der man diese Simulation von Kino gut finden muß, weil es ansonsten ja nur noch den gräßlichen Mainstream gibt? Die Leute, die kluge Unterhaltung konnten, die haben wir ja vor 80 Jahren alle rausgeschmissen, und aus ihren Arbeiten besteht die interessanteste Sektion dieser Berlinale. Aber sind inzwischen keine nachgewachsen? Oder konnten sie sich nicht entfalten und haben irgendwann frustriert aufgehört, weil in Deutschland ja alles entweder todernst und tonnenschwer sein muß oder halt vor lauter Dämlichkeit stinken? Und weil sowieso niemand als Eremit Filme macht, sondern es eine Kultur braucht, in der man aufwächst? Fahr gefälligst zur Hölle, Berliner Schule, auch wenn das Feuilleton dir weiterhin zu Füßen liegt, und weil das bürgerliche Publikum auf Autoritäten hört, meinen dann ab und zu auch einige Leute, sie hätten was gutes gesehen, aber noch viel mehr hört das Publikum in der Summe auf sein Herz (durchaus auch auf millionenschwere PR-Kampagnen und am Ende doch auf sein Herz), und davon habe ich bei euch noch selten oder nie etwas gesehen. Von anderen Organen ganz zu schweigen. Es gibt nur den Kopf, der ist riesengroß, hat alles gesehen und nichts verstanden, und auch der läuft nur auf einer Gehirnhälfte. Seit 15 oder wieviel Jahren schaue ich mir das an, und ich will einfach nicht mehr. Fahr zur Hölle, Berliner-Schule-Berlinale-Wettbewerbs-Kino, fahr endlich in den Abgrund, ruhe in Frieden und mach Platz für was neues.

EDIT
Danke für den Zuspruch. Ein kleiner Haßmonolog in diese Richtung war anscheinend mal fällig. Bevor jetzt aber das ausbricht, was Politiker immer als „Pogromstimmung“ bezeichnen, möchte ich mal ein bißchen diversifizieren. Oder noch in ein paar mehr Richtungen austeilen. Ich will nämlich nicht am Ende noch Applaus bekommen von irgendwelchen entmenschten Münchner Großproduzenten, die alles eliminieren wollen, was sie nicht kapieren.
Es wird gefragt: Kann man das so alles über einen Kamm scheren? Na klar kann man. Ich fand „Die innere Sicherheit“ toll, ich verehre „Der Wald vor lauter Bäumen“, ich fand „Sie haben Knut“ grandios, und „Der Räuber“ des von mir auch persönlich sehr geschätzten Benjamin Heisenberg war auch ein umwerfender Film (auch wenn er das mit der Liebe genausowenig hingekriegt hat wie alle anderen) (Filme). Ist das dann überhaupt noch Berliner Schule? Mir doch egal. Und solche persönlichen Geschmacksdinger sind letzten Endes auch egal. Es geht um eine Kultur, die zu einer Monokultur geworden ist. Und zwar nicht nur bei uns. Jedes europäische Land produziert einerseits fürchterlich spaßbefreite Kunstfilme und andererseits wahnsinnig plattes Unterhaltungskino. Dazwischen gibt es dann noch so wohlmeinendes Wellness-Arthouse für Brigitte-Leserinnen, denen man öfter mal mitteilen muß, daß das Leben bezaubernd ist. Und das ist alles gleichermaßen beschissen. Es sei denn, es ist zur Abwechslung mal gut, und das ist es selten, denn all diese Filme entstehen und laufen im Rahmen eines Systems, das nur das Format sieht und für Qualität völlig blind ist.
Aber was wollen Sie denn dann, Herr Brüggemann, wenn Sie all das nicht wollen?
Ganz einfach. Ich will nicht, daß das Kunstkino aufhört. Ich will, daß es besser wird. Es ist völlig legitim, daß es innerhalb einer Kunstform einen Zweig gibt, der sich nur an die Eingeweihten richtet. Daß es Filme gibt, die nur von Leuten geguckt werden, die sich selber professionell mit Film befassen. Es gibt für diese Filme nur eine einzige Regel: Sie sollen bitte etwas machen, das noch kein anderer gemacht hat. Sie sollen bitte ihr eigenes Rad erfinden und daran drehen. Ein solcher Filmemacher, den ich beispielsweise auf Knien verehre, ist der Schwede Roy Andersson, den hierzulande bezeichnenderweise wieder keine Sau kennt. Solche Filme laufen, wenn überhaupt, dann in Cannes. In Berlin allenfalls mal aus Versehen.
Denn was das Kunstkino dann doch noch vom Mainstream unterscheidet: Mainstream darf formatiert sein. Es ist okay, wenn die Filme sich hier ähneln. Auch das kuschelige Pseudo-Arthouse, ohnehin das gräßlichste aller Genres, darf meinetwegen gern formatiert sein. Aber in den Wettbewerben der großen Festivals erwarte ich mehr. Dieses Segment, die Speerspitze unserer Kunst, hat seine Existenzberechtigung komplett verloren, wenn es zum Genre verkommt. Wenn es reicht, mit einem Film ein paar Klischees zu bedienen, um als „Kunst“ durchgereicht zu werden. Entsprechend wütend werde ich, wenn ich mir von Jahr zu Jahr anschauen muß, wie genau das passiert. Wie man jedes Jahr einen Film nach dem anderen anschaut und sich fragt: Waren das wirklich die besten Filme dieses Jahrgangs? Oder haben sie die besseren abgelehnt? Die, die in kein Raster paßten? Die mit einer eigenen, individuellen Stimme sprechen? Über die Jahre kriegt man dann mit: Letzteres ist der Fall. Es gibt sie, die wahnsinnigen, genialischen Filme, die große Aufmerksamkeit verdient hätten, selbst wenn sie nicht rund und perfekt sind. Hier ein paar Worte von Rüdiger Suchsland über einen dieser Filme, der in Oberhausen lief und dann nirgends mehr. Stattdessen sieht man an den Filmhochschulen und in den Nachwuchssektionen der Festivals hunderte von Langweilern, die gern Christian Petzold wären.
Wird sich in den Köpfen der Verantwortlichn von selber etwas ändern? Nicht, solange niemand an die Tür hämmert und laut schreit. Und sowas passiert tendenziell nur als Gruppenaktivität. Die Leute, die den wirklich spannenden Kram machen, neigen nun leider nicht dazu, sich zu irgendwelchen „Schulen“ zusammenzuschließen, weil sie nämlich jeweils ihren eigenen Kopf haben. Aus demselben Grund kommt auch kein Journalist auf die Idee, da eine „Bewegung“ herbeizuschreiben. Daher haben sie keine Lobby und gehen irgendwann frustriert zugrunde oder ins Fernsehen. Dabei gibt es sie, die Leute, die hierzulande in der Lage sind, aufregendes, böses, prächtiges, unverschämtes Kino herzustellen. Einige rotten sich gerade in meinem Freundeskreis zusammen, vielleicht schreiben wir demnächst ein Manifest oder nageln ein paar Thesen irgendwohin. Vielleicht ist dieser Text auch schon unser Gründungsmanifest.
Ende der Durchsage.

 

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111 Responses to Fahr zur Hölle, Berliner Schule

  1. Kann ich gut verstehen den Ärger und die Wut und auch dieses Fassungslosigkeit darüber wie’s eigentlich so läuft. Weniger aber als Filmemacher als viel mehr von der Seite her als Schauspierlerin. Und da ist es auch einfach egal ob Berlinale oder TV oder was auch immer…wenn ich sehe was immer wieder und wieder für Fratzen auftauchen-immer die gleichen- weil da jemand ist der sagt, „Die und Der“, die wollen gesehen werden, weil die jeder kennt, weil das zieht -vo(r)m Publikum, dann könnt ich auch richtig das kotzen kriegen, aber vor allem deswegen weil der Großteil von denen einfach nur langweilig ist und grottenschlecht spielt. Und doppelt frustierend ist, genau, wenn man einfach nicht zum Zuge kommt, weil man anders denkt, Anspruch hat und sich schon gar nicht anbiedert und auch nicht für jeden Quark zu haben ist (der beazhlt wird). Wenn er überhaupt ordentlich bezahlt wird. Bei der Berlinale war ich seit ich in Berlin lebe, in 8 Jahren nur zweimal, weil der Käse mir einfach zu sehr stinkt! Fazit: Es ist eben nicht alles Gold, was glänzt!

  2. Stephan Strube says:

    word!

  3. Mia says:

    Es soll auch noch die Menschen geben, die das Spiel mit filmischen Möglichkeiten und gerade den Charakter eines dokumentarisch anmutenden, aber auch klar stilisierten Realismus spannend finden. Wenn diese Filme bei jedem Schauen etwas anderes erzählen, großartig.

  4. Torte says:

    Endlich mal jemand der den Nagel auf dem Kopf trifft!!

  5. Rudi Ratgeber says:

    Frechheit, dass dieses Selbstmassage-Genre überhaupt als „Berliner Schule“ bezeichnet wird. Man könnte meinen, das hätten sich Filmkunstfunktionäre aus Hamburg/München ausgedacht, um der dffb (Berlin) bei der Selbstfindung nach 1990 auf die Sprünge zu helfen (Schule).

    Diese stieselige Hilflosigkeit / das ästhetische Vakuum ist ja nicht nur im Kino anzutreffen. Sich aufzuregen und es dann nicht besser, d.h. wirklich ANDERS zu machen, ist dann aber auch nicht gerade so dolle, *dropyournamehere*.

    Für mich ist das gegenwarts-deutsche Kino und dessen Schmierigkeit(!) Ausdruck einer tiefen menschlichen und vor allem finanziellen Verunsicherung. Als hätten sich Macher und Förderfinanzbehörden auf den kleinsten gemeinsamen opportunen Nenner einigen müssen. Ich sehe jedenfalls hunderte gut ausgebildete Fliegen drauf festsitzen. Muss man sie halt einfach noch tiefer reindrücken…

    • rahkl says:

      Ich habe das Gefühl, dass Kreativität verschwendet wird. Oft trifft man Menschen, die begeistert sind von der Idee, etwas Neues zu produzieren und losgelöst von irgendwelchen vorgefertigten Maßstäben Emotionen erzeugen wollen. Sobald sie in der Hochschule/Uni angekommen sind, werden sie gestutzt und müssen sich anpassen. Wer bekommt den die Gelder und Fördermittel in Deutschland? Und nicht einmal mehr die kleinen Programm-Kinos (ich spreche da jetzt nicht unbedingt von Berlin, aber auch hier gibt es die Tendenz) trauen sich, mal etwas abseits des Mainstreams zu zeigen…

  6. Gregor says:

    Hey Dietrich!
    Hast mir grad die berlinale gerettet. ich nehme zwar zu 100% nicht teil, aber ganz geht der kelch an einem ja doch nicht vorüber.. Jedenfalls sprichst du mir voll aus der seele. Keine Visionen, keine oder kaum (vor allem visuelle) phantasie und poesie, automaten und inzestöse selbstlobhuddelei (filme fürs feuleton, den deutschen filmpreis und nich fürs publikum). Hab´s echt versucht, kann mich aber kaum noch begeistern und immer öffter muss ich nach diesem oder jenem film befragt gestehen, dass ich ihn einfach nicht gesehen hab, weil ich ihn nicht sehen wollte. kein interesse, tut mir leid.. und nur weil ich selbst beim film mitmische?
    Wenn ich mich heute zwischen sagen wir bud spencer auf rtl2 und berliner schule auf 3sat entscheiden muss, fällt die wahl wieder ganz leicht. zum glück. dachte ich doch tatsächlich die letzten jahre, ich könnte da auf „3sat“ was wichtiges verpassen..
    Ich wollt nie selber die grossen filme machen, einfach als kameraman meinen kreativen teil beitragen, allerdings bei geilen filmen. die leute reissen sich teils richtig den arsch auf und ich komm nich umhin immer wieder zu denken, die ganze party steigt nur für ein paar frei gelassene egos auf ihrer suche nach anerkennung (und das sind eh alle auf ihre art), den film selbst braucht die menscheit meist wirklich nicht.. mal so ganz ehrlich.. Die riesige werbemaschiene und vor allem das deutsche subventionssystem zeigen nur zu gut dass es sich hier meist um „künstlich“ hergestellte kunst handelt. meine konsequenz daraus war ganz einfach. ich widme mich wieder mehr der musik. da is „die berliner schule“ gar nich so übel und vor allem viel freier und individueller. .. Scheiß doch auf`s Geld!

  7. TheMagician says:

    Die Berliner Schule ist die (leider nicht absichtliche) formvollendete Verballhornung des deutschen Filmsystems: Filme machen, die keiner sehen wollen soll, die aber „anspruchsvoll“ und „wirklichkeitsnah“ daherkommen, um auf Festivals zu laufen. Die aus der Not entstehen, nur billig im Hier und Jetzt, in Wohnungen und auf der Straße und möglichst ohne Action drehen zu können. Die sich auf dem menschlichen Grundimpuls ausruhen, in allem Bedeutung zu finden, wenn man nur lange genug davon überzeugt wird, es gäbe eine. Deshalb reicht es auch vollkommen aus, in diesen Filmen _irgendwas_ zu zeigen und _irgendwas_ zu sagen … der Zuschauer wird sich seinen Reim schon selbst drauf machen. Eine konkrete, belegte Haltung des Filmemachers ist nicht mehr notwendig. Der Moment, wo Postmoderne nur noch Leere produziert. Und der Zuschauer zahlt für sein eigenes Kino im Kopf. Er könnte sich genauso auch einfach auf eine Parkbank setzen für zwei Stunden.

    Film wird in Deutschland kaum noch zum wahren Geschichtenerzählen benutzt, das Wissen darüber ist in großem Rahmen tatsächlich vor 80 Jahren verloren gegangen. Die Berliner Schule ist die Endstufe dessen: Nur noch interessiert an Situationsbeschreibungen, gern in mikroskopischem und/oder bedeutungslosem Detail aufgelöst. Die Brausetablette des World Cinemas: Wenn wenn man nur nahe genug herangeht, wird man schon sehen, dass das Wasser mit Brausetablette anders ist als ohne. Auch wenn das Glas in beiden Fällen still auf dem Tisch steht. Filme, die den Unterschied zwischen halbvoll und halbleer zu einem wichtigen Thema machen.

    Leider scheint kaum noch jemand in der Lage, echte, gute, schlaue _Storys_ zu erzählen, der Schweiger-Schrott ist da einfach nur die andere Seite der gleichen Medaille. Außer ein paar Ausnahmen auch nicht die ambitionierten Jung-Filmemacher, die wenn überhaupt am Ende auch nur das gleiche Lob vorweisen können wie die Berliner Schule: Festival- und Kritikeranerkennung. Die Magie, ein großes Publikum zu erreichen, entfalten auch diese Filme nicht.

  8. Rjonathan says:

    Kann die Aufregung schon verstehen. Ich schaue mit auch nicht JEDEN Film aus dem Umfeld an. Aber ich finde sie eine wichtige Kraft. Ärgerlich ist doch, daß es so wenig bis nichts anderes gibt. Und da können die Berliner Schüler nun wirklich nichts für.
    Dealer fand ich aber Super. Und unter dir die Stadt war auch toll. Und jerichow war auch sehr emotional. Um mal drei Ausnahmen zu nennen.

  9. Nhat Quang Tran says:

    Tja, die Wahrheit ist die Wahrheit, ist die Wahrheit und bleibt die Wahrheit.
    Desto länger man sie nicht ausspricht, umso mehr tut sie weh. Hier also 15 Jahre. Das tut jetzt also ein bisschen weh.

    Prognose: Jetzt kommt das inzestuöse Wundenlecken. Viel Spaß dabei. Ich schaue YouTube währenddessen.

  10. Johannes says:

    ja, das stimmt schon ein bisschen. raus mit dem frust 😉

  11. Vinyler says:

    Ich liebe beherzte Plädoyers pro eigenen Kopf und contra Gleichschaltung und Angepasstheit. Wir brauchen etwas zwischen Gold und Kokowatt, zwischen Schwarz und Weiss.

  12. side777 says:

    den platz wird das neue sich schon selber nehmen müssen.

    da wird aber leider nix draus, so lange ihr flachzangen alle über solche texte applaudiert, und fleißig bei facebook teilt… aber schon morgen wieder bei der ‚berliner schule‘ am set steht oder an der kinokasse.

  13. side777 says:

    EDIT:
    ok, ich bin dabei mit dem rotten! sag bescheid, wann es losgeht! 😛

  14. Martin says:

    Vielen dank für diese wahren Worte… Genauso siehts in mir auch aus, und man weiß wirklich nicht wohin damit… Beim rotten wäre ich auch dabei.

  15. Georg Pelzer says:

    Lieber Dietrich,

    Ich habe dir in meinem Blog geantwortet:
    http://www.georgpelzer.com/?p=1522

    „Die Berliner Schule* macht keinen Spaß, ist anstrengend und meistens irgendwie graublau, eher grau, auf jeden Fall trüb. Und Dietrich Brüggemann hat keine Lust mehr. Wahrscheinlich geht es einigen Filmemachern seiner, meiner, unserer Generation ähnlich: „Es muss doch noch etwas Anderes geben, als diese programmierten Trostlosigkeit des deutschen Kinos!“ sagen wir. Nur was?“

    Ich hab das Gefühl, das (notwendige) Gebrüll ist irgendwie erst der Anfang.

    Liebe Grüße,
    Georg

  16. B. Bonaventura says:

    „Simulation von Kino“ – das triffts ! O Boy ! Ja, Oh Boy ist das Gegenteil davon, und findet 200.000 Zuschauer, and still going …

  17. Kitty Koma says:

    Danke! Ich erinnere mich an eine Schanelec-Teampremiere Ende der 90er, bei der ich kurz vorm schreiend rausrennen war, weil Zooms unter langsamem Gerede durch den Raum schnitten und immer auf der uninteressantesten Stelle des Raumes landeten. Knapp neben dem Gesicht des Hauptdarstellers, in der Unschärfe und Dunkelheit etc.
    Das ist einer der Gründe, warum ich nicht mehr im Filmbusiness bin. Der andere sind die unterirdischen Fernsehformate.
    Das Neue wird vom sogenannnten Second Screen kommen, der für viel schon der First Screen geworden ist. Da geht grade die Post ab.

  18. Georg Pelzer says:

    Danke für das ausführliche Update (und übrigens für das anzetteln dieser Diskussionsrunde), irgendwie ziehen wir ja doch alle in gleiche Richtung.

    Möge es uns weiterbringen,
    Georg

  19. highks says:

    Vielleicht liegt diese Eintönigkeit des deutschen Films auch mit an den mysteriösen Auswahlpraktiken der Filmhochschulen für potentielle Regiestudenten?
    Da ich selbst niemals Ambitionen hatte, Regie zu studieren, glaube ich, relativ objektiv beurteilen zu können, was ich im Freundes- und Bekanntenkreis bei Bewerbungen um ein Regiestudium beobachten konnte. Nämlich dass die Filmhochschulen niemanden gerne für das Fach Regie zulassen möchten, von dem sie nicht das Gefühl haben, dass er a) in eine Schublade passt und b) sich von den Dozenten zu ihrem persönlichen Zögling formen lässt.

    Eigene Ideen, Kreativität und langjährige Erfahrung im Bereich Kurzfilm scheinen meiner Beobachtung nach eher hinderlich, möchte man sich dem Studium der Regie an einer deutschen Filmhochschule widmen. Man könnte ja andere, neue Ideen mitbringen, von denen man sich nicht mehr abbringen lässt…

    Die deutschen Filmhochschulen tun so, als wäre der deutsche Film das Zentrum der Welt – dabei sind gerade sie vielleicht hauptverantwortlich für das Dilemma?
    Jedenfalls hat in Deutschland auch niemand ohne den Abschluss einer renomierten Filmhochschule jemals die Chance, einen großen Film zu machen – da geben sich die Investoren extrem konservativ.
    Selbst mit einem Abschluss tun sich die meisten Absolventen schwer – schließlich sind sie neu, und man weiß ja nicht, ob sie auch so Budget-konform mitarbeiten, wie der Regisseur oder Kameramann, den man jetzt schon seit 30 Jahren für alle Projekte engagiert.

    Man macht es den Filmemachern in Deutschland wirklich nicht leicht, da dürfen wir uns nicht darüber aufregen, dass meist nur gepflegte Langeweile oder hirnlose Dämlichkeit ins Kino kommt.

    • Ariane says:

      Tja, was soll man nun mit dieser Erkenntnis anfangen?
      Da wir alle zu Lämmige funktionalisiert wurden, sind wir nicht in der Lage, an dieser Situation etwas zu verändern.
      Diejenigen, die sich ihre Persönlichkeit und „ihren eigenen Kopf“ bewahren konnten, sind allein auf weiter Flur – und auch, wenn es im Netz solidarische Aufschreie gibt, ist sich im wahren Leben dann doch jeder selbt am nächsten.
      Ich kann nicht mehr, habe meinen letzten Cent für die Wahrheit ausgegeben und werde jetzt für ein Appel und ein Ei als Briefzustellerin arbeiten.
      Gratulation an die Obrigkeit, Ihr könnt Euch wieder auf die Schulter klopfen, Ihr habt es geschafft, wieder ein lästiger Querulant weniger.
      Armes Deutschland – ich bin Künstler, holt mich hier raus!

  20. huxer says:

    Wer will hier die Revolution anzetteln? Der Brüggemann, der einen weichgespülten Schema-F Film nach dem anderen rauskloppt? Der mit der unverkennbaren Handschrift? Pff.

  21. Uwe Wilhelm says:

    Hallo Dietrich Brüggemann,
    kommen sie aus der Jammerecke heraus. Wenn es nicht die Berliner Schule und nicht der Schweiger-Schweighöfer-Schrott ist und auch nicht die Münchner Produzenten, dann zeigen Sie uns doch einfach, wie geile Filme für ein großes Publikum gemacht werden, indem Sie sie immer wieder machen! Ja, es gibt eine Verabredung zwischen Filmemachern, Filmförderung und Feuilleton, das wissen wir, das hat schon Dominik Graf so benannt. Ja, es stimmt, unendlich viele deutsche Filme erstarren in emotionaler Mutlosigkeit gepaart mit geistiger Insolvenz. Und ja, man kann es auch wieder in der Filmkiste sehen, die die Filmakademie dieses Jahr verschickt, damit wir herausfinden, welcher der Filme weniger schlecht ist und daher einen Filmpreis bekommen kann. Das wissen alle. Und alle klagen immer wieder darüber. Aber letztlich muss man den Leuten, die den sogenannten Kunstfilm machen, auch zugestehen, dass sie einfach clever sind, indem sie die Finanzierungsinstrumente nutzen. Und Schweiger-Schweighöfer muss man zugestehen, dass sie ein Publikum erreichen. Da sollte sie nicht auf die Analogie mit den Fliegen und der Scheiße verweisen. Das ist arrogant und dumm. Also: machen sie „ihre“ Filme, zeigen Sie, wie es besser geht. Und wenn das hier so schwer ist, probieren Sie es in Anerika oder auf Youtube. Sie und ich sind im Filmbusiness. In dem Wort steckt der Begriff „Geschäft“, das heißt, es geht nicht nur um „geile“ Ideen sondern auch darum, wie diese „geilen“ Ideen das Licht der Öffentlichkeit erblicken und dort erfolgreich sein können. Und wenn Sie Unterstützung brauchen, rufen Sie mich an. Die Nummer finden sie auf der Website http://www.uwewilhelm.de
    Beste Grüße, Uwe Wilhelm

  22. norman says:

    nun ja. ich stimme mit ihnen bisweilen überein, nur leider entdecke ich das Kritisierte in leichter Umcodierung in all ihren eigenen Filmen. Die Trailer ihrer Filme geben meist ein junges, cooles Tempo und einen hippen Taste vor und der Film in seiner ganzen Länge ist dann von einer ominösen Zähheit, die ihresgleichen sucht. Da kommt die Story dann auch nicht aus dem Quark, da hilft auch kein Indiehit und keine Montagesequenz zwischendurch. Es fehlt zudem eine gewisse visuelle Verführung. Da sitzen dann beispielsweise drei junge Leute, die irgendwie uralt wirken auf Balkonen, sehen in den Nachthimmel und werfen sich vermeintlich temporeiche Wortspitzen an die jungen, uralten Köpfe. Ihre Dialoge wirken alles andere als authentisch, denn man riecht da stets eine gewisse Eitelkeit und Ichbezogenheit. Sie addieren ihren Dialogen oft eine Drehung, eine Idee zu viel und dadurch ist all das Wahrhaftige dahin. Ausserdem gibt es bei ihren Dialogen das Problem, das fast alle Figuren (innerhalb eines Filmes) einen oft völlig gleichen Sprachduktus haben und so stellt sich schnell eine grotesk in einem wütende Langeweile ein, die tiefer sitzt als bei manch einem Berliner Hauptschule Film.

    Ich komme dann aus Ihren Filmen leider auch mit keiner Frage, keinem Gefühl, keiner neuen Erkenntnis, keinem Dilemma aus dem Kino, sondern nur mit dem Gefühl (ah also doch Gefühl), dem Tod mal wieder zwei Stunden nähergerückt zu sein, und leider leider leider nicht mal dem Drang, mich ganz dringend irgendwo zu betrinken?

    Ihr Mise-en-scène ist nun auch nicht gerade von größter Frischheit und größtem Einfallsreichtum gekennzeichnet, sondern sie hat bisweilen etwas sehr Alt-Herren-TV-Mäßiges (und da meine ich nicht Ophüls, Wilder oder Murnau) Bitte diese Probleme in ihren Filmen beheben und dann erneut beschweren. Und können sie mich bitte kurz aufklären, wer heute noch zur Berliner Schule zählt? Ich bin da irgendwie immer mehr im Unklaren. Ein Weder-Noch-Gut-Finder.

  23. Gerhard Midding says:

    Lieber Herr Brüggemann,
    schauen Sie doch mal in das Oktoberheft 2009 von epd Film. Da habe ich eine Polemik gegen die Berliner Schule veröffentlicht. Etwas höflicher als Sie. Die hiesige Kritik ist nicht so gleicheschaltet, wie Sie annehmen. Mal schauen, ob sich das deutsche Kino irgedwann einmal aus dem dualen Verhängnis befreien kann, das Sie beklagen.
    Beste Grüße GM

  24. Andreas Schäfer says:

    In Deutschland haben wir keine Drehbuchautoren (mehr), die lebendige authentische Dialoge schreiben können. Alles ist eine Kunstwelt. Seit Fassbinder sehe ich keine interessanten Filme mehr. Immer die gleichen zwei, drei Fressen vor der Kamera und nichts dahinter. Geschichten werden immer 1 zu 1 erzählt. Da gucke ich lieber die Meister Truffaut, Fellini, Altman, Lubitsch … und das internationale Kino und Fernsehen.

  25. in der Dezember Nr. 2012 der französischen Filmzeitschrift „Cahiers du Cinema“ ist das Hauptthema „Die zehn Fehler des Autorenkinos“. Man muss es gelesen haben. Wie kann man sich einen Reim drauf machen, das die Starfilmkritiker der dt. Zeitungen weiterhin ungebrochen die akademisch anmutenden Berliner Schule Filme schönschreiben. Man könnte glauben, das sie auf deren Rücken Filmpolitik betreiben und weniger mit dem Herzen dabei sind. Das Resumè des Leitartikels in den „Cahiers“ lautet in Kurzform: Filme sollten kühn sein, dreist, mit Herz , verschiedene Geschwindigkeiten haben, einen Flux mit Variationen der Kontraste, Intensität , Ironie und – ein Film kann zwar pessimistisch, sollte aber belebend sein…

  26. henny marie says:

    Ich war Assistentin bei Nico Sommers kleinem Independent Film „SILVI“ und ich mag ihn sehr, er lief in der Perspektive Deutsches Kino und hat sehr gute Reaktionen vom Publikum erhalten. Es gibt also durchaus Spannendes und Neues der Berliner Schule zu entdecken.
    Und wer möchte und offen ist, sollte sich durchaus selbst davon überzeugen, dass neues deutsches Kino nicht ermüdend oder gar langweilig sein muss…. (und ich meine nicht den Schweiger-Schweighöfer-Schrott 😉 )

  27. Kunstfilm 101 says:

    Rohmer gesehen und nichts verstanden. Excel-Filme. Und ja, das Elend geht an den Hochschulen schon los. Der Druck ist immens gewachsen. Es kostet viel Geld, und dann lernen sie es: zu kalkulieren, Förderanträge zu schreiben, selbstbewusst aufzutreten, zu labern… brave Schüler. Dazu der beschriebene Gruppendruck. Ist im Übrigen ja nicht nur im Film so, Literatur, bildende Kunst, das ist überall das selbe geworden. Have the cake and eat it-Menschen, die sich selber toll verkaufen können, netzwerken, smart sind… und dann auch noch sensibel, wagemutig und frei denken können sollen? Man kann eben nicht alles haben. Wenn in diesem Blog paar der zitierten Gegenbeispiele auch vorgestellt werden sollten, würde ich ihn mir glatt bookmarken, solange schau ich alte DVDs, zuhause.

  28. puchta günther says:

    die frage ist doch, ob der brüggemann auch die filme vom straub unter diese kunstscheiße rechnen würde oder nicht. der straub ist genial, großes kino. was sagt der brüggemann zu straub. über arslan lästern? hat der brügggemann denn den sommerfilm von arslan gesehen? der is doch klasse.wer ist denn überhaupt der brüggemann? wird der bezahlt dafür,daß er über scheiße schreibt? is doch auch schon scheiße über scheiße gegen kohle zu lästern. wohleil, wohlfeil. pfui imgrunde pfui

    • Kunstbanause says:

      Straub – Großes Kino?“ – Kann ich nicht teilen. Meine Erinnerungen aus Filmvorführerzeiten sind: Straub – leeres Kino. – – – und – nach einigen Jahren ambitionierter Programmkinoarbeit: – geschlossenes Kino.

  29. Martin Danisch says:

    Lieber Dietrich,

    danke für den Hinweis auf unseren Film, den Rüdiger Suchsland so wunderbar beschrieben hat. Hier für alle:

    https://vimeo.com/27967520
    passwort: nico2012

    Übrigens, ich habe den Film auf 43 Festivals eingereicht – er wurde kein weiteres Mal ausgewählt.

    Zu Deiner Polemik:

    Ich glaube nicht, das irgend jemand ein Manifest schreiben muss, damit sich das Kino erneuert. Ich bin total dafür, dass WIR das Kino erneuern. Aber es muss sich von Innen erneuern, nicht von außen. Jeder Redakteur, jede Filmförderung, jeder Verleih würde sich doch die Hände reiben, einen jungen Truffaut, Jarmusch oder Kurosawa in den eigenen Reihen zu entdecken, oder eine junge Firma wie Komplizenfilm um hier nur eine zu nennen.

    Was fehlt aus meiner Sicht:
    Ein ästhetisches Gefühl, ästhetische Wahrnehmung. Echtes Gefühl, Ehrlichkeit. Schauspiel. Zeit. Muße. Geduld. Witz. Ironie. NICHT-ICH.

    Eine Geschichte, die ich gestern auf der Kätzchen Party zu ästhetischer Wahrnehmung erzählt bekommen habe: Tarkowski drehte für Stalker. Location: Ödnis. Leider durfte er nicht in einem kontaminierten Gebiet drehen, musste den Kompromiss annehmen, auf dieser Location zu drehen. Als dann endlich das Bild eingerichtet war, störten Ihn zwei Blumenblüten im Bild. Ein immenser Aufwand wurde betrieben, um die Blumen, ohne den Boden zu berühren aus dem Bild zu entfernen. Stunden später dann Tarkowski: Ich spüre immer noch die Anwesenheit der Blumen. Er musste zähneknirschend akzeptieren, das sich die Präsenz der gepflückten Blüten im Bild gehalten hatte.

    Was will ich damit sagen: Das ist Kino, das ist der die Übersetzung eines Gefühles in ein Bild mit Hilfe von Licht uns Zeit. Wo bitte sehen wir das noch?

    Ich finde übrigens, dass es im krassen Widerspruch stehst, dass Deine Filme bei Teamworx entstehen. Das geht doch nicht, wenn hier so schreibt. Da braucht man eine kleine Produktionsfirma mit Leidenschaft. Wenn Du wirklich etwas bewegen willst, dann mach was mit Karl „Baumi“ Baumgartner oder Philipp Bober, oder aber mit Produzenten, die durch eine geistige wie ästhetische Haltung auffallen und ebensolche Regisseure betreuen!

    Liebe Grüße
    Martin

    P.s. falls jemand Projekt mit der Schönheit folgender Filme im Kopf hat, meldet Euch gerne bei mir: http://www.nicokupferberg.de. Ich vertrete eine Produktionsfirma mit Haltung und Geist, mit Sinn für das Schöne und Tiefe:

    Stranger than Paradies (jarmusch)
    Shadows (cassavetes)
    Beshkempir (AKTAN ABDYKALYKOV)
    Der Sohn (dardenne)
    Tulpan (Sergey Dvortsevoy)
    Der Tod des Herrn Lazarescu (Christian Puiu)

    • dietrich says:

      Die Präsenz längst gepflückter Blumen im Bild respektiere ich sehr, auch wenn ich selbst eingestehen muß, daß es mir an so geschärfter Sensibilität mangelt. – Daß mein letzter Film bei Teamworx entstanden ist, liegt ausschließlich daran, daß ich mit dem Produzenten Jochen Laube arbeiten wollte. Und als der dann das Buch gelesen hatte sagte er: Ja, sehr gern, aber übrigens bin ich jetzt mit meiner kleinen Firma unters Dach von Teamworx geschlüpft. Und ich so: Okay, na dann.

    • Woodpecker says:

      Hallo, ich weiss es ist gerade nicht das thema aber dein kommentar fand ich interessant und bin einverstanden, aber war stranger than paradise nicht von Jim Stark produziert?

  30. Martin Achterdiek says:

    Tja, man wohl – wie immer, wenn Künstler sich zu Kritikern machen – mit Max Goldt (und DJ Koze) sagen: Deine Reime sind Schweine, meine Reime sind feine Reime!

  31. Kunstbanause says:

    Es ist einfach zuviel Geld im System. Und zuviele Leute, die, nachdem sie sich als Kassengift bewährt haben, in den Gremien sitzen und über neue Projekte entscheiden. Wenn die Schanelecs und Arslans dieser Welt ein halbes Dutzend Filme produzieren können, ohne dass auch nur einer mal nennenswerte Zahlen schreibt, dann ist es ein so trauriger Zustand, dass eine extreme Reaktion durchaus angemessen scheint. Ich hab´ ja nichts dagegen, dass diese Filmkünstler versuchen, ihre Vorstellungen von Film in Reihe zu produzieren. Soviel Egoismus und Hartnäckigkeit will ich ihnen gerne können. Was mich irritiert ist die Zuschauerfeindlichkeit der die Entscheider in den Fördergremien die Projekte durchwinken und finanziell ausstatten. Warum hat da keiner den Mumm zu sagen: Der Kerl / die Frau hat fünf Filme gemacht, die allesamt an der Kinokasse krepiert sind. Sie haben Chance – sie haben sie versemmelt. Jetzt geben wir einem Anderen die Chance. Wer fünf Filme in den Sand gesetzt hat, ohne das auch nur einer 50% seiner Förderung zurück gezahlt hat, ist für neue Anträge disqualifiziert. Wohlgemerkt, das kommt keinem Berufsverbot gleich. Er kann sich sein Geld ja auf dem freien Markt besorgen oder das Häuschen seiner Oma verpfänden. Aber die Fördertöpfe sollten für so jemanden versiegen.

  32. dietrich says:

    Mal ein paar schnelle Antworten, von unten nach oben:

    @Gerhard Midding: Sehr gern. Die epd habe ich leider nicht abonniert. Findet man das irgendwo im Netz?

    @norman und @huxer (ihr sagt ja so ungefähr das gleiche): Tut mir leid. Man kann es einfach nicht allen recht machen. Würde mir die ganze Welt solche Dinge um die Ohren hauen, dann würde ich mir ernsthaft Gedanken machen. Aber zum Glück stand ich schon vor genügend vollen Sälen, die großen Spaß an meinen Filmen hatten. Da geht es überhaupt nicht darum, ob irgendjemand recht oder unrecht hat, die Geschmäcker sind einfach verschieden. Schauen Sie sich doch einfach andere Filme an, nicht meine. Es gibt genügend, da ist für jeden was dabei. Allerdings ein punktueller Widerspruch: Na klar müssen Dialoge im Film schneller und schlagfertiger als im wirklichen Leben. Schau nach bei Aaron Sorkin. Und zu Ihrer Frage: Keine Ahnung, wer zur Berliner Schule zählt, und es ist mir auch egal. Ich sehe einfach einen Haufen Filme, die mir auf die Nerven gehen und die alle gleich aussehen.

    @Uwe Wilhelm: Hören Sie auf, mich in die Jammerecke zu stellen. Als Drehbuchautor sollten Sie in der Lage sein, Gejammer und einen Wutanfall auseinanderzuhalten. Und dann schauen Sie sich mal auf dieser Website ein wenig um, dann werden Sie feststellen, daß ich nicht in der Ecke sitze, sondern meistens arbeite. „Schaffe, Künstler, rede nicht“ ist ein dämlicher Ratschlag. Ich schaffe recht viel, meine Filme erreichen ihr Publikum, bisher waren sie halt immer niedrig budgetiert, hatten kleine Verleihstarts und haben in diesem Rahmen allerhand erreicht. Die nächsten ziehen wir größer auf (bzw noch kleiner und dafür viel härter). Ja, natürlich arbeite ich auch innerhalb des Systems, man wäre ja blöd, es nicht zu tun. Und verlangen Sie gefälligst nicht von mir, daß ich meinen inneren Qualitätskompaß abschalte, nur weil ein schlechter Film viele Zuschauer erreicht. Das ist nicht arrogant und erst recht nicht dumm, das ist einfach nur unbestechlich. Ich würde „Männerherzen“ auch dann schlecht finden, wenn er bei 50.000 Zuschauern verendet wäre, und ich behaupte, daß ein solcher Film, wenn man einmal die Dialoge von „platt“ auf „brauchbar“ umgeschrieben hätte und die Regie etwas eleganter gestaltet hätte, nicht weniger Zuschauer gemacht hätte, sondern mehr. „Der Schuh des Manitou“ war erlesener Klamauk und hat ein riesengroßes Publikum erreicht. Loriot, Otto, das amerikanische Unterhaltungskino sowieso, all diese Filme haben hierzulande die Massen erreicht, und das völlig zu recht. Na klar gestehe ich den Schweighöfers zu, daß sie ein Publikum erreichen, ich bin ja durchaus in der Lage, Zahlen zu lesen, aber Applaus gibt‘s von mir erst dann, wenn die Filme gut sind. Und zum letzten Einwand: Jahaaa! Ich bin bei der Arbeit! Ich bin nur bisher Teil keiner „Schule“, keiner „Bewegung“, ich mußte mit ansehen, wie mein Erstling „Neun Szenen“, der damals schon eine Antithese zur Berliner Schule war, so ziemlich unterging, eben weil die Fachleute ihn nirgends einordnen konnten (hingegen das Publikum war stets begeistert). Ich sehe links und rechts von mir lauter Einzelkämpfer, die ihren eigenen, sehenswerten Kram machen und sich damit genauso durchwursteln wie ich, während ein stromlinienförmiges Kino ohne eigene Idee als Kunst gefeiert wird. Und dagegen muß vorgegangen werden. Indem wir das Problem beim Namen nennen, und indem wir Filme machen. Beides passiert. Schon längst.

    • Marlene Striehse says:

      „Aber zum Glück stand ich schon vor genügend vollen Sälen, die großen Spaß an meinen Filmen hatten.“ -> 1:1-Kommentar von Herrn Til Schweiger auf die ewige Kritik an seinem Popcornkino.
      Was soll dieser Pimmelkram hier eigentlich?
      Jammern, motzen, mit dem Fuß aufstampfen hat noch nichts geändert.
      Und eine übergroße Ich-Bezogenheit schon gar nicht.
      Arbeiten Sie doch mal mit Menschen, die Sie nicht in irgendwelchen Agenturen finden, Herr Brüggemann! Verzichten SIE doch mal auf Mainstream!
      Das wäre wagemutig und folgenswert.
      Der von Ihnen auf die Spitze getriebene Dünkel, wie momentan bei vielen der „neuen“ Berliner Filmemachern wahrzunehmen, geht auch echt ganz schön auf die Nerven. Klüngelt nicht rum, findet euch nicht allzu toll, arbeitet halt, damit es besser wird. Und es wird ja besser, langsam, in den schwach beleuchteten Ecken.

  33. Kunstbanause says:

    Polemik ist ja ganz schön – erfrischend und Erkenntnis stiftend.
    Aber kommen wir mal zu den nackten Tatsachen:

    Besucherzahlen zu Filmen von Angela Schanelec:

    Plätze in Städten 394 Besucher
    Mein langsames Leben Verleih schweigt
    Marseille Verleih schweigt
    Nachmittag Verleih schweigt
    Orly 7.427 Besucher

    Besucherzahlen Filme von Thomas Arslan:
    Geschwister 550 Besucher
    Dealer Verleih schweigt
    Der schöne Tag Verleih schweigt
    Aus der Ferne Verleih schweigt
    Ferien Verleih schweigt
    Im Schatten 5.865 Besucher

    Wer glaubt, dass dem Kino wirklich etwas verloren ginge, wenn solche Filme aus den Programmen verschwinden würden (was sie – genau genommen – gar nicht tun, weil sie ja ohnehin gar nicht richtig wahrgenommen werden)? – Vermisst würden die Filme nur von den Machern, die – jenseits aller Legitimation durch die Zuschauer – ihren Lebensunterhalt damit bestreiten.

  34. Denis Krick says:

    Seitdem ich bei Flattr bin, hat anscheinend keiner mehr diesen Button. In diesem Fall wirklich schade.

  35. Uwe Wilhelm says:

    „… während ein stromlinienförmiges Kino ohne eigene Idee als Kunst gefeiert wird. Und dagegen muß vorgegangen werden.“ Ach ja. Gibt es da jetzt eine Bewegung für die rrrichtige Kunst? Oder eine Partei? Oder einen Befehl? Ich verstehe Ihren Wutaubruch. Aber die beste Antwort auf das, was wir kritisieren ist immer noch das eigene Werk.

    • dietrich says:

      Herr Wilhelm, verzeihen Sie mir, aber das ist jetzt unsachliches Gepöbel, auf diese Art können wir uns nicht auseinandersetzen. Daher antworte ich nicht weiter, sondern erteile jetzt dem Werk das Wort, wie von Ihnen gewünscht.

  36. El Zebulone says:

    Das kommt eben dabei raus, wenn Hinz und Kunz „irgendwas mit Medien“ machen wollen …

  37. ._. says:

    Lieber Herr Brüggemann,

    Was soll man dazu sagen? Ein äußerst mittelmäßiger Regisseur, der aus mir unerklärlichen Gründen einen Film nach dem anderen in der von ihm verhassten, gleichgeschalteten deutschen Filmlandschaft finanziert bekommt, echauffiert sich zur besten Sendezeit des Jahres (Berlinale – da will ja jeder irgendwie auch dabei sein, oder?) über eine Monokultur, die es laut seinem eigenen, widersprüchlichen Text eigentlich gar nicht mehr gibt („Ist das dann überhaupt noch Berliner Schule? Mir doch egal.“)

    Es stellt sich für mich die Frage nach der Motivation eines solchen Textes. Sie als Regisseur hatten bis jetzt 3x die Chance, etwas interessantes zu dieser deutschen Filmlandschaft hinzuzufügen. Vielleicht horchen Sie einmal tief in sich hinein und antworten sich ehrlich, ob Sie es mit einem dieser drei Filme geschafft haben zu den Leuten („..die hierzulande in der Lage sind, aufregendes, böses, prächtiges, unverschämtes Kino herzustellen.“) zu gehören, oder ob es nicht eher so ist, das Sie gerne dazugehören würden und sich deswegen im Dunstkreis solcher Leute (wie z.B. der von Ihnen verehrte Andreas Dresen) zusammenrotten?

    Sie haben Recht, Leute, die den spannenden Kram machen, schließen sich nicht zu „Schulen“ zusammen. Dazu werden Sie von Leuten, die sich dagegen „zusammenrotten“ gemacht.

    Das Leute, die Ihren eigenen Kopf haben, in Deutschland frustriert ins Fernsehen gehen würden, ist mir neu.

    Oder haben Sie einfach mal den „Zuspruch“, wie Sie es nennen, in Form einiger „Word!“ und „jajagehtmirgenauso“ Meldungen gebraucht, weil sich einfach niemand mit Ihnen betrinken wollte nach der Vorstellung von „Gold“? Das fände ich ok. So geht es mir selbst auch oft. Da kann ich Ihnen versichern, das wird auch wieder besser. Spätestens, wenn sich dann endlich alle zusammenrotten, am Stammtisch!

    • dietrich says:

      Auch hier wieder bedauerliches Gepöbel, aber so sind sie halt, die anonymen Kommentatoren. In aller Höflichkeit kann ich Ihnen mitteilen, daß die Wertschätzung zwischen Herrn Dresen und mir durchaus gegenseitig ist. Der Kreis der von mir erwähnten Kollegen besteht jedoch aus anderen, jüngeren Leuten, deren Filme ich sehr schätze und die meine Filme ebenfalls sehr schätzen. Selbstverständlich ist es Ihr gutes Recht, all das doof zu finden. Die deutsche Filmlandschaft ist mir weder verhaßt noch gleichgeschaltet, ich kritisiere nur eine ganz bestimmte Art von Kino und eine ganz bestimmte Geisteshaltung in den Festivalkomitees. Da ich, wie Sie korrekt feststellen, meine Filme innerhalb des „Systems“ mache, läge es mir auch fern, mich darüber zu beklagen. Menschen, die mit mir ins Kino gehen und sich gegebenenfalls hinterher betrinken, gibt es zahlreiche, was mich in die glückliche Lage versetzt, mich nicht allzu lange im Internet mit den gebildeten, reflektierten, freundlichen Menschen herumstreiten zu müssen, die die Kommentarspalten der Blogs bevölkern. Ich kann einfach aufstehen und rausgehen, was ich sogleich auch tun werde. Und wenn ich tief in mich hineinhorche, dann dann spüre ich, daß das Universum uns alle gleichermaßen liebt, mich und Sie und sämtliche Protagonisten der Berliner Schule. Friede. Amen.

  38. Christine Loriol says:

    Danke, danke, danke! So einen Text hatte ich jetzt nach diesem Film noch zu gut. Well done!

  39. Oliver Kahl says:

    „Was sind das für Regisseure, die […] nicht in der Lage sind, eine einziges echtes Gefühl auszulösen?“

    Danke Dietrich, endlich sagt es mal einer! Ich möchte in diese Diskussion mal eine steile These einwerfen, die ich jetzt schon ein paar Mal mit befreundeten Filmemachern diskutiert habe: 

    „Die Deutschen haben Angst, emotional berührendes Kino zu machen, weil es ihnen ihre Vergangenheit verbietet.“

    Das bedarf einiger Erläuterung. Ich bin zum ersten Mal über diesen Gedanken gestolpert, als  ich mit Kommilitonen über ihre Drehbücher sprach und ihnen Ratschläge gab, die sich auf eine bessere emotionale Wirkung bezogen. (In der Art wie: Im zweiten Akt solltest du stärker herausarbeiten, was die Liebe zwischen den beiden so einzigartig macht und warum der eine den anderen im Zusammensein vervollständigt. Dann spürt man stärker, dass die beiden zusammen gehören, und es zerreißt dem Zuschauer im 3. Akt das Herz, wenn sie sich streiten…) Sehr oft stieß ich bei solchen Ratschlägen auf Widerstand: „Das ist aber nicht ehrlich.“ Oder: „Das ist doch kitschig.“ Je mehr ich solche Gespräche führte und je mehr ich mich auch vom amerikanischen Kino emotional mitreißen ließ, umso stärker wuchs in mir der Gedanke, dass deutsche Filmemacher nicht nur Angst vor starken Gefühlen haben, sondern auch davor, deren Wirkung rein handwerklich zu maximieren. 

    Aber ist es nicht Teil unserer Aufgabe als Filmemacher genau dies zu tun? Die emotionale Wirkung so sehr zu verstärken, dass eine maximal emphatische Anbindung des Zuschauers an die Figur entsteht? (Das trifft auch auf die Anti-Helden zu!) Ich teile die Meinung von Dietrich: zu oft sitze ich vor deutschen Filmen und das Thema ist manchmal spannend oder die Dialoge sind witzig, aber die Figuren bleiben mir gleichgültig… Und das häufig nur, weil einige Grundregeln des emphatischen Erzählens nicht beachtet werden. Da will der Erzähler lieber „wahrhaftig“ und „ehrlich“ sein, als diese Gefühle manipulativ zu erzeugen. Das Problem ist häufig (auch diese Erkenntnis ist auch etlichen Diskussionen heraus entstanden): Nur weil der Erzähler ein bestimmtes Gefühl zu einer Figur hat, heißt es noch lange nicht, dass dieses sich auch auf den Zuschauer überträgt. Da muss man kräftig nachhelfen und daran arbeiten – mit allen erdenklichen Mitteln… Aber oft weigern sich deutsche Filmemacher, die erzählerischen Mittel auszuschöpfen, um eine maximale Wirkung zu erreichen. Wo kommt das her?

    Sucht man nach einem kulturellen Zusammenhang, ob das vielleicht im Wesen der deutschen Volksseele irgendwo verankert sein könnte, wird jeder 5.-Klässler schnell fündig. Als es das letzte Mal große Gefühle in Deutschland gab, die noch dazu auch manipuliert wurden, ist es gründlich in die Hose gegangen. Das ist eine Narbe, die tief sitzt und vielleicht noch heute ihre Auswirkungen bis in die Filmkultur zeigt…?

    Steile These. Bitte widersprecht mir! Aber vorerst ein paar weitere Betrachtungen dazu. Die Angst davor, zu emotional zu sein ist mir nicht nur in der Drehbuch-Arbeit begegnet. In der Filmhochschule haben wir uns unter den Regie-Kollegen wochenlang beim Inszenieren über die Schulter geschaut. Auch hier ist es mir immer wieder begegnet, dass eher mit kühler Flamme gekocht wurde. Wie häufig habe ich erlebt, dass Schauspieler bereit waren, über die Grenzen zu gehen und der Regisseur sie ausgebremst und gesagt hat: „Das ist viel zu viel. Mach einfach weniger.“ Und ich rede hier nicht von exaltiertem Spiel – das ist mir auch zuwider.

    Um zu erklären, was ich genau meine, möchte ich mal wieder die Amerikaner herbei zitieren (das trifft natürlich auch auf viele Spanier, Franzosen etc. zu – aber die Amerikaner sind einfach am extremsten. Das muss man nicht mögen, aber man kann zumindest einiges von ihnen lernen.) Bei den meisten amerikanischen Schauspielern, gibt es eine große Offenheit und Angstfreiheit, sich wirklich „unverhüllt“ zu zeigen. Wie oft habe ich es im amerikanischen Kino (und natürlich auch den Serien) erlebt, dass die Kamera auf dem Gesicht einer Figur ist und ich ihr direkt in die Seele blicken darf. Das ist doch das Schöne an Kino! Ich darf anderen Menschen nahe sein und teile die intimsten EinBLICKE in ein fremdes Leben. In der deutschen Inszenierung werden diese Einblicke viel zu selten gewährt…

    Nur damit auch hier keine Missverständnisse aufkommen: Es geht nicht darum, dass die Figuren immer ihr Herz auf der Zunge tragen und ihre Emotionen zur Schau stellen sollen. Es ist immer spannender, einer Figur zuzusehen, die die darunter brodelnde Emotion vor dem anderen zu verstecken sucht. Das Problem bei der deutschen Inszenierung aber ist, dass da sehr häufig nur versteckt wird – obwohl darunter gar nichts brodelt. Dann sehe ich das, was Dietrich so passend als abgeschalteten Roboter bezeichnet. Das liegt meines Erachtens mehr an den Regisseuren als an den Schauspielern, die durchaus die Fähigkeit besitzen, sich fallen zu lassen und zu öffnen. (Die trainieren das auch in ihrer Ausbildung)

    Das Ganze geht weiter bis zur Kamera und zum Schnitt. Auch hier habe ich einige Beispiele erlebt, wo genau diese Einblicke verwehrt wurden. Da wurde die Kamera in den Rücken der Figuren gestellt oder sich im Schnitt für den unberührten Take entschieden… Und das alles, weil es eine große Angst davor gibt, zu emotional zu erzählen…

    Geht das denn? Zu emotional? Hmm… ich glaube nein. Es gibt das Sich-Suhlen im Melodram, das ist unangemessen. Es gibt die billig erzeugten Emotionen, die nur um ihrer selbst Willen hervorgezaubert werden, aber nichts mit dem Thema und der Geschichte zu tun haben. Es gibt den Kitsch – da werden ausgelutschte Symbole verwendet, die nicht aus den Figuren entspringen. Aber wenn man wahrhaftig bleibt und an den handwerklichen Schrauben dreht, um das Maximum herauszuholen, dann kann es nicht zu emotional werden.

    So – aber damit ich nicht auch in die Jammerecke gestellt werde – wie macht man das denn? Ja klar, das ist jetzt die schwerste Frage von allen… Also gut, ich kann nur sagen was ich denke. Und es sind auch keine Patentrezepte, sondern vermutlich nur alte Weisheiten, die jeder kennt – also beschwert Euch nicht!

    Startet bei einem ehrlichen Gefühl, das ihr kennt, findet einen spannenden Konflikt und eine faszinierende Figur dafür. Aber „denkt“ Euch die Figur nicht aus wie ein Lego-Baukasten, sondern spürt immer, ob die Teile wirklich zusammen gehören. Findet die Geschichte. Stück für Stück. Dann kommt der schwierigste Teil. Erzählt die Geschichte vor anderen vor anderen. Wenn sie wirklich gar keiner hören, macht keinen Film draus, sondern ein Buch. Das ist billiger und kostet nicht so viel Kraft. Wenn die Leute aber zuhören, dann schaut, wo sie mitgehen, wo sie gespannt sind, wo sie lachen, wo sie weinen. Wenn die Zuhörer unruhig werden, stimmt etwas mit dem Aufbau oder Rhythmus nicht. Wenn sie ratlos sind, stimmen die emotionalen Umschwünge nicht. Wenn sie sich nicht verlieben, trauern, lachen, ängstigen, stimmt die emotionale Anbindung an die Figuren nicht. Wenn ihr nicht wisst, wie ihr es besser machen sollt, lest ein Buch, schaut einen Film, lernt von den Meistern. Traut Euch über die Grenzen des Schmerzes hinaus zu gehen (auch und vor allem in Komödien). Denn dort liegt die Wahrheit verborgen. Nehmt Euch gute Schauspieler und schaut sie genau an. Lasst nicht eine Sekunde durchgehen, in der sie nicht wahrhaftig sind. Nehmt sie an der Hand und tragt sie über ihre Grenzen hinaus. Findet mit der Kamera nicht nur schöne Bilder, sondern die Erzählperspektive. Bleibt berührbar. Hört Musik, wenn ihr schneidet. Findet Euren eigenen Rhythmus und Eure eigene Stimme.

    Wir erzählen Geschichten, weil die Menschen sie brauchen. Weil sie wissen wollen, wie andere Menschen das Leben überlebt haben (oder auch nicht). Weil sie auf der Suche nach Sinn sind (und natürlich auch dem Unsinn). Weil sie anderen Menschen nahe sein wollen, wozu im echten Leben ihnen oft selbst der Mut fehlt. Weil sie endlich mal wieder lachen wollen, weil das so gut tut. Also lernt Euer Handwerk und denkt niemals, dass ihr schon alles könnt. Bleibt verletzlich. Erzählt Eure Geschichte ohne Angst, voller Leidenschaft und vor allem berührbar. Gute Geschichten gibt es genug – auch in Deutschland. Wir müssen nur den Mut finden, sie auch gut zu erzählen.

  40. Martin Plass says:

    Hallo Herr Kahl.
    Freut mich als Schauspieler, so etwas zu lesen. Es ist schon seltsam, dass es tatsächlich so etwas wie Angst vor den Fähigkeiten des Schauspielers zu geben scheint. Wie soll deine Figur funktionieren, wenn du ihr keine Tiefe geben kannst, über die auch ein als“schwierig“ angedachter Charakter einen Blick in seine Seele gestatten kann. Wenn alles sicherheitshalber am besten in der Totalen erzählt wird. Das Ergebnis: Der Typ interessiert mich nicht, der lässt mich kalt. Schade.

  41. Dina says:

    «Der Rassismus ist die verallgemeinerte und verabsolutierte Wertung tatsächlicher oder fiktiver Unterschiede zum Nutzen des Anklägers und zum Schaden seines Opfers, mit der seine Privilegien oder seine Aggressionen gerechtfertigt werden sollen.» (Albert Memmi, 1992: Rassismus. Frankfurt a.M., S. 164)

    • Nhat Quang Tran says:

      Aha. Ich dachte immer Rassismus wäre eine krude, fehlgeleitete Ideologie, die seit rund 70 Jahren, wie soll ich sagen, etwas „Out“ ist. Unter Filmaspekten hatte ich das noch gar nicht beleuchtet. Interessant. Aber irgendwie abwegig.

  42. Dina says:

    Rassistische Handlungen entstehen häufig nicht aus Böswilligkeit, sondern aus bewusster oder unbewusster Ignoranz gegenüber der Bedeutung und der Konsequenzen dieser Handlungen. Rassistische Handlungen, auch solche, die von den Handelnden nicht als solche eingestuft werden, sind immer herabwürdigend, diskriminierend und in ihren Auswirkungen gravierend.

  43. Nhat Quang Tran says:

    Aha. Auch interessant. Ich dachte immer rassistische Handlungen wären so was wie „stinkender Vietnamese!“. Ich lerne: Rassismus ist die Nicht-Präsenz von „Wir haben uns alle lieb, ich verstehe, was Du tief im Inneren fühlst, wir tun uns alle nicht weh und dreimal Puderzucker obendrauf.“ Also so was wie: „Hier, meine Meinung. Punkt.“ Dann krieg ich es! Unter der Definition laufend: Jaaaaaaa! Gerne noch eine Prise „rassistischer“ bitte. Danke.

    (schreibt der jetzt auf Rassismus stehende, stinkende Vietnamese!)

  44. Hans Flug says:

    Vorhin habe ich bei dem Film von Thomas Arslan „Im Schatten“ der auf 3sat lief nach 40 Minuten kopfschüttelnd abgeschaltet.
    Es war ein Destillat der Langeweile.
    Der Räuber war hervorragend. Ein Film den man jedem empfehlen kann, der existenzialistische Protagonisten mag wie sie in Drive, The American oder Le Samourai vorkommen.
    Eine einsame Ausnahme.
    Die einzigen Filme, die mir spontan als gute Beispiele neueren deutschen Kinos einfallen sind zum einen Snowman’s Land, der in Deutschland anscheinend von allen Menschen vollkommen ignoriert wurde. Möglicherweise kein überragender Film, aber ein Film, der sich etwas getraut hat.
    Zum anderen wären da noch Lammbock, der allerdings dann doch zu krampfhaft versucht hat „tarantino-esque“ zu sein.
    Das Leben Der Anderen war auch nur ein Glückstreffer. Was der Regisseur danach verbrochen hat, das wissen wir alle.
    Die Kommenden Tage war zwar ambitioniert, aber schlecht geschrieben und noch schlechter ausgeführt.

    Als ambitionierter (junger) Filmemacher werde ich mich auf jeden Fall für meine außergewöhnlichen Ideen nicht hier in Deutschland bemühen. Viel mehr werde ich wohl eine gut bekannte Indie-Produktionsfirma in England aufsuchen und wie Gareth Edwards sie davon überzeugen, mir wenigstens ein paar hundert tausend Euro oder weniger in die Hand zu drücken, für die ich dann etwas machen werde.
    Das klingt verrückt und unglaubwürdig, aber das ist der einzige Weg, den ich für mich sehe. Und wenn das nicht klappt?
    Dann werde ich eben ein paar tausend Euro zusammenarbeiten – auch wenn es Jahre dauern sollte – und mit noch mehr Limitierungen arbeiten. Denn die sind ja eigentlich kreativitätsfördernd.
    Christopher Nolan drehte The Following für 7.000$ Material-Kosten.
    Shane Carruth drehte Primer für 7.000$ Material-Kosten.
    Sein zweiter Film Upstream Color wurde für angeblich weniger als 50.000$ gedreht, wovon das meiste für die Gagen draufging. Der Film selber wurde mit der Panasonic GH2 für 650$ gedreht.
    Kevin Smith drehte Clerks für 20.000$ Material-Kosten. (Heute wäre er bestimmt wesentlich billiger.)
    Und der Film wird sicher auch nicht in deutscher Sprache gedreht werden. Sondern auf Englisch. Möglichst in England oder Irland. Denn deutsche Filme interessieren niemanden.

    Es ekelt mich an, wenn ich sehe, wie Till Schweiger für seine Rotz-Filme den Rest-Etat des Jahres von Filmförderungen in Deutschland bekommt, damit diese ja nicht weniger Geld im nächsten Jahr bekommen.
    1,2 Millionen Euro mal eben so in die Hand gedrückt?
    Dafür mache ich euch 3 Filme! Oder 10!

    Ich musste mir Luft machen. Danke.

  45. Gerste says:

    Mehr System, mehr Markt, mehr Action als Berliner Schule Antidot
    Schluß mit Langeweile, emotional berührende Filme sollen her..
    Das ist doch der Forderungskatalog von ZDF-Redakteueren beim Traumschiff….
    Schreibt hier die Film-FDP
    Jeder macht mal das will er will, ob in der „Schule“ ode sonstwie.
    Was ist das für eine Grabenkämpfer- und Neiddisskusion? Wenn jemand Tarantino sein will, dann „fuck it“ soll er loslegen und nicht Jammern. Ich möchte mal an die Situation des Independent Kinos in den USA erinnern, wie schwer es ist da Projekte auf den Weg zu bringen. Ein Mangel an Möglichkeiten gibt es bei uns wirklich nicht und auch kein Mangel an „Keinohrhasen“, „Huck und Finn“, „Fünf Freunde“ und der ganze Genre- Nummer-Sicher-Quatsch. Petzold verhindert nicht Til Schweiger…Es gibt aber einen Mangel an deutschen Geschichten, an Relevanz, an Verhältnis zu sich selbst. Ich sehe kein Deutschland im deutschen Kino. Da kann man von Amerika lernen.. Ich würde mal gerne sehen, wie Uwe Barschel umgekommen ist, was wirklich los ist in Politik, Gesellschaft, bei den Menschen und nicht immer das Hirn runterfahren in halbgaren Komödien. Hier wird auf Spatzen mit Kanonen geschossen. Schanelec, Hochhäussler, Arslan, Heisenberg tuen niemanden weh.

    • dietrich says:

      Doch, mir. – Wie Uwe Barschel umgekommen ist, würde ich auch gern mal sehen. Leider war niemand dabei. Es gab aber kürzlich schon einen Kieler Tatort dazu und. – Jeder macht mal das will er will? Korrekt, so sehe ich das auch.

  46. mitfreundlichengruessen says:

    deutschland hat einfach keine eigene filmindustrie sondern lediglich eine branche/familie. deswegen tut man sich hier ja so schwer „neue“ gesichter oder „neues“ an stoffen/ideen verwirklicht zu bekommen. allerdings: die oscars sind jetzt wohl auch wirklich nicht „das sehenswerte event“ oder?

    guckt mal hier ein artikel über die bedeutung der berlinale fürs ausland:
    http://www.variety.com/article/VR1118066092/

  47. mitfreundlichengruessen says:

    catching the big fish by david lynch http://youtu.be/3QsTnxUTx7U

  48. max says:

    finde ich gut!

    was halten sie eigentlich von tarantinos letztem film „django unchained“ ?

    ich finde es mal wieder völlig unnötig übertriebene gewaltdarstellung

  49. patrick wilfert says:

    „Wir hatten in Deutschland schon mal eine Zeit, in der Autorenfilmer ihr Publikum erst gequält und dann verjagt haben – “ – was meinst du damit ? Die letzten vorzeigbaren und international beachteten Filme, die von deutschen Machern produziert wurden, während das geistig „verkohlte“ BRD-Publikum vorm neuen VHS-Videorecorder und „Tutti-Frutti“ saß ? Ein einziger „Paris-Texas“ heute wäre eine Sensation und das adäquate Gegengift zu der Misere, über die du dich aufregst. Bitte reproduziere nicht unhinterfragt diesen Scheiß vom deutschen Autorenfilm, der angeblich das Publikum vergrault hätte. Es hat eine geistige Lähmung und ein Sensibilitätsverlust seitens des deutschen Publikums eingesetzt, das kann man der Generation Wenders, Herzog, Schlöndorff usw. nicht vorwerfen. Ihre Anerkennung im Ausland, über goldene Palmen, Löwen, Oskars usw. – und in vielen Fällen zum Glück auch in kommerzieller Hinsicht ! – bei gleichzeitiger Zurückhaltung oder gar Ignoranz in der BRD spricht Bände.

    Und was deinen eigenen künstlerischen Output betrifft, darf ich mir eine klitzekleine Anmerkung erlauben: Was macht „wohlmeinendes Wellnesskino für die Brigitte-Leserinnen“ so viel verachtenswerter als das für den ach so alternativen Zitty-Filmtippleser ? Der Unterschied ist viel kleiner als du glaubst, wenn da überhaupt einer ist. (Ich mag deinen Film !)

    Ok – Kino ist weitgehend der kommerzielle Mainstream und wenn sich schön brav auf die Seite des Vor-Formatierten und Etablierten begibt, geht vieles etwas leichter. Sobald die Kasse klingelt, hat man sowieso alles richtig gemacht. Der Schweiger und der Bulli. Doch wenn man es tatsächlich wirtschaftlich betrachtet: Wie jede Industrie ihre Forschungsabteilung hat, die sie am Leben hält, braucht auch das Kino eine, oder besser: mehrere, viele ! Da kann man ab und zu einen Schatz entdecken. Leider kommt der seit 30Jahren eher selten aus Deutschland – wie auch ? Wir investieren nur ins vermeintlich Gängige und wundern uns anschließend über die Belanglosigkeit dieser Produktionen. So wußte ich gar nicht, daß es so etwas wie „Berliner Schule“ überhaupt gibt, insofern danke für diesen Beitrag !

    • dietrich says:

      Ich kann nur für mich selber sprechen – „Paris Texas“ ist wirklich toll, schon den Himmel über Berlin fand ich quälend, und Fassbinder muß man wohl respektieren, aber angesichts seiner steif deklamierenden Schreckschraubendarsteller ist es mir unmöglich, ihn zu lieben. – Das sogenannte Wellness-Arthouse ist einfach ein Genre, in dem fast nie gute Filme entstehen, weil da immer so ein lähmendes „Das-Leben-ist-schön“-Paradigma wie eine Käseglocke über dem ganzen Film liegt. Ich glaube nicht, daß Zitty-Leser sich als besonders alternativ begreifen, auch nicht als „ach so alternativ“, und ich sträube mich irgendwie dagegen, meinen eigenen Output hier einordnen zu müssen. Der findet schon seine Liebhaber. – Das mit der Foschungsabteilung ist ein gutes Bild, danke dafür.

  50. Kai Es says:

    du hast mir aus der seele gesprochen! großartig auf den punkt!
    – manifest? ich bin dabei!
    hätte auch noch einen unpopulären vorschlag zum thema nachwuchs anzubringen…

  51. Hans Topf says:

    Richtig! Danke. Danke! Alles nur richtig!
    Aber……………es ist noch viel, viel schlimmer!
    Weil wir diesen Müll – ohne ins Kino zu gehen- mindestens zwei Mal bezahlen:
    1. Über diverse Filmförderungen, also mit Steuergeldern und 2. duch die monatlichen Fernsehgebühren.
    Denn es sieht doch so aus: Mehr oder minder klammheimlich wurde aus der Filmförderung die Film & Fernsehförderung. Und da sitzen nun die Damen / Herren der Fernsehanstalten und verhindern Kino, indem sie -als Beispiel -eine sog. „Fernsehkompatibilität“ einfordern, oder ihre Schwachsinnsproduktionen tatsächlich gleich direkt von diesen Gremien „fördern“ lassen. ( Siehe „Baron Münchhausen“ oder „Die Holzbaronin“)
    Laut Eigenwerbung ist die ARD mit 4 3 Produktionen bei den Internationalen F I L Mfestspielen vertreten; mit 3 Produktionen im Wettbewerb!
    Muss ich mehr sagen?
    Differenziert in diesem Land noch irgendjemand ?

  52. Ulrike Zeidler says:

    Sehr geehrter Herr Brüggemann,
    herrlich geschrieben. Wo darf ich unterschreiben?
    Das schlimme ist: Berliner Schule ist inzwischen überall. Das halbe Berlinale -Programm ist gespickt mit Filmen dieser Art, egal ob diese aus der Türkei, Kuba oder Uruguay kommen. Hat das was damit zu tun, dass genau diese Filme von arte oder dem zdf koproduziert waren? Oder ist das nur ein Zufall?
    Die Berlinale ist jetzt 1 Woche alt. Ich war jeden Tag dort. Und nur 1 Film hat mich wirklich fasziniert. Wer sucht das aus?
    Darf ich als Laie und ausschließlicher Film-Konsument (also jmd., der nicht weiß, wie schwer es ist, Film zu schaffen) nicht auch mal lachen, weinen oder staunen? Ich will nicht Schweiger-Schweighöfer-Schrott. Ich will nicht Brigitte-Drama. Ich will, dass Kino mir was gibt und ich will, dass es mich dafür fordert.
    Liebe Filmschaffende, die ihr das lest, bitte tut etwas.

  53. Pat Rick says:

    Zufälligerweise gerade eben vorher diesen Artikel gelesen:

    http://www.maerkischeallgemeine.de/cms/beitrag/12469626/60709/Berlinale-Empfang-der-deutschen-Filmhochschulen-Babelsberger-Studenten-entwickeln.html

    –> Ein Beispiel für die geforderte neue 1-Mann-Bewegung? (Auch wenn es hier drei sind, aber nur ein Regisseur)

  54. Thomas says:

    Ein durchaus interessanter Beitrag – der ganz offensichtlich auch zu einiger Polemik führt, aber auch zu brauchbaren Auseinandersetzungen, wo sich Leute nicht allzu sehr mit einer Meinung identifizieren und andere Meinungen stehen lassen.
    Mein Unmut über die Berliner Schule ist nicht ganz so wutgetränkt wie deiner, Dietrich, und wenn es zwischen der seichten Komödie und dem – ich nenne es das Marzahn-Schleich-Kino, in dem die Bürgerschicht uns etwas über die Unterschicht erzählt, noch ein wirkliches Erzählkino gäbe – dann würde mich das alles nicht stören. Aber es ist da in der Tat ein unangenehmes Verhältnis – im Ausland gibt es überhaupt nichts, was als Identität des deutschen Kinos betrachtet würde.
    Bestätigen kann ich nur den Beitrag über die Angst vor Gefühlen im deutschen Kino – je kälter, je weniger die Emotion, umso wohler fühlt sich der deutsche Kritiker – Gefühle sind Kitsch etc.
    Ja, mehr Mut zu Gefühlen kann man uns deutschen Filmemachern nur wünschen – der Wunsch wirklich eigenen Geschichten zu erzählen – bigger then life – nicht nur das, was du siehst, wenn du aus dem Fenster siehst. Warum sollen Menschen dafür zahlen – ist im Leben doch umsonst.
    Herr Wilhelm – Ihnen rate ich ein wenig Yoga an – daraus mag etwas weniger Polemik resultieren. Herr Brüggemann spricht mit mehr Mut als Sie vermuten. Eben weil er Nutznießer der Fördertöpfe ist – man kann ihm also nicht Neid vorwerfen, sondern Mut, ab morgen von der Branche bestraft zu werden – sich nicht mehr an der Förder – und anschließenden Preismelasse nähren zu dürfen. Ich sage dazu mutig – und es ist eine Meinung und wir leben ja in einer Demokratie – auf jeden Fall bis gestern.
    Ich persönlich versuche emotionale Filme zu machen – hat wohl mit meiner Ausbildung in Amerika – und meinem Wunsch im Kino oder auch vorm TV berührt zu werden. Ich schäme mich nicht, wenn mir im Kino die Tränen runterlaufen – im Gegenteil, dann weiß ich, daß der Film mein Geld wert war.
    Liebe Berliner Schule – Gefühle sind was wunderbares – Lachen macht Spaß, weinen kann befreien – viele Möglichkeiten bietet das Kino – außer der spröden Analyse.
    Danke für deinen Mut Dietrich Brüggemann – und selbst wenn deine Filme dem nicht gerecht würden, (was ich nicht sagen kann, da ich sie nicht gesehen habe, da ich seit Jahren einen großen Bogen um deutsche Filme mache, weil sie tot und ohne Lebensfreude sind – ) so darf jeder dennoch seine Meinung und seine Wünsche äußern. Mir erschien dieser Beitrag durchaus sympathisch und diskussionswürdig

    • Hans Flug says:

      Kann ich fragen wo sie in Amerika ihre Ausbildung gemacht haben? Und was?
      (Ganz deutsch muss ich natürlich distanziert siezen.)

  55. Hallo Dietrich, okay, Sippenhaft. Ich finde ja, man muss immer über einzelne Filme sprechen. Und nein, so sehr gleichen sie sich dann doch nicht. GOLD gefällt dir also nicht. (Ich habe ihn noch nicht gesehen) Wo ist das Problem? Dass der Film im Wettbewerb läuft? Es ist ja nun nicht so, dass er allgemeine Jubelstürme auslösen würde. Also das ‚Feuilleton zu Füssen‘ sieht dann doch anders aus, von der Industrie ganz zu schweigen (und auch in Sachen Berlinale ist die Sache weniger sicher: es ist Thomas Arslans erster Film im Wettbewerb). Überhaupt, deine Attacke sehnt sich nach einem größeren Feind. „Mach Platz für was neues”. Wer soll Platz machen? Und wem? Schon wieder alles anders? Ich verstehe die Sehnsucht nach Aufbruch, ich sage ja schon lange: die ‚Berliner Schule‘ ist vorbei – weil der Begriff längst nicht mehr taugt. Die jüngeren Arbeiten bewegen sich weit auseinander, finde ich. Es gibt kein Entweder-Oder. Mach doch bitte die Filme, die dir gefallen. Ich versuche das auch. Es gelingt nicht immer, aber es bleibt immer die Hoffnung auf den nächsten Film… Christoph

    P.S.: Mit Roy Andersson kannst du mich jagen.

    • dietrich says:

      Ja und nein. Der Gegner ist in der Tat größer als die Berliner Schule. Aber wenn ich seit Jahren eine zunehmende Monokultur wahrnehme, dann will ich eben nicht mehr über einzelne Filme reden, sondern über das Gesamtbild, das sich mir bietet. Über ein Kunstkino, das sich weltweit immer mehr ähnelt, immer mehr in Konventionen erstarrt, immer mehr zum Genre wird. Der einzelne Film, der das dann auslöst, ist in der Tat zweitrangig (in diesem Online-Kritikerspiegel steht GOLD ganz gut da, aber wie gesagt, es ist zweitrangig). Es liegt mir auch nicht daran, als Filmemacher meine Kollegen beschimpfen, sondern ein System anzugreifen, in dem eine bestimmte Stilistik sich verfestigt hat. Zum System gehören auch all die Institutionen, die in der Summe darüber entscheiden, welche Filme entstehen und welche gezeigt und gewürdigt werden. Natürlich dreht ein Festival wie die Berlinale mit seiner Selektion an genau dem Rad, an dessen anderem Ende die Filme gemacht werden. Wenn ein extrem eigenwilliger Film halt nirgends läuft, dann wird der Macher sich beim nächsten Werk ans herrschende Paradigma anpassen, und so entstehen dann die ganzen Petzold-Klone in den Nachwuchsreihen. Und das meint die Formulierung „Mach Platz für was neues“: Berliner Schule oder Weltkunstkinolangweilerformel oder wie man es nennen mag – geh bitte mal raus aus den Köpfen und mach Raum für was neues. Was das neue dann ist, das zu definieren ist nicht Aufgabe einer solchen kleinen Kampfschrift, das sollte man in der Tat eher in seiner eigenen Arbeit leisten. Neu ist zum Beispiel das radikal subjektive, emotional aufgeladene Kino eines Axel Ranisch (mit dem man dich bestimmt auch jagen kann, weil er ebenso wie Roy direkt ins Herz zielt). Und um es abschließend zum wiederholten Mal zu sagen: Es gibt keine Entscheidung zwischen entweder „Filme machen“ oder „Sich zur Situation äußern“. Natürlich mache ich die Filme, die mir gefallen, aber ich nehme mir zumindest hier und jetzt die Freiheit, einen von mir wahrgenommenen Mißstand anzuprangern. Natürlich ist Kritik von Künstlern an der Kunst ein scharfes Schwert, an dem man sich leicht selbst verletzen kann, deswegen will ich diese Debatte auch gar nicht groß weiter betreiben, denn was ich zu sagen hatte, habe ich gesagt. Andererseits ist aber genau so eine Schimpfkanonade ein Zeichen, daß eine Kunst lebendig ist, weil sie den Leuten wirklich etwas bedeutet. Die Geschichte der Künste ist voll von zahlreichen Beispielen dafür. Wenn alle nett zueinander sind und auf die nächste Förderung hoffen, dann können wir uns auch gleich ins Museum setzen. Aber ich finde, wir müssen uns streiten, und wir müssen streitbar sein. Genau das ist doch eins der Probleme des deutschen Films: Keiner mehr da, der kultiviert schimpfen kann. Die Debüts sind kreuzbrav, das Arthouse ist auf Valium, und im Mainstream wird unkultiviert gepöbelt. Nur eins sollte man bei aller Streitbarkeit nicht tun, aber ich glaube das tue ich auch nicht, nämlich ad personam argumentieren. Ich hatte gestern abend ein sehr angeregtes und auch angenehmes Gespräch mit Benjamin Heisenberg, und ich hoffe, daß auch wir zwei zum Thema im Gespräch bleiben können, da ich dich persönlich natürlich weiterhin schätze und respektiere als Regiekollegen und Kenner der Filmkunst.

      • Ich bin ja sehr für Streit, aber „die Kunstfilmkonvention” ist eben doch arg vage. Es gibt nur gute Filme und schlechte. Berechnung und falsche Bekenntnisse gibt es auf allen Seiten, das Etikett „Kunstfilm” ist genauso verlogen wie Populismus à la Wortmann . Die Frage ist für mich, was gewonnen ist, wenn man diese offene Tür („Fahr zur Hölle, Berliner Schule”) einrennt. Viel Applaus, klar, aber nichts, was uns wirklich weiterbringt. bis bald, c

        • dietrich says:

          Es gibt zweifellos gute Filme und schlechte, das ist quasi die X-Achse im Diagramm, und zugleich gibt es diverse Genres und diverse Zweige, das wäre dann gewissermaßen die Y-Achse. „Kunstfilm“ ist kein verlogenes Etikett, sondern ein ganz brauchbarer Ausdruck für das, was kein Riesenpublikum erreicht und trotzdem künstlerischen Wert hat. Davon mal abgesehen: „Populismus“ bezeichnet eine Haltung oder genauer gesagt die Wirkungsabsicht eines Autors, wohingegen „Kunstfilm“ eine Genre-Zuordnung ist. Wer diese beiden Begriffe nebeneinanderstellt, vergleicht Äpfel mit Bananen. Die Formulierung „Fahr zur Hölle“ ist übrigens natürlich ein bewußte Referenz an bestimmte Epochen der Filmgeschichte. Warum soll Kritik sich nicht mal derselben Mittel bedienen wie ihr Objekt. Daß ich hier eine offene Tür einrenne, war mir im Vorfeld keineswegs so klar – bei einer Stilrichtung, die so zuverlässig Festivals, Presse und Preise auf sich zieht, muß man erstmal davon ausgehen, daß man einer Mehrheit widerspricht, wenn man sie öffentlich schmäht. Warum erscheint es dir klar, daß viel Applaus kommt? Weil es dir klar erscheint, daß eure Filme mehr Feinde als Freunde haben? Warum ist das so klar? Und muß es zwangsläufig so sein? Gibt es für euch eben nur die Wahl zwischen Populismus und einem Kino der künstlerischen Wahrhaftigkeit, das die meisten Leute aber abstößt? Schon mal darüber nachgedacht, ob man diesen Gegensatz nicht irgendwie transzendieren könnte? Ich denke doch: Ja? Denn kürzlich sprachen wir doch genau darüber? Mit Verlaub, ich glaube schon, daß uns all das weiterbringt. Aus Neuerungen werden Konventionen, der Mensch ist im Herzen konservativ, und um etwas zu bewegen, braucht es ab und zu jemanden, der Krach schlägt.

  56. Horst Koslowski says:

    Interessant. Es scheint Gesprächsbedarf zu geben. Allerdings angesichts der ganzen gesellschaftlichen Probleme und Ungerechtigkeiten, die uns umgeben, würde ich hinzufügen wollen: es ist nicht so wichtig. Wie überhaupt die ganze alberne Filmwelt, die sich mal wieder zehn Tage lang selber feiert.

    • dietrich says:

      Ja, selbstverständlich ist die Welt in empörendem Zustand, insofern könnte man eigentlich sämtliche internen Diskussionen von Kulturschaffenden und eigentlich allen Branchen und Gesellschaftszweigen komplett abwürgen, bevor nicht der Regenwald gerettet ist und Friede auf Erden herrscht, aber so ganz zwingend scheint mir dieser Zusammenhang dann doch nicht zu sein.

  57. Uwe Janson says:

    Die Welt ist eng
    Das Gehirn ist weit

    Zu allererst liegt es an uns selbst….
    Bewegen wir es –

  58. Jimmy C. says:

    schlöndorff meinte auf der berlinale gerade, dass es unzulässig sei, wenn regisseure wie scorsese solche filme wie “shutter island“ mache. denn da gehe es in erster linie um unterhaltung. und bruno dumont und emily atef nicken und steigen ein in den chor.
    dann geht man mal um die ecke in die scorsese ausstellung und auf den leinwänden sind ausschnitte die mehr relevanz und herz und intellekt haben als ein ganzer ‚dealer‘ ‚im schatten‘ von ‚wolfsburg‘.
    das zusammengehen von hunger nach sinn und hunger nach gefühl, anspruch und publikumsfilm, habe ich in deutschland in den letzten jahren am
    ehesten noch bei ‚almanya‘, ‚oh boy‘ und dem schmerzlich untergegangenen ‚invasion‘ gesehen.
    übrigens alles berliner. und zwei migrantenregisseure.
    vielleicht kann uns nur das retten. nach kreativer vertreibung die kreative zuwanderung. keine ahnung.
    ich schreib das hier aber auf jeden fall im pseudonym, sonst bin ich als kameramann bald arbeitslos.
    traurig aber wahr.

  59. Hartmut Becker says:

    Die Diskussion hier – angeregt durch das zurecht wütende, kluge und scharfsinnige Statement von Dietrich Brüggemann – macht mir Mut. Und Uwe Janson findet dann genau das richtige Resümee: „Bewegen wir es“. – Zur Situation Einreichen für den Deutschen Filmpreis ist zu sagen: die eingereichten Filme sind auf jeden Fall ein Spiegel des jährlichen Filmschaffens hier, dass dann die jeweiligen Vorauswahlkommissionen sich zum Ziel setzen, ein Abbild der Filmproduktionen im Allgemeinen auszuwählen (wie auch dieses Jahr wieder) verstößt geradezu gegen die Statuten der Akademie, wo Qualität gefordert wird und nicht eine Art Generalüberblick. Und da sind wir dann wieder da, wo Dietrich Brüggemann ansetzt. – Also, lasst uns weiter Kraft aufbringen für eine Kinokreativität abseits des Spekulativen. Gegen die Anpassung an den angeblichen Geschmack des Zuschauers (den viele ‚Förderer‘ und Entscheidungsträger zu kennen vorgeben und sich immer wieder irren). Und: lasst uns weiter so reden wie an dieser Stelle!

  60. chmee says:

    Deine Rede, super. Das Ende? Fürn Arsch. Gründungsmanifest? Dogmensuche in Gruppe? Wozu, um Himmels Willen… [Stadtname] Schule Version 2? Bleibt Euch selbst treu und nicht irgendeiner Kommunenidee.

    • dietrich says:

      Berliner Sonderschule, würde ich mal sagen. Warum? Ganz einfach: Allein machen sie dich ein. Unsere Kommunenidee sind wir selber, und der Idee bleiben wir treu. Und Dogmensuche, ach, gähn, ich werde gerade so wahnsinnig müde, was soll’s, gute Nacht.

  61. dietrich says:

    Die Gespräche verlagerten sich irgendwann auf die Facebookseite von Revolver. Weil bei Facebook alles irgendwann in der Timeline verschwindet, kopiere ich jetzt mal einiges hier rüber. Und dann ist auch Schluß.

    Dietrich Brüggemann: Leider entwickeln sich solche Kommentarschlachten immer schnell zu einem bedauerlichen Beleidigungsmarathon in bedauerlichem Tonfall. Jeder darf meine Filme so beschissen finden, wie er will. Grundlegende Rechtschreibkenntnisse verleihen solcher Kritik sogar noch größere Durchschlagskraft. Aber in der Summe ist das genauso egal wie meine persönliche Meinung zu „Gold“. Mir ging es um die Beobachtung, daß auf den Festivals (also da, wo ich am liebsten fünf großartige Filme am Tag sehen würde) eine Monokultur der Ödnis herrscht. Man könnte es genausogut „Wiener Schule“ oder „Pariser Schule“ oder am besten einfach „Schule“ nennen (so ähnlich wie in diesen Filmen habe ich mich nämlich zuletzt in der Schule gefühlt). Möglicherweise ist es unfair, diese Kritik an die „Berliner Schule“ zu adressieren, aber das ist nun mal der Begriff, der sich eingebürgert hat – und zwar durchaus nicht gegen den Willen der Teilnehmer. Insofern finde ich es bigott, sich so offensichtlich zu einer Gruppe zu formieren, die in so einer geschlossenen Ästhetik auftritt, aber sich dann zu beschweren, wenn jemand der Sache einen Namen gibt. Der Name ist egal, nennen wir es doch „neue deutsche Welle“ oder „Turnverein Dietramszell“. Es ging mir um ein Phänomen, nicht um den Namen.
    15 February at 15:37 via mobile · Like · 2

    Revolver, Zeitschrift für Film: Dietrich Brüggemann, jetzt ruderst du ja schon wieder zurück! Es wird aber immer vager, deine Attacke. GOLD meinst du jetzt also gar nicht mehr, sondern ganz allgemein „Ödnis” — wer soll denn da widersprechen? Noch mal zum Etikett „Berliner Schule”: der Begriff ist eine Erfindung der Kritik, und ja, es haben sich durchaus ein paar Kollegen versucht dagegen zu wehren. Aber erfolglos. Erstaunlich finde ich Pauschalitäten wie „geschlossene Ästhetik”. Zwischen Valeska Grisebach und Thomas Arslan, Angela Schanelec und Benjamin Heisenberg, Maria Speth und Christian Petzold, Maren Ade und mir usw — da gibt es doch himmelweite Unterschiede. Sie zu negieren macht jede kritische Auseinandersetzung mit Film und Form sinnlos. Oder mindestens müsste man die angebliche so fraglose Schnittmenge zu benennen versuchen. c
    15 February at 16:59 · Unlike · 2

    Dietrich Brüggemann: Nein. Da sind eben keine himmelweiten Unterschiede. Guck dir mal nacheinander „Nachmittag“ und „Madagascar 3“ an. Das würde ich als himmelweiten Unterschied bezeichnen. Was ich kritisiere, ist im Kern noch nicht mal diese etablierte internationale Arthouse-Ästhetik – die langweilt, aber tut nicht weh. Was wehtut, ist eine gewisse Haltung gegenüber Menschen (im Sinne von Filmfiguren UND Publikum): Keine Zuneigung, keine Abneigung, kein Sarkasmus, keine Liebe, kein Begehren, kein Abgrund, kein Hass, kein Sex, keine Bauchschmerzen, kein gar nix, nur narzisstische Leere. Von den Namen, die du nennst, würde ich insofern Maren Ade rausnehmen, weil man ihr das tatsächlich nicht vorwerfen kann. Die schreibt ihre Figuren mit einer anderen Haltung (und schreibt gute Dialoge). Wie auch immer: Diese Verweigerung erzeugt Aggression beim Zuschauer. Nicht zwangsläufig, aber sehr häufig. Kann man sich drüber beklagen, ist aber einfach ein Mechanismus, der sich nicht wegleugnen lässt. Man kann es auch an der unerwartet heftigen Reaktion auf meinen Text ablesen. Das sind ja nicht alles Idioten, die doofes Popcornkino wollen. Ohnehin weigere ich mich, das Publikum pauschal als dämlich abzuqualifizieren, auch wenn es in noch so dämliche Filme rennt. Wenn nun also dieses Kino der Kälte und Verweigerung (dem ich die prinzipielle Berechtigung niemals absprechen würde) zum herrschenden Paradigma wird, zur Masche erstarrt und dann auch noch die einzelnen Filme immer schlechter werden, dann baut sich halt ein Druck auf, und irgendwann haut jemand auf den Tisch und schreit laut. Ich war jetzt halt derjenige, der’s getan hat. Sonst hätte es ein anderer gemacht, denn die Zeit war reif.
    Saturday at 03:47 via mobile · Edited · Like

    Revolver, Zeitschrift für Film: Sorry, haters: das ist einfach nur Quatsch.
    15 February at 21:40 · Unlike · 2

    Dietrich Brüggemann: Nee, das stimmt voll, aber was du schreibst, ist kompletter Quatsch, ätschbätsch. – Na, wollen wir in dem Stil weitermachen? Mit der Debattenstruktur von Vierjährigen? Ich jedenfalls nicht. Melde mich daher ab, in persönlich weiterhin ungebrochener Wertschätzung, wie ich bereits mehrfach betont habe. Gute Nacht!
    15 February at 22:52 via mobile · Like · 1

    Patsy Davies Die Streit, die hier sich ausdrückt, ist eines über Geld, Anerkennung und Liebe. Aber dieses Geld, Anerkennung und Liebe kommt nicht von Menschen, sondern von einem Staat. Das ist komisch – ein schönes Wort in Deutsch, weil es gleichzeitig seltsam und lustig meint.
    Saturday at 15:48 · Like

    Patsy Davies Antonioni hat seine Filme ohne Subsidies gemacht. Das ist warum niemand ihn geschimpft hat.
    Saturday at 15:50 · Like

    Patsy Davies p.s.: entschudlige mein schlechtes Deutsch.
    Saturday at 15:51 · Like

    Anna Stöve Brüggemann Also, ich mag ja die Berliner Schule. Manchmal. Aber das Problem ist nicht die Berliner Schule, oder sonst irgendeine Richtung, Schule etc., das Problem ist m.E., daß Filme und andere künstlerischen Äußerungen, sei es Malerei oder Musik, um Preise wetteifern. Das passt nicht zusammen und ist gleichzeitig sehr verführerisch. Preise verändern den künstlerischen Output, und auf ein mal hat man -zumindest auf Festivals- sehr viele Filme aus einer Strömung. Und dann kommt es zu Genervtheiten. Das ist so ähnlich, wie wenn mir zum Geburtstag alle Rosen mitbringen, und einer schenkt mir einen Strauss Disteln. Natürlich ist der mit den Disteln erst mal der Coolste. Bringen im nächsten Jahr alle Disteln mit, vermisse ich die Rosen.
    Sunday at 11:17 via mobile · Edited · Unlike · 2

    Stijepo Pavlina http://www.spiegel.de/kultur/gesellschaft/berlinale-georg-diez-ueber-die-kaelte-der-deutschen-kunst-a-883657.html

  62. Andreas says:

    Hallo,
    ist ja spannend, hier dem Diskurs der Insider (so scheint es zumindest) zu folgen. Mal Mäuschen spielen.
    Ich möchte mich da mal als reiner Filmkonsument einschalten, der einen nicht zu geringen Betrag jährlich in die Kinos bringt. Prinzipiell stimme ich der vorgebrachten Kritik zu. Ich habe mich in diesem Jahr mehrfach geweigert, mir bestimmte Filme anzusehen (im Gegensatz zu meiner Freundin), da ich beim besten Willen nichts gutes von ihnen erwartete. Da fallen mir Filme wie „Barbara“ oder „Was bleibt“ ein. Ein Streifen, in dem gezeigt wird, wie man in gehobener bürgerlicher Sphäre leidet. Natürlich an Depressionen. Depression ist eine Krankheit wie Schnupfen und als solche einfach nicht interessant. Schnupfen ist auch nicht interessant. Beziehungskonflikte sind interessant. Wie Menschen miteinander umgehen und vor allem warum. Gesellschaftliche Spannungen sind interessant.
    Wir leben in turbulenten Zeiten der Krise. Aber der deutsche Film getraut sich nicht die heißen Eisen anzufassen (und wenn dann sind es die Eisen der Vergangenheit). In meiner Vorstellung ist die deutsche Filmbranche eine Bande verweichlichter (von Subventionskohle?) spießbürgerlicher Langweiler. Es gibt natürlich Ausnahmen.
    Aber anders gefragt:
    Warum ist das Theater so anders? Da wird in fast jedem Stück (selbst bei den Klassikern) Bezug auf die aktuellen Widersprüche genommen. Das Theater ( meine Erfahrungen beziehen sich da leider nur auf Dresden und Wien, aber wird wohl anderswo nicht anders sein) ist witzig, es begeistert, ist emotionsgeladen und es gibt tolle Musik.
    Unsereiner muss also bei dieser Diskussion über ungesehene Filme reden, Filme, denen man sich verweigert hat.
    Ihrer gehörte allerdings auch dazu. Meine Kritik kann sich demnnach erst mal nur auf den Trailer und Hörensagen beziehen. Ich frage sie: Worauf will mich der Trailer neugierig machen? Ein Trailer wie ein Werbeclip für Eiscreme. Softrock. Lachende, schöne junge Menschen, schnelle Schnitte und Zahlen die irgendwie nahezulegen scheinen, dass mehr besser ist. Sicher bin ich der Zielgruppe schon entwachsen, aber auch mein Sohn interessiert sich mehr für Film, die mit einer tragfähigen, interessanten und bewegenden Story daherkommen (und die bieten selbst missratene amerikanischen Streifen gelegentlich). Falls es die in ihrem Film geben solle, aus dem Trailer geht das überhaupt nicht hervor. Umzüge sind wie Schnupfen. Und über Generationen und ihre Merkmale kann man in Blogs oder Fachzeitschriften debattieren. In einem Film erwarte ich eine spannende Geschichte, die mich zum Nachdenken anregt (meinetwegen auch über Generationenkonflikte). Sätze wie „Unsere Generation…“ turnen ab. Absolut. Denken sie mal an „Juno“. Ein toller Film über das Erwachsenwerden, mit dem sich auch Ältere problemlos identifizieren können. Tolle Schauspieler, tolle Story und gute Musik.
    Eventuell schaue ich mir ihren Film ja am Montag mal an, da läuft der nämlich nochmal im benachbarten Kino in der Extra Reihe. Wahrscheinlich sitze ich dabei jedoch wieder allein im Kino (abgesehen von dem parkinsongeplagten Rentner, der immer hinten links sitzt).

  63. zbynek cerven says:

    DANKE!

  64. Karo says:

    Ach. Und in „Die Finanzen des Grossherzogs Radikant“ findest du die Emotionen, die du sonst vermisst? Das ist doch genau der verkopfte Kram, den du anprangerst…

    • dietrich says:

      Nein. Das ist natürlich kein großes Emotionskino, ist aber auch keineswegs der verkopfte Kram, den ich anprangere. Guck dir den mal im Vergleich mit einem beliebigen Berliner-Schule-Film an, und du wirst vermutlich einen gewissen Unterschied bemerken. Es gibt mehr als zwei Richtungen, es gibt tausend Arten, einen Film zu machen. Ich will nicht immer und nur noch Emotionen sehen. Ich will einfach nicht immer dasselbe sehen. So sieht’s aus.

  65. max müller says:

    Bravo!

  66. FJ Renard says:

    Durch die Entwicklung im Bereich DSLR, Crowdfunding etc. bietet sich auch hierzulande eine Möglichkeit für junge Filmemacher, aus dem technokratischen Schema der Filmschulen auszubrechen. Das „ancien Régime“ (zu dem ohne Zweifel auch der Herr „C.“ gehört) wird ob der „Tölpelhaftigkeit“ bei Kamera, Schnitt und Ton die Nase rümpfen und technische Imperfektion ankreiden, aber das ist egal. Guter Film kann auch auf einem iPhone gedreht werden und das wird er in Zukunft auch.

  67. Die schönste Fehlleistung in Deinem Text war das mit Roy Andersson (habe nicht alle Kommentare gelesen, vielleicht war es noch jemandem aufgefallen), den man angeblich nur in Cannes zu sehen bekommt. Der werte Herr A. hat in den letzten 30 Jahren 2 (in Worten: zwei!) abendfüllende Spielfilme gedreht, von denen einer tatsächlich im Wettbewerb von Cannes war. Beide hatten aber ganz regulären deutschen Kinostart, waren also nicht nur in Berlin zu sehen, sondern wahrscheinlich auch in München, Köln, Hamburg, womöglich sogar in Hannover, Leipzig und Mannheim.
    Ferne finde ich, dass das Thema „Liebe“ in Filmen der Berliner Schule auch nicht besser oder schlechter abgehandelt wird als in anderen deutschen Filmen. In „Gold“ beispielsweise waren die Szenen zwischen Nina Hoss und Marko Mandic eher noch ein Höhepunkt des Films. Und unter „roboterhaft“ verstehe ich etwas anderes …

    • dietrich says:

      Ich sprach von Festivals. Was ins Kino kommt, ist ein anderes Thema. Aber wie gesagt, ich sprach von Festivals.

      • Wenn man etwas zweimal schreibt, erhöht das dann automatisch den Wahrheitsgehalt? Du sprachst von so vielen Dingen und sprangst mit Deinen Gedanken und Argumentationen dermaßen hin und her, dass eine Hinterfragung Deiner ganz persönlichen Textlogik natürlich nicht möglich ist. Ich entschuldige mich dafür, dies überhaupt probiert zu haben.

        • dietrich says:

          Immer mit der Ruhe. Roy Andersson hat übrigens in den letzten 500 Jahren sogar 4 Filme gedreht. In den letzten drei Jahren hingegen in der Tat keinen einzigen. In den letzten fünf Minuten: Auch Fehlanzeige. Bei der Szene zwischen Hoss und Mandic sprang hinter mir ein Zuschauer auf und rief: Never date a german woman. Nein, das ist natürlich nicht passiert. Wäre aber lustig gewesen. Zum Rest sage ich lieber nichts., sondern sage höflich adieu.

  68. Uwe Janson says:

    Schade, dass es hier in den Kommentaren oft mehr um Attacken und Gegenattacken, um Geschmack und persönliche Vorlieben geht als um wirkliche Auseinandersetzung. Klar ist: ein Teil der Zuschauer und der Filmemacher sind unzufrieden und das zu recht. So verdient Dietrichs Aufschrei Anerkennung, denn er zeigt uns seinen Unmut. Ich vermisse schon länger eine kollegiale streitkultur unter den Machern und dem Publikum, vermisse die Auseinandersetzung in der es um den Sachverhalt geht und nicht um persönliche Befindlichkeit und Betroffenheit. Ich finde, wir müssen versuchen genau das zu überwinden.

  69. Ralph says:

    „Na klar müssen Dialoge im Film schneller und schlagfertiger als im wirklichen Leben. Schau nach bei Aaron Sorkin.“
    …oder bei Joss Whedon, Rob Thomas, Dan Harmon, Larry David, Mitchell Hurwitz, Matthew Weiner usw.
    Dass sie genau das in deutschen Filmen oftmals aber nicht sind und die sogenannten Charaktere in schockierend somnabulem und völlig missverstandenem „Realismus“ miteinander (oder eher aneinander vorbei) parlieren, ist eines der fundamentalsten Probleme.

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  72. Johnc259 says:

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  73. Sonja says:

    Hallo Herr Brüggemann!

    Gratuliere zu Ihrer großartigen Polemik, die längst überfällig war…

    Auch ich habe über die letzten 15 Jahre hinweg die Evolution der „Berliner Schule“ mitverfolgt: Zuerst interessiert, manchmal fasziniert, selten beeindruckt, meistens
    ratlos.

    Es freute mich zwar, dass wieder mal was im deutschen Film los war und sich eine Art rebellische Anti-Ästhetik herausgebildet, aber mir war schnell klar, dass es sich um nichts wirklich rebellisches oder innovatives handelte.

    Man hatte es hier im Wesentlichen mit FilmhochschülerInnen zu tun, die sehr, sehr viele Filme von Robert Bresson, Harun Farocki und Maurice Pialat gesehen hatten
    und deren Ästhetik mimetisch nacheiferten.
    Besonders deutlich wurde mir das bei Thomas Arslan, dessen „Dealer“ eine Art Arthouse-Remake von „Pickpocket“ sein will.
    Es war also, bei allem oberflächlichen Stillwillen, keine neue Idee dahinter.

    Ebenso Christian Petzold:
    Dieser recht gute Drehbuchautor und Regisseur dreht permanent „neue“ Versionen
    von alten Filmen und zitiert sich so fleißig durch die Filmgeschichte, dass Tarantino sicher beeindruckt wäre.

    Das Filmemacher von Angela Schanelec ist schlicht frigide.
    Auch sie ist eine Bresson-Plagiaristin, die eigentlich nichts zu erzählen hat.

    Die einzigen „Berliner Schule“ Filme, die ich mochte, waren die, die Sie aufgezählt haben. Insbesondere Maren Ade hat als Einzige das Kunststück vollbracht, einen trockenen Humor und eine soziale Realitätsnähe fruchtbar zu kombinieren.
    Ihre Filme sind richtig gut, unterhaltsam und lebendig.

    Die „Berliner Schule“ hat inzwischen aus gutem Grund einen schlechten Ruf beim Publikum und es ist gut zu wissen, dass deutsche FilmemacherInnen langsam die Nase vollhaben von der Monokultur. Der karge Stil und die elitäre Grundeinstellung der „Berliner Schule“ waren zutiefst publikumsfeindlich und das rächt sich nun.

    Es wird Zeit sie zu begraben und sich nach neuen Richtungen umzusehen.

    Vielen Dank für den Text !

  74. Sonja says:

    Hallo Herr Brüggemann!

    Gratuliere zu Ihrer großartigen Polemik, die längst überfällig war…

    Auch ich habe über die letzten 15 Jahre hinweg die Evolution der „Berliner Schule“ mitverfolgt: Zuerst interessiert, manchmal fasziniert, selten beeindruckt, meistens ratlos.

    Es freute mich zwar, dass wieder mal was im deutschen Film los war und eine Art rebellische Anti-Ästhetik auftrat, aber mir war schnell klar, dass es sich um nichts wirklich rebellisches oder innovatives handelte.

    Man hatte es hier im Wesentlichen mit FilmhochschülerInnen zu tun, die sehr, sehr viele Filme von Robert Bresson, Harun Farocki und Maurice Pialat gesehen hatten
    und deren Ästhetik mimetisch nacheiferten.
    Besonders deutlich wurde mir das bei Thomas Arslan, dessen „Dealer“ eine Art Arthouse-Remake von „Pickpocket“ sein will.
    Es war also, bei allem oberflächlichen Stillwillen, keine neue Idee dahinter.

    Ebenso Christian Petzold:
    Dieser recht gute Drehbuchautor und Regisseur dreht permanent „neue“ Versionen
    von alten Filmen und zitiert sich so fleißig durch die Filmgeschichte, dass Tarantino sicher beeindruckt wäre.

    Das Filmemachen von Angela Schanelec ist schlicht frigide.
    Auch sie ist eine Bresson-Plagiaristin, die eigentlich nichts zu erzählen hat.

    Die einzigen „Berliner Schule“ Filme, die ich mochte, waren die, die Sie aufgezählt haben. Insbesondere Maren Ade hat als Einzige das Kunststück vollbracht, einen trockenen Humor und eine soziale Realitätsnähe fruchtbar zu kombinieren.
    Ihre Filme sind richtig gut, unterhaltsam und lebendig.

    Die „Berliner Schule“ hat inzwischen aus gutem Grund einen schlechten Ruf beim Publikum und es ist gut zu wissen, dass deutsche FilmemacherInnen langsam die Nase voll haben von der Monokultur. Der karge Stil und die elitäre Grundeinstellung der „Berliner Schule“ waren zutiefst publikumsfeindlich und das rächt sich nun.

    Es wird Zeit sie zu begraben und sich nach neuen Richtungen umzusehen.

    Vielen Dank für den Text !

  75. Sonja says:

    Hallo Herr Brüggemann!

    Gratuliere zu Ihrer großartigen Polemik, die längst überfällig war…

    Auch ich habe über die letzten 15 Jahre hinweg die Evolution der „Berliner Schule“ mitverfolgt: Zuerst interessiert, manchmal fasziniert, selten beeindruckt, meistens
    ratlos.

    Es freute mich zwar, dass wieder mal was im deutschen Film los war und sich eine Art rebellische Anti-Ästhetik herausgebildet, aber mir war schnell klar, dass es sich um nichts wirklich rebellisches oder innovatives handelte.

    Man hatte es hier im Wesentlichen mit FilmhochschülerInnen zu tun, die sehr, sehr viele Filme von Robert Bresson, Harun Farocki und Maurice Pialat gesehen hatten
    und deren Ästhetik mimetisch nacheiferten. Besonders deutlich wurde mir das bei Thomas Arslan, dessen „Dealer“ eine Art Arthouse-Remake von „Pickpocket“ sein will.
    Es war also, bei allem oberflächlichen Stilwillen, keine neue Idee dahinter.

    Ebenso Christian Petzold:
    Dieser recht gute Drehbuchautor und Regisseur dreht permanent „neue“ Versionen
    von alten Filmen und zitiert sich so fleißig durch die Filmgeschichte, dass Tarantino sicher beeindruckt wäre.

    Das Filmemacher von Angela Schanelec ist schlicht frigide.
    Auch sie ist eine Bresson-Plagiaristin, die eigentlich nichts zu erzählen hat.

    Die einzigen „Berliner Schule“ Filme, die ich mochte, waren die, die Sie aufgezählt haben. Insbesondere Maren Ade hat als Einzige das Kunststück vollbracht, einen trockenen Humor und eine soziale Realitätsnähe fruchtbar zu kombinieren.
    Ihre Filme sind richtig gut, unterhaltsam und lebendig.

    Die „Berliner Schule“ hat inzwischen aus gutem Grund einen schlechten Ruf beim Publikum und es ist gut zu wissen, dass deutsche FilmemacherInnen langsam die Nase vollhaben von der Monokultur. Der karge Stil und die elitäre Grundeinstellung der „Berliner Schule“ waren zutiefst publikumsfeindlich und das rächt sich nun.

    Es wird Zeit sie zu begraben und sich nach neuen Richtungen umzusehen.

    Vielen Dank für den Text !

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