Eine lange Liste von Videoessays

Der folgende Beitrag stammt nicht von mir, sondern von meinem Freund und Kollegen Daniel Bickermann. Den kenne ich, seit er irgendwann tief in den nuller Jahren zur Autorengemeinde des „Schnitt“ stieß und nicht nur dieselben Initialien hatte wie ich, sondern auch einen Schreib- und Denkstil, mit dem ich sehr viel anfangen konnte. Dann zog er irgendwann nach Berlin und kam mit seinem Schreibtisch in meine lustige Bürogemeinschaft, und als es vor einiger Zeit daran ging, den ersten „Tatort“ zu schreiben, war es sehr naheliegend, ihn zum Co-Autoren zu ernennen. Der Tatort ist jetzt fertig und wird am 10. September ausgestrahlt, Daniel schreibt weiter Drehbücher, vor allem aber ist er der Mensch mit dem umfassendsten und abseitigsten Filmwissen, den ich weit und breit kenne. Ein Gespräch mit ihm ist also stets nicht nur eine Freude, sondern auch ein Gewinn.

Der untenstehende Text ist gewissermaßen das Äquivalent eines längeren Küchengesprächs in unserem Gemeinschaftsbüro. Ich habe noch nicht mal die Hälfte der dort aufgeführten Videos gesehen. Aber die, die ich gesehen habe, sind wirklich toll. Vieles davon ist auch in deutschen Filmkreisen noch weithin unbekannt, und sogar in amerikanischen – ich hatte in letzter Zeit gleich drei Gespräche mit Amerikanern, in denen ich immer irgendwann  „Every Frame a Painting“ sagte und jeweils in ein fragendes Gesicht guckte. Und eines dieser Gesichter gehörte immerhin einer Editorin, die höchst respektable Arthousefilme schneidet, ein anderes einem Journalisten von der HFPA, die die Golden Globes vergibt. Also, wer ganz vorn dabei sein will, macht es wie Daniel Bickermann, schließt sich drei Tage ein und guckt diese Liste durch.

Ich kann versichern: Es lohnt sich.

Zehn Empfehlungen für Videoessays über Filmkunst
von Daniel Bickermann

Immer wenn ich betone, daß ich als Cineast einen Großteil meiner Zeit auf YouTube verbringe und dort jeden Tag noch enorm viel über Filmgeschichte, Filmkunst und Filmtechnik dazulerne, gibt es viele Fragen. Die Antwort lautet meist: „Video Essays“. Manche können etwas mit dem Begriff anfangen, andere nicht. Aber alle wollen Beispiele haben, und so habe ich in der Vergangenheit mehrfach Empfehlungen und Tips ausgesprochen, wo im Internet die besten Adressen für so etwas sind, von der amüsanten thematischen Neuinterpretation allseits bekannter Popkulturklassiker bis zur technischen Detailanalyse obskurer Stummfilme. Hier sind 10 Anlaufstellen mit ausgewählten Beispielen, in denen man sich verlieren kann. (Und ja, mir ist auch aufgefallen, daß sie alle englischsprachig und meist US-amerikanisch sind; und nein, ich weiß auch nicht, warum es keine deutschen Video Essays gibt, obwohl der Essayfilm durch Leute wie Alexander Kluge, Edgar Reitz oder Harun Farocki hierzulande durchaus Tradition hat. Tony Zhou weist auf die stärkere audiovisuelle Ausbildung an US-Schulen hin, vielleicht ist da was dran. Ich bin aber gerne offen für spannende deutsche Kanäle.)

0. Der Ausgangspunkt: 
What Makes a Video Essay Great?
Der König persönlich, der wunderbare Kevin B. Lee, ist nicht nur einer der produktivsten Video-Essay-Künstler, sondern auch ein echter Vordenker und führt uns kritisch in das Genre des Video Essays ein. Selbst wenn man keinerlei weitere Informationen hat, kann man allein durch freeze frames aus diesem Video eigentlich alle bedeutenden Macher und Kanäle herauslesen, von denen ich viele hier auch nochmal erwähne (wie kogonada oder Tony Zhou oder die „Unloved“-Reihe). Also als allererstes Mal diesen Link klicken und schauen, was einen da erwartet.

1. Every Frame a Painting
Lee hat es ja erwähnt: Tony Zhou ist der neue Star der Video-Essay-Szene, und durchaus zurecht. Sein Kanal mit knapp dreißig 10minütern noch sehr übersichtlich (und seit einem halben Jahr schweigt Zhou plötzlich und mysteriös…), aber der gelernte Editor Zhou kann in 10 Minuten mehr erzählen als andere in 45 Minuten Doku oder 100 Seiten Buch. Die Richtung ist sowohl highbrow (Satoshi Kon, Kurosawa, Bong Joon-ho) als auch lowbrow (Spielberg, Chuck Jones, Jackie Chan), historisch (Buster Keaton) und manchmal themenbezogen (Vancouver als Drehort, SMS im Film), und die Analyse ist messerscharf, klug und extrem präzise. Mein Favorit ein Must-See für alle, die an der Form des Video Essays interessiert sind.
Besondere Empfehlungen: Eigentlich alle, aber für den Anfang die wunderbaren Essays über Texte und Internet im Film, über Edgar Wright und Visual Comedy, über die Methode Michael Bay (doch! Wirklich! Wunderbarer Essay), über Jackie Chan und Action Comedy und über die Kunst und Gedanken des Filmschnitts.

2. Kevin B. Lee
Kevin B. Lee selbst arbeitet heutzutage ja vor allem für den Arthouse-Download-Dienst Fandor, und macht dort Kurzessays zu wirklich, wirklich obskuren internationalen Filmemachern wie Rick Alverson, Lynne Sachs, Koji Wakamatsu oder Ying Liang. Die bekannteren Namen sind da noch Petzold, Bava, Haneke, Solondz oder D.W. Griffith. Man sieht also schon: Durch alle Epochen und Kulturen hindurch sehr an Filmsprache interessiert. Das beste ist hier, sich einfach mal durch die Liste zu lesen und zu sehen, was interessiert. Ist nur ein Bruchteil von Lees insgesamt über 200 Video Essays, aber die meisten muß man auf allen möglichen Plattformen suchen…

3. KyleKallgrenBHH
Ein weiterer Dinosaurier dieser jungen Form: Kyle kommt aus der hochinteressanten „Channel Awesome“-Gruppe, die seit 2008 Online-Legenden wie Nostalgia Critic, Todd in the Shadows, Obscura Lupus, Angry Joe und andere hervorgebracht hat. Der Kanal hatte anfangs große Probleme mit den Copyright-Sperren bei YouTube und fand meist auf Blip statt, bevor das eingestellt wurde (daher sind bei ihm wie bei seinen Mitstreitern viele Videos noch nicht unter seinem Namen auf YouTube, und es macht mehr Sinn zB nach seiner Reihe „Brows Held High“ zu suchen und vollständigere Listen wie diese hier zu finden. Kyle Kallgren ist der Literat und Intellektuelle unter den YouTube-Filmanalytikern, der nicht nur jedes Jahr einen Shakespeare-Monat macht, sondern in Reihen wie „Brows Held High“ oder „Between the Lines“ auch Nietzsche, Camus, Godard, Vertov, Greenaway, Jarman, Panahi, Oshima, Jiří Trnka, Zardoz, Mumblecore, das Noh-Theater und die Andy-Warhol-Filme druchaus kompetent diskutieren kann. Er legt den Fokus oft auf Literaturverfilmungen und historische gesellschaftliche Umstände, generell eher thematisch als technisch; man darf also gerne mal Bibel-Zitate, Anspielungen auf literarische Werke oder auf aktuelle gesellschaftliche Strömungen erwarten. Sein Tonfall ist oft leicht spöttisch aber immer liebevoll, und seine Analysen sind nicht selten brillant und kraftvoll.
Besondere Empfehlungen sind eigentlich alle. Ich liebe seine Branagh-Analyse genauso wie seine Kurosawa-Interpretation und seine Greenaway-Haßliebe. Gute Startpunkte sind seine Videos zu „Rosencrantz and Gildenstern are Dead“, zu „Merry Christmas, Mr. Lawrence“, zu „Koyaanisqatsi“ und warum es niemals neu war und wie er eloquent die „Caligari zu Hitler“-Theorie auf Trump anwendet.

4. Channel Criswell
Ein noch recht junger Kanal eines gewissen Lewis Bond, der mit seinem schottischen Akzent und wunderbarer Stimme durch seine durchaus beeindruckenden bisherigen Essays führt. Wobei er Regie-Analysen und Technik-Analysen abwechselt und dabei vor allem das internationale Arthouse der letzten 50 Jahre im Blick hat, von den japanischen Meistern über die Nouvelle Vague bis zum aktuellen Autorenkino.
Besondere Empfehlungen: Seine Essays zu Hayao Miyazaki, Yasujirô Ozu, zu Elem Klimov „Komm und Sieh“ sowie zu Bildkomposition, zur Farbdramaturgie und zur Dialogführung, natürlich anhand von „The Social Network„.

5. Now You See It
Ebenfalls ein relativ junger Kanal, der aber schon viele interessante Essays hat. Kurze Videos von meist fünf Minuten über konkrete Aspekte des filmischen Handwerkszeugs anhand von filmhistorischen Beispielen, wie der Dolly-Zoom, der Jump Scare, der Long Shot oder das Kostümdesign.
Besondere Empfehlungen: Entsprechend gehen diese kurzen Empfehlungen über unterschiedliche Bildformate, typische Schluß-Einstellungen und das Durchbrechen der Vierten Wand.

6. kogonada
Wie Kevin B. Lee im Anfangsessay schon erklärte, hat der Supercut als Video Essay einen zweifelhaften Ruf, aber kogonada ist der Meister des Genres. Wie Lee selbst zählt er zur ersten Generation der Essayisten, die sich über Filmfirmen finanzieren (kogonada arbeitet für die Criterion Collection und Sight & Sound), anstatt, wie die jüngere Generation, sich über YouTube und Patreon-Spenden zu finanzieren (an dieser Stelle mein Aufruf, die Kanäle, die gefallen, durchaus mit einer kleinen Spende zu bedenken, ich selbst bin monatlicher Unterstützer von mehreren Essayisten auf dieser Liste hier). Entsprechend ist kogonada auch etwas filmhistorischer unterwegs als viele jüngere YouTuber, bei ihm findet man viel zu den ersten 50 Jahren Film oder un-hippen Klassikern der 30er und 40er. kogonadas Status in der Szene läßt sich schon daran erkennen, daß seine Identität weiterhin ein Geheimnis ist und es jahrelang nichtmal ein Foto von ihm online gab – ich durfte ihn und Lee bei einem seiner sehr seltenen öffentlichen Auftritte bei Berlinale Talents live sehen (den Talk gibt es auch online). Seine über-detaillierten und wundervoll spielerischen supercuts sind legendär, aber er macht zunehmend auch kommentierte Video Essays, die trotzdem nicht traditionell, sondern innovativ und spekulativ daherkommen – eine hochgradig interessante Stimme in der Szene in jedem Fall. Oh, und übrigens hat er gerade sein Regiedebüt „Columbus“ abgedreht.
Besondere Empfehlungen: Ein guter Einstiegspunkt sind seine wortlosen Supercuts zu „Wes Anderson // Centered“ und „Ozu // Passageways“, aber auch seine Essays zum Neorealismus oder zu den Händen und Türen bei Robert Bresson.

7. Nerdwriter1
Evan Puschak, ein Videomacher mit Network-Erfahrung, behandelt in fünf bis zehn Minuten langen Videos allerlei Beobachtungen und Analysen in allen aktuellen Kulturformen wie Kunst, Comedy und Musik, hat aber vor allem auch sehr kluge Filmanalyse im Programm. Sein Kanal wurde inzwischen zu so etwas wie dem Aushängeschild zu kulturellen Video Essays, und es gibt sogar schon Aprilscherz-Parodien auf seinen Stil. Seine Vorlieben sind die üblichen Arthouse-Verdächtigen wie Lynch, Wong Kar-Wai, Scorsese, etc., aber er findet tatsächlich neue und interessante filmstrategische Details in den ausgewählten Werken.
Besondere Empfehlungen: Neben seinen Essays zu Donald Trump, Craig Ferguson oder Louis CK, die auch toll sind, bleiben vor allem seine Essays zu Shane Blacks Filmgewalt in Erinnerung, zu Körpern in „Eastern Promises“, zum Cinema of Excess in „The Wolf of Wall Street“ oder zum Rahmenmotiv in „In The Mood For Love„.

8. Matt Zoeller Seitz
Manche Essays finden nicht auf YouTube statt, sogar ziemlich viele. Matt Zoeller Seitz kommt aus der Roger-Ebert-Ecke und hat die meisten seiner Essays für dessen Website erstellt. Wie Kevin B Lee ist er ein echter Vordenker der Form, und sein (schriftlicher) Essay über Video Essays war sehr prägend. Auf Vimeo findet man eigentlich alle seine Werke, und die sind eminent klug und anschauenswert. Seitz behandelt Filmemacher meist mit wirklich ausführlichen Reihen, die dann insgesamt durchaus Spielfilmlänge haben. Am berühmtesten ist wohl seine wirklich brillante Analysereihe zu Wes Anderson (Einzelvideos zu allen Filmen sowie fünf Kapitel „The Substance of Style“ über Andersons Vorbilder von hal Ashby bis JD Salinger, alles zusammen hier), über den er ein gigantisches Buch geschrieben hat, aber auch seine Arbeiten zu den Filmen von Terrence Malick, Michael Mann, Oliver Stone und sogar vergessenen Größen wie Budd Boetticher sind sehr empfehlenswert.

9. „Frame by Frame“ von The Film Theorists
Die erste von zwei Einzelreihe auf dieser Liste. Die Film Theorists unter der Leitung des sehr umtriebige Matthew „MatPat“ Patrick haben mehrere Reihen auf ihrem Kanal wie „Did you know movies“, wo es Hintergrunddetails zu Filmen gibt, „Film Theory“ (wo interessante Popkulturhypothesen aufgestellt werden) und vor allem „Frame by Frame“, wo sehr kluge Filmhandwerk-Analyse betrieben wird. Die Richtung ist meistens aktuelle Popkultur, wenig Filmgeschichte, eher die aktuellen, internationalen Klassiker und Arthouse-Werke, die Länge ist mit fünf bis zehn Minuten knapp und konzentriert, der Informationsgehalt hoch.
Besondere Empfehlungen: Immer schön, eine Geschichte der Sexszene zu sehen, außerdem das Ungezeigte in „Let the Right One In“, Eye Tracing in „Mad Max: Fury Road“ und Forced Perspective in „Game of Thrones“.

10. „Movies with Mikey“ bei Chainsawsuit Originals
Mikey Newman geht mit viel Liebe, Sarkasmus, einem gewissen Impro-Gefühl und viel Showmanship in seine Filmanalysen. Die ironischen Musikeinsätze wirken anfangs abschreckend, stellen sich aber als grandiose Running Gags heraus, wenn man mehrere seiner Videos gesehen hat. Zudem hat er den besten (aber leider nur manchmal benutzten) Vorspann aller YouTuber, ein tarantinoeskes 70er-Monster voller ironischer Einblendungen und blinkender Lichter. Das alles hört sich nach Style over Substance an, aber Newman ist überraschend tiefgründig, auf nicht selten 20 Minuten nimmt er Arthouse, Kultfilme und viele 80er- und 90er- Nostalgie-Trips auseinander. Und auch wenn die Analyse hier sehr oft von einem gewissen Fan-tum begleitet wird, ist sie doch meist sehr klug.
Besondere Empfehlungen sind zB seine liebevoll-gnadenlose Analyse von Carpenters „Big Trouble in Litte China“, zu „Pans Labyrinth“ oder zu „Galaxy Quest“.

 

Honorable Mentions:

Renegade Cut
Ein weiterer Dinosaurier des Video-Essays, dieser Kanal hat nun schon seit 4 oder 5 Jahre seine zehn- bis 15minütige Videos veröffentlicht, um „philosophische, politische und thematische Analysen“ von Filmen zu machen. Die Auswahl ist entsprechend universell, durch die gesamte Filmgeschichte und sogar das große Spektrum von Qualität bis Murks wurden hier bereits hunderte Filme sehr klug und originell analysiert. Leon Thomas‘ Stimme wirkt anfangs etwas monoton, aber das sollte niemanden abschrecken.

The Unloved
Scout Tafoya nimmt sich liebevoll der „ungeliebten“ Werke der Filmgeschichte an, seien es kritisch geflopppte Mainstreamwerke, zu Unrecht vergessene Arthouse-Perlen oder übersehene frühe Filme, die es nicht in den Kanon geschafft haben. Schöne Beispiele: The Village und Fire Walk With Me.

Matthias Storck: Chaos Cinema, Teile 1-3
Ein sehr einflußreicher Video Essay des deutschstämmigen Filmwissenschaftlers, der online kontrovers diskutiert wurde. Er analysiert moderne Schnitt- und Regie-Technik erst im Actionkino (Teil 1), dann aber auch in Dialog-Szenen und anderen Genres (Teil 2) und geht dafür bis an den Anfang der Filmgeschichte. Der Essay zog einen dritten Teil als Antwort auf die Diskussion nach sich. Must-See für Editoren.

CineFix
Eine der ersten Anlaufstellen für Filmliebhaber auf YouTube, hat aktuelle Kritiken, aber auch endlos viele Reihen wie Hintergrunddetails („Things you didn’t know“), Filmlisten, Adaptionsvergleiche zwischen Buch und Film („What’s the difference“), aber auch klug kuratierte und analysierte Essays zu bestimmten narrativen Topoi, die dann auseinandergenommen werden. Die Reihe „Art of the Scene“ analysiert legendäre Einzelszenen sehr exakt auf Inszenierung und Produktion, während die „Movie Lists“ weit mehr sind als pure „Best of“-Liste, sondern zu bestimmten Genres oder Stilmitteln dutzende Beispiele ausgraben und analysieren.

Wisecrack Edition
Eine sehr bunte Mischung aus unterschiedlichen Reihen auf diesem sehr komischen Kanal, wo ein Außerirdischer aus der Zukunft Filmklassiker analysiert („Earthling Cinema“), ein Gangster-Rapper Literaturklassiker im Street Slang analysiert („Thug Notes“) und Fragen nach sozialen oder politischen Themen als Pixel-Videos durchgespielt werden („8-Bit Pholosophy“). Und mittendrin gibt es mit der „Wisecrack Edition“ (eine faszinierende Reihe von erstaunlich ausführlichen und profunden Film- und Fernsehanalysen, die durchaus auf diese Liste gehören.

Lessons from the Screenplay
Ein Kanal eher für Drehbuchautoren und solche, die es gerne werden wollen, wo meist Klassiker der letzten 30 Jahre auf ihre Drehbuch-Kniffe abgeklopft werden, meist mit klaren Fragestellungen, wie man zB Spannung in Dialogszenen erhöht, Twists vorbereitet, Genrekonventionen bricht oder Antihelden erzählt. Mein persönliches Highlight ist die Analyse von 30 Seiten Drehbuch, die im Lauf des Filmens von „American Beauty“ gestrichen wurden.

One Hundred Years of Cinema
Eine nette kleine Idee: Für jedes Jahr seit 1914 wird ein kleines Video mit der bedeutendsten filmgeschichtlichen Entwicklung bzw. dem wichtigsten Film dieses Jahres herausgegeben. Nicht mehr als ein kleiner filmgeschichtlicher Auffrischer, aber durchaus unterhaltsam. Ist allerdings bisher erst bei 1933…

Film Formula
Dieser Kanal wird leider nur selten erweitert, ist aber ein guter Anlaufpunkt für Film Essays zu aktuellen Geheimtips wie „Nocturnal Animals“ oder „The Double“, aber auch zu einigen Arthouse-Klassikern von Filmemachern wie von Trier, Jodorwoski oder Kieslowski.

Folding Ideas
Was „Lessons from the Screenplay“ für Autoren ist „Folding Ideas“ für Editoren. Dan Olson ist ein Cutter, der sich wunderbar in Rage reden kann über die nachlässige Schnittkunst im aktuellen Kino. Nachdem er seit einigen Jahren nicht mehr eine Karton mit Brille als Alter Ego benutzt, sondern sein „Hipster-Sandler“-Selbst vor die Kamera stellt, hat er sehr kluge Analysen zum Gebrauch des Jump Cuts, zu Setup und Payoff, zu Propaganda und zu durchaus komplexen Phänomenen wie dem Kuleshov-Effekt oder der „ludonarrativen Dissonanz“. Aber mein persönliches Highlight ist und bleibt sein epischer, halbstündiger Take-Down von „Suicide Squad“, wo er haarklein (und unglaublich unterhaltsam) analysiert, was beim Schnitt eines modernen Blockbuster-Films alles schieflaufen kann und worin vermutlich die Ursachen zu suchen sind.

 

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One Response to Eine lange Liste von Videoessays

  1. holger jagersberger says:

    Toller Beitrag, danke!

    Kevin B. Lee war übrigens heuer Stipendiat in Berlin und unterrichtet dieses Studienjahr in Stuttgart:

    http://www.merz-akademie.de/blog/kevin-b-lee-professor-for-crossmedia-publishing

    http://www.tagesspiegel.de/kultur/der-video-essayist-kevin-b-lee-medienkritik-mit-transformers/19349834.html

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